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Zehnter Todestag von Margarete Schütte-Lihotzky




Auf der letzten Biennale von Venedig hatte sie noch einmal einen wichtigen Auftritt: Der junge Brite Liam Gillick, der den deutschen Pavillon bespielte, nahm Margarete Schütte-Lihotzkys berühmte „Frankfurter Küche“, den aus den 1920er Jahren stammenden Prototyp durchdachten und demokratischen Designs, als Grundlage für seine Arbeit. Gestern nun jährte sich der zehnte Todestag der Architektin und bekennenden Kommunistin im Widerstand gegen das NS-Regime. Wenige Tage vor ihrem 103. Geburtstag verstarb Schütte-Lihotzky am 18. Januar 2000 in Wien. Als 19jährige dachte sie selbst nicht, dass eine Architektin je einen Auftrag zum Bau eines Hauses erhalten würde, als gesellschaftlich spät hoch geachtete Architektin lehnte sie 1988 das Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst der Republik Österreich aus den Händen des damaligen Bundespräsidenten Kurt Waldheim wegen dessen Nazi-Vergangenheit ab.

Dazwischen lag ein reiches und bewegtes Leben. Zur Welt kam Margarete Schütte-Lihotzky am 23. Januar 1897 in Wien. Zwischen 1915 und 1919 studierte sie als erste und einzige Frau bei Oskar Strnad an der damals europaweit bekannten Wiener K.-K. Kunstgewerbeschule Architektur. Danach engagierte sie sich in der Siedlerbewegung und arbeitete eng mit Adolf Loos zusammen, mit dem sie eine enge, bis zu dessen Tod im Jahr 1933 andauernde Freundschaft verband. 1927 heiratete Lihotzky den Architekten Wilhelm Schütte (1900-1968). Ein Jahr davor wechselte sie vom Wiener Baubüro des Verbandes des Siedler- und Kleingartenwesens zur Kommune Frankfurt, wo sie Architektur für soziale Bedürfnisse entwickelte: Kindergärten, Wäschereien, aber auch jene berühmte, nur 6,5 Quadratmeter große „Frankfurter Küche“. Gemäß dem damals neuen Taylor-Prinzip entwarf Schütte-Lihotzky „mit der Stoppuhr in der Hand“ eine durch und durch rationell an den Bedürfnissen der Hausfrauen orientierte Küche für den sozialen Frankfurter Wohnbau.

Mit diesem Entwurf blieb ihr Name für immer verbunden. „Wenn ich gewusst hätte, dass alle immer nur davon reden, hätte ich diese verdammte Küche nie gebaut!“, ist ein häufig zitierter Satz Schütte-Lihotzkys. Häufiger war sie aber in ihrer Heimatstadt Wien tätig. So gestaltete sie vor allem einige Siedlungen der Friedensstadt am Lainzer Tiergarten (1921) und Wohnhausanlagen der Stadt, so den „Otto Haas-Hof“ und den „Wilnarsky-Hof“ in der Brigittenau (1924-1926). Daneben errichtete sie das Denkmal der Widerstandskämpfer am Zentralfriedhof (1948), das Globus-Verlagshaus am Hochstädtplatz (1953-1956) und einen Kindergarten in der Rinnböckstraße (1961-1963).

Politisch stand Margarete Schütte-Lihotzky dem Kommunismus nahe. 1930 verließ sie Frankfurt in Richtung damaliger Sowjetunion, Reisen und Arbeiten führten sie nach Japan und China. Zwischen 1938 und 1940 lebte sie in Istanbul, von wo sie nach Wien zurückkehrte, um sich dem kommunistischen Widerstand anzuschließen. Zwei Jahre später wurde sie von der Gestapo inhaftiert. Das Kriegsende erlebte sie im Zuchthaus Aichach in Bayern. Nach zweijähriger Tätigkeit in der Stadtbaudirektion im bulgarischen Sofia kehrte sie 1948 dauerhaft nach Wien zurück. Viele ihrer Arbeitsaufträge führten sie weiterhin nach Bulgarien, Kuba und die DDR.

Spät erst kam es zur Anerkennung ihres Werks. 1980, mit 83 Jahren, erhielt Margarete Schütte-Lihotzky von der Stadt Wien den Preis für Architektur, 1985 folgte die Prechtl-Medaille der Technischen Universität Wien, wie auch mehrere Ehrendoktorwürden. Das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst lehnte sie im ersten Anlauf im Jahr 1988 ab. Erst Jahre später nahm die engagierte Kommunistin die Ehrung unter Bundespräsident Thomas Klestil entgegen.



19.01.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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Margarete Schütte-Lihotzky





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