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Die digitale Technik hat nicht nur im Alltag Einzug gehalten, sie hat sich längst die Kunstwelt erobert. Darauf reagiert die neue Messe „Unpainted. media art fair“ in München

Schöne, bunte Pixelwelt



Die Zeiten, als man Fernsehmonitore aufgetürmt hat und aus verschiedenen Kameraperspektiven ein und dasselbe Geschehen betrachtet hat, sind längt vorbei. Wie große Tafelbilder überziehen mittlerweile computergenerierte Abstraktionen eine ganze Wand. Casey Reas’ „Signal to Noise“ etwa – zu sehen bei der DAM Gallery aus Frankfurt und Berlin – ist so ein Kunstwerk. Über eine komplette Wand verbreiten sich einem Schaltplan ähnelnde, in einem gewissen Farbakkord verlaufende Bänder, deren minimale Abwandlungen einem elektronischen Code, einem imaginären Algorithmus folgen. Was einst der Gestaltung der digitalen Informationsfläche diente, hat sich als Kunst emanzipiert in einer Vielfalt, die allerdings auch ihre Tücken in einer gewissen Stereotypie hat. Das ist jedenfalls die unterschwellige Erkenntnis, die die neu gegründete Messe „Unpainted“ vermittelt, die gestern Abend im Münchner Postpalast eröffnet wurde.


Etwa 50 Aussteller zeigen, was heute digitale Kunst, Videokunst oder kurzum Medienkunst sein kann. Als Experimentierfeld geben sich die ausstellenden Galerien nicht her. Die Kreationen aus Bits und Bytes entsprechen in der Regel den hoch technisierten Standards der Medienindustrie. Sprödere Arbeiten wie etwa ein schwarz-weißer Pixelsalat, den Birthe Blauth in ihren Digitaldrucken als Synonym für die Unschärfe menschlicher Wahrnehmung vorführt, ist eher die Ausnahme. Dass die neue Technik ihrer eigenen Ästhetik folgt, versteht sich fast von selbst. Im Rausch satter Farben schillern Gebilde, die wie aufgeblasene Viren unter einem Spektralmikroskop einer permanenten Verwandlung unterzogen sind. Und endlos wie ein Möbiusband vollziehen in der immer selben Perfektion neonfarbige elektronische Wellen faszinierende Loops wie bei der Norwegerin Pia Myrvold. Solche Imaginationen scheinen eine besonders beliebte Spielwiese der digitalen Kunst zu sein. Die perfektionierte Schönheit des Unwirklichen hatte schon immer suggestive Kräfte. Auch das Duo Friedrich Förster und Sabine Weißinger aus Tübingen macht mit solchen Cyberkreationen auf sich aufmerksam. Normalerweise ist ihr Metier die Lichtinstallation im öffentlichen Raum. Die Illuminationen des Heidelberger Schlosses und des Kölner Doms waren einige ihrer größten Projekte.

Die Medienkunst ist ein weites Feld. Als wahrer Internetkünstler versteht sich Rafaël Rozendaal. Seine künstlerischen Anfänge liegen im Gestalten von Bildschirmhintergründen. Heute werden die kubischen, sich leicht verschiebenden Kompositionen des holländisch-brasilianischen Künstlers auch jenseits von PC und Mac rezipiert. Mittlerweile realisiert er ganze Rauminstallationen. Die Galerie Steve Turner Contemporary aus Los Angeles bietet auf der „Unpainted“ Arbeiten von ihm zwischen 5.000 und 7.000 Euro an. Dass die 3-D-Technik nach ihrem Siegeszug in der Wissenschaft auch Künstler animiert, war abzusehen. Ein Beispiel dafür liefert Willi Buchers Projektion „Aristoteles Brain“, die von der Münchner Galerie Wolkonsky für 17.000 Euro präsentiert wird. Bucher löst dabei die Zweidimensionalität einer Zeichnung auf und unterzieht die virtuelle Skulptur permanenten gestalterischen Transformationen bis hin zur Auflösung in winzige Buchstabenkolonnen.

Viel Spielerisches steckt in einem Großteil der Arbeiten. Doch das Wesen der digitalen Kunst kann damit nicht übertüncht werden: sie ist ein kühles, synthetisches Medium. Und nur wenige Künstler treten aus dem engen Korsett der Cyberwelt heraus wie etwa das französische Künstlerpaar Christa Sommerer und Laurent Mignonneau bei der Galerie Charlot aus Paris. Ein kafkaesker Hauch umweht ihre interaktive Installation einer altmodischen Schreibmaschine, die keine Buchstaben, sondern krabbelnde Insekten hervorzaubert und die vom Besucher frisch aufs Papier gebrachten Lettern wiederum in neue Insekten verwandelt. Die Arbeit kostet 25.000 Euro. Dass die neue Medienkunst dennoch mehr ist als ein Reflex auf die Digitalisierung des Alltags, zeigt die Galerie Rüdiger Schöttle. Er präsentiert neben Fotogrammen von Thomas Ruff das Video „Dancing Couples“ von David Claerbout, der in seinem Beinahe-Video-Still durch extreme Verlangsamung erneut die Verzahnung von Raum und Zeit reflektiert.

Medienkunst war bislang vor allem eine Angelegenheit von Museen und öffentlichen beziehungsweise kommerziellen Einrichtungen. Auch die Traditionsmarke Hermes hat, wie man auf der „Unpainted“ erleben kann, bereits in digitale Kunst investiert. Der in Paris lebende Mexikaner Miguel Chevalier, einer der Vorreiter der Szene, arrangierte für die noble Modefirma eine interaktive Rauminstallation unter Einbeziehung von Krawattenmustern des Hauses. Auf dem Kunstmarkt aber und vor allem auf dem Auktionsmarkt spielten die Cyberkreationen bisher eher eine Nebenrolle. Den Anfang machte kürzlich die Auktion „Paddles On!“, mit der sich der Versteigerer Phillips auf neues Terrain wagte. Wird der im Hologramm glitzernde Totenkopf, den die Art & Space Gallery aus München präsentiert, demnächst einen Druck von Damien Hirst ablösen?

Die „Unpainted“ ist jedenfalls auch als kommerzieller Vorstoß gedacht. Annette Doms, die Direktorin der neuen Messe, betonte, es gehe im Postpalast nicht nur um einen Überblick über die Szene, sondern auch ums Verkaufen. Rüdiger Schöttle scheint auf diesem Feld schon längst einen Fuß in der Tür zu haben. Sein hier gezeigtes Claerbout-Video ist nämlich das letzte verkäufliche Exemplar der in einer Auflage von fünf erstellten „Dancing Couples“ und kostet 25.500 Euro plus Mehrwertsteuer.

Die „Unpainted“ läuft vom 17. bis zum 20. Januar und hat täglich von 13 bis 21 Uhr, sonntags schon ab 11 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 15 Euro. Zusätzlich zu ihren Shows präsentieren die Galerien im sogenannten „Lab 3.0“ etwa 20 junge Positionen von Medienkünstlern aus China, Deutschland, der Schweiz und den USA.

Unpainted. media art fair
Postpalast
Wredestraße 10
D-80335 München

www.unpainted.net



19.01.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Sabine Spindler

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