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Luigi Colani gestorben

Visionär und Universaldesigner



Mit Luigi Colani ist einer der wichtigsten Designer gestorben

Mit Luigi Colani ist einer der wichtigsten Designer gestorben

Luigi Colani ist tot. Der Designer starb heute im Alter von 91 Jahren in Karlsruhe. Der gebürtige Berliner war bekannt für seine aerodynamischen Entwürfe für Autos, Flugzeuge und Einrichtungsgegenstände. Sein an der Formensprache der Natur orientiertes Biodesign erreichte in Japan und China Kultstatus. Der runde Schwung wurde sein Markenzeichen, und anlässlich seines 90. Geburtstages verkündete er: „Meine Welt ist rund.“ In Karlsruhe setzte er sich zur Ruhe, obwohl er laut eines Interviews mit dem „Tagesspiegel“ noch Ideen für die nächsten 500 Jahre in sich trage.


Colani legte sich in seinen Entwürfen auf keine bestimmte Branche fest, er fungierte als Universaldesigner, der sich schon früh auch mit ökologischen Fragestellungen auseinandersetzte. Er gestaltete Möbel, Geschirr, Kameras, Fernseher und Kleidung, arbeitete mit renommierten Firmen wie Rosenthal, Alfa Romeo, Melitta, Sony, Mazda, Villeroy & Boch, BMW und Ford. Die blauen Uniformen der Hamburger Polizei, die stilbildend für die gesamten deutschen Polizeiuniformen wurden, stammen aus seiner Hand. Innovativ und ihrer Zeit weit voraus waren auch seine futuristischen Flugzeuge, Rennwagen und Autos. Die mangelnde Innovationsbereitschaft der deutschen Automobilindustrie war laut Colani auch ein ausschlaggebender Grund für seine Auswanderung nach Asien. Neben seinen erfolgreichen und stilprägenden Produkten, wie etwa die ergonomisch gestaltete Spiegelreflexkamera Canon T 90, schafften es andere nicht über den Prototyp hinaus, so zum Beispiel seine futuristische Kugelküche „experiment 70“, die er für die Firma Poggenpohl entwarf.

Seine direkte Art und Ungeduld, wenn seine Ideen nicht auf Anhieb auf Verständnis stießen, brachten ihm den Ruf eines Querulanten und oft schwierigen Menschen ein. Ihn selbst hinderte das aber nicht daran, weiter an seine visionären Ideen zu glauben, die ihrer Zeit oft weit voraus waren, und an deren Umsetzung zu arbeiten. Bereits seit den 1990er Jahren kreierte Colani eine „Eco-City“, die ohne fossile Energie auskommen und rund 50.000 Wissenschaftler beherbergen sollte. Seit Ende der 1950er Jahre bemühte er sich, Autokarosserien aerodynamischer zu gestalten, dadurch die Geschwindigkeit zu steigern und gleichzeitig den Treibstoffverbrauch um rund 30 Prozent zu senken. 2007 sorgte er erneut für Schlagzeilen, indem er auf der Cebit das erste Universal-Ladegerät für Handys präsentierte.

Luigi Colani wurde am 2. August 1928 als Lutz Colani in Berlin geboren. Seine Eltern förderten bereits früh seine Kreativität und sein handwerkliches Geschick, indem sie ihm kein fertiges Spielzeug gaben, sondern eine Bastelstube zur Verfügung stellten. So konnte er bereits im Kindesalter löten, mit Holz, Eisen und Gips umgehen, änderte Kleidung und fertigte Schuhe für seine Familie und Freunde. Ab 1946 studierte er Bildhauerei und Malerei an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin, brach aber das Studium ab, um von 1949 bis 1952 an der Pariser École polytechnique Aerodynamik und Ultraleichtbau und Analytische Philosophie an der Sorbonne zu studieren. Anschließend arbeitete er im Bereich der Materialforschung bei einem amerikanischen Flugzeughersteller und erlernte bei Erdmann & Rossi in Berlin das Handwerk des Automobilbauens.

Zwischen 1972 und 1981 unterhielt der mittlerweile auch finanziell erfolgreiche Gestalter seine „Designfactory“ auf Schloss Harkotten in Westfalen. Neben zahlreichen Praktikanten und Hochschulabsolventen besuchten auch Ingenieure aus verschiedenen Industriezweigen sein Atelier, um sich weiterzubilden. Bereits 1973 richtete er zudem ein Colani-Design-Center in Japan ein und war ab 1982 für fünf Jahre Chefdesigner für verschiedene japanische Hersteller. 1986 kehrte nach Europa zurück und entwickelte in einem Hangar in der Nähe von Bern eine Serie von Hochgeschwindigkeits- und Niedrigkraftstoffverbrauch-Fahrzeugen, bevor 1995 einer Einladung nach Shanghai folgte. Dort übernahm er an verschiedenen Universitäten Professuren für Design und arbeitete an seiner „Eco-City“.

2008 war sein Designstudio im südchinesischen Beihai im autonomen Gebiet Guangxi an der Entwicklung von Windkraftwerken beteiligt, 2014 eröffnete das „Jiangnan Colani Design Institut“ in Changzhou bei Shanghai, an dem Colani sich mit zehn Millionen Euro beteiligte, da er es als „Nukleus“ für die Entwicklung des chinesischen Industriedesigns sah. 2018 arbeitete er in China an zwei Wohnwagentypen sowie an einem E-Auto, deren Produktion er diesmal selbst übernehmen wollte. Mit 90 Jahren verkündete er gegenüber der „Zeit“: „Ich könnte dieser Welt auf die Sprünge helfen! Aber ich will es nicht mehr. Ich habe in keine Zeit gepasst“. Der Traum von einem Colani-Museum wurde ihm zu Lebzeiten nicht erfüllt, obwohl er visionäres Vorbild für mehrere Generationen von Designstudenten war.

Luigi Colanis umfängliches Schaffen fand in den Jahren 2004/05 in der Nancyhalle in Karlsruhe mit der Personale „Colani – Das Gesamtwerk“ eine Würdigung. Von 2011 auf 2012 präsentierte das Triennale-Design-Museum in Mailand drei Monate lang die „Colani Biodesign Codex Show“. Für seine vielfältigen Entwürfe erhielt der Universaldesigner immer wieder Auszeichnungen, darunter die „Goldene Rose“ in Genf für eine Fiat-Karosserie im Jahr 1954, den iF Design Award 1972 für sein Teeservice „Drop“ und 1996 für Heizkörper-Armaturen sowie 2007 den „Visionary Design Award“ des Art Center College of Design in Pasadena für sein Lebenswerk. Entwürfe Colanis befinden sich heute in bedeutenden Sammlungen wie dem Museum of Modern Art in New York und dem Centre Pompidou in Paris.



16.09.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nadine Waldmann

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Luigi Colani, Colani-Ei, 1995
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Luigi Colani hat auch die „Canon T90“ gestaltet
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Luigi Colani, Colani-Ei, 1995

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Luigi Colani hat auch die „Canon T90“ gestaltet

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Aerodynamisches Design für LKWs: Der Colani Spitzer Silo Truck

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Luigi Colani, Zocker, 1972

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