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Bruce Nauman erhält als Erster den Kunstpreis der Stadt Düsseldorf

Kunst mit der Wucht eines Baseballschlägers



Seine Anwesenheit war die größte Sensation. Am Wochenende erhielt der amerikanische Konzeptkünstler Bruce Nauman den mit 55.000 Euro dotierten ersten „Kunstpreis der Landeshauptstadt Düsseldorf“. Die Preisverleihung, zu der der in der Abgeschiedenheit seiner Ranch in New Mexico lebende Nauman in die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt gereist war, bildete zugleich den Auftakt der ersten Düsseldorfer Quadriennale. Diese in Zukunft alle vier Jahre stattfindende und mit einem großzügigen Budget von fünf Millionen Euro finanziell gut unterfütterte Ausstellungsoffensive, die bis Ende des Jahres unter dem Leitmotiv „Körper in der Kunst“ in 16 Düsseldorfer Kunstinstitutionen wichtige Ausstellungen verbindet, soll das Label „ArtCityDüsseldorf“ festigen.



Auch die Wahl des ersten Preisträgers reiht sich konsequent ein in das Körper-Thema. Unbestritten ist Bruce Nauman einer der wichtigsten Künstler der Gegenwart. Dies ist oberflächlich abzulesen an seinem Ranking auf Platz drei, nach langjähriger Spitzenposition, im Kunstkompass der Zeitschrift Capital, aber auch an dem Respekt und der Bewunderung, die namhafte Museumsleute, Kritiker aber auch Sammler für den Amerikaner und sein sperriges, nicht immer leicht vermittelbares Werk hegen. Der Laudator Professor Uwe M. Schneede betonte als wichtigen Grundzug des Werks den „humanen und aufklärerischen Impuls, der insbesondere in den zeitbezüglichen Themen von Aggression, Gewalt und Folter“ aufscheine.

Wer sich an Jan Hoets Documenta IX von 1992 erinnert, der kann mit dem Namen Bruce Nauman sicherlich sofort etwas anfangen. An den vier Monitoren mit sich permanent um die eigene Achse drehenden Glatzköpfen musste einfach jeder vorbei, der ins Museum Fridericianum wollte. „Help me, Hurt me, Sociology“ oder „Feed me, Eat me, Anthropology“ konnte, wer sich darauf einließ, aus dem sich überlagernden Klangbrei heraushören. Manch einer huschte jedoch ganz schnell vorbei, um sich dieser irgendwie auch existenziellen Erfahrung nicht stellen zu müssen.

„Ich wünsche mir von meiner Kunst etwas Direktes und Befremdliches. Dass sie die Besucher entweder völlig kalt lässt oder aber ganz für sich vereinnahmt. Am liebsten ist es mir, wenn sie uns kalt erwischt, wie ein Schlag ins Genick. Uns einfach umhaut und wir gar nicht erst dazu kommen, uns irgendwelche Geschmacksfragen zu stellen. Mir gefällt das Unvorhersehbare“, bekannte Nauman vor einigen Jahren in einem Interview. Kunst, so formuliert es Nauman gerne, der zur Zeit auch auf der Berlin Biennale mit einer älteren Arbeit vertreten ist, dürfe den Betrachter auch schon mal mit der Wucht eines Baseballschlägers treffen. Wohlfühlkunst ist seine Sache nicht.

Die Verleihung des Kunstpreises der Stadt Düsseldorf an ihn selbst dagegen dürfte Nauman weniger überrascht haben. Der zurückgezogen auf der Ranch „Las Madres“ in Galisteo, New Mexico, lebende Künstler ist Erfolg und internationale Anerkennung gewohnt. Erst 2004 erhielt der 1941 in Fort Wayne, Indiana geborene Nauman in Japan den „Praemium Imperiale“, der als Nobelpreis der Künste gilt.

Für Nauman beginnt die Kunst beim Denkprozess im Atelier, bei der Selbstreflexion, Selbstbefragung und Selbstinszenierung. Frühe Performances und Körperexperimente, aufgenommen mit einfachen Kameras Anfang der 1960er Jahre, zeigen den Künstler in Interaktion mit dem Material, das gerade im Atelier zur Verfügung stand: als Wasser spuckenden, lebenden Springbrunnen, als Fratzen schneidendes Allerweltsgesicht oder aber als im Studio eingesperrtes Wesen, das immer wieder in einer Ecke aufprallt. Der deutsche Ausstellungsmacher Kasper König entdeckte den jungen Nauman in Kalifornien und stellte den Kontakt zum Galeristen Konrad Fischer in Düsseldorf her. So begann langsam aber stetig der Erfolg auch in Europa. Bruce Nauman erinnert sich an seine erste Ausstellung bei Fischer 1968: „Zu meiner ersten Eröffnung bei Fischer kamen eigentlich nur Gerhard Richter und vielleicht noch zwei japanische Studenten.“

Die Aufmerksamkeit, die Nauman heute erfährt, ist ungleich größer. Anfragen aus aller Welt, Einladungen und Nachfragen aller Art verstopfen Faxgerät, Computer und Briefkasten. Eigentlich verständlich, dass sich der Künstler meist in die Einsamkeit seiner 600 Morgen großen Ranch zurückzieht, auch wenn er in New York noch eine Wohnung besitzt. Den Tag beginnt er nicht etwa im Atelier, sondern auf der Reitbahn. Naumans schwer zu fassendes Werk erneuert sich ständig selbst in einer kompromisslosen Radikalität. „Genau deshalb ist es so interessant, Kunst zu machen, deshalb ist es die Sache wert: Man macht nie zweimal das gleiche, es gibt keine Methode“, sagt er.

Aggression und Hässlichkeiten, Frustration, Angstzustände, Beklemmung und Klaustrophobie tauchen in vielen Arbeiten auf, etwa bei seinen engen, skulpturalen Korridoren der 1970er Jahre, die den Besucher zum Betreten auffordern. Seine frühe Beschäftigung mit gesellschaftlichen und zeitkritischen Themen wie der Genmanipulation macht ihn zu einer pionierhaften Figur mit einer klaren Sprache und Position. So zeigte die Arbeit „Carousel“ von 1988 vier Abgüsse von deformierten Tierkörpern, die an einer karussellartigen Konstruktion mit Elektromotor durch den Ausstellungsraum geschleift wurden.

Bruce Naumans Werk lässt sich auf kein Medium festlegen: Performance, Installation, Skulptur, Neonarbeiten, Fotografie, Film, Video, Hologramm oder Sprache - der Künstler schlägt stilistische Haken, ohne jedoch beliebig zu werden. Eines seiner zentralen Themen ist immer wieder die Kunst selbst und die Bedingungen, unter denen sie entsteht. So zeigt die Arbeit „Mapping the Studio (Fat Chance John Cage)“ von 2000 nichts weiter als die nächtliche Abwesenheit des Künstlers in seinem Atelier. Bruce Nauman über die Entstehung dieser Arbeit: „Der Auslöser für diese Arbeit waren die Mäuse. In dem Sommer hatten wir ganz einfach eine große Mäuseplage im Haus und im Studio. Es waren so viele, dass die Katze sich bereits gelangweilt abwandte. Ich saß leicht frustriert im Studio, weil mir absolut nichts Neues einfiel, ich habe mich dann ganz einfach dazu entschlossen, mit dem zu arbeiten, was mir zur Verfügung stand. Ich hatte also eine Katze und jede Menge Mäuse, und dann war da noch diese Videokamera mit Infrarotausstattung. Ich habe sie also aufgestellt und in meiner Abwesenheit laufen lassen, einfach um zu sehen, was passieren würde.

Er wiederholte diese Versuchsanordnung sieben Nächte lang, stellte die Kamera an sieben verschiedenen Positionen auf und erhielt am Ende 42 Stunden Filmmaterial. Das äußerst präzise geplante Vorgehen überrascht nicht, schließlich hat Nauman vor dem Kunststudium Mathematik und Physik studiert. Auf 5 Stunden und 45 Minuten zusammengeschnitten und auf sieben Leinwände projiziert, wird diese Arbeit im Ausstellungskontext präsentiert. Und im Studio passiert jede Menge, auch wenn der Meister selbst abwesend ist: Katzen und Mäuse übernehmen das Regiment, Insektenschwärme brummen, surren und schwirren durch den Raum, Motten flattern im Dämmerlicht, von Ferne hört man das Pfeifen eines Zuges, das Wiehern der Pferde, das Heulen der Kojoten und das Bellen der Hunde. „Mapping the Studio“ kommt als eine Art Selbstvergewisserung angesichts der eigenen physischen Abwesenheit, aber auch als Reflexion über das Eigenleben der Dinge und die Angst vor dem eigenen Tod daher.

Nauman hat bisher viermal an der Documenta teilgenommen. 1999 wurde er auf der Biennale in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet. Nun führt er die Reihe der Preisträger des Düsseldorfer Kunstpreises an, der von nun an jährlich vergeben werden soll. Bruce Nauman ist ein hochgeschätzter Künstler, der für den Laudator Uwe M. Schneede „scheint, wie einer der allerfrischesten und jüngsten Künstler“. Dies zeigt sich insbesondere daran, dass jüngere Künstler sich in ihren Arbeiten immer wieder auf Nauman beziehen. Die Hohlraumabgüsse einer Rachel Whiteread, die Performances eines Tino Sehgal oder die „One Minute Sculptures“ und körperlichen Verrenkungen eines Erwin Wurm wären ohne Naumans artistische Pionierarbeit nicht denkbar. In der Quadriennale-Ausstellung „Mental Exercises“ ab 9. September im NRW-Forum für Kultur und Wirtschaft, die wiederum das Körperthema bei Bruce Nauman aufgreift, wird man sich davon einmal mehr überzeugen können.



31.03.2006

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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