Selten werden Ausstellungsbesucher so massiv von Täuschungen und Lügen umschlungen. Hunderte von Projekten, die das Architekturmuseum der Technischen Universität München derzeit in der Pinakothek der Moderne präsentiert, nehmen das Publikum gewaltig in Beschlag. Nahezu ein Panorama der Architekturgeschichte tut sich auf. Doch wen wundert’s: Das ...mehr
27.08.2010
Bilder im Zeichen der Gegenreformation: Mit den Antwerpener Malern Peter Paul Rubens, Anthonis van Dyck und Jacob Jordaens zeigt das Bucerius Kunstforum in Hamburg die drei Hauptrepräsentanten des flämischen Barock und ihr Umfeld
Seit Februar ist es offiziell: Der Antwerpener Hafen gilt jetzt nach Rotterdam als zweitwichtigster europäischer Umschlagplatz für Seefracht aus aller Welt und verweist Hamburg damit auf den dritten Platz. Traditionsbewusste Hanseaten kränkt so etwas natürlich. Dass Antwerpen zumindest in Sachen Kunst schon häufig die Nase vorne hatte, demonstriert jetzt die Ausstellung „Rubens, van Dyck, Jordaens. Barock aus Antwerpen“ im Bucerius Kunst Forum. 50 Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken aus dem Königlichen Museum für Schöne Künste in Antwerpen vermitteln einen Eindruck von der kraftvollen Entfaltung sinnlich-üppiger Lebensfreude auf oft monumentalen Barockgemälden. Ob Peter Paul Rubens’ „Frierende Venus“, Anthonis van Dycks „Beweinung Christi“, Jacob Jordaens’ „Anbetung der Hirten“ oder Bilder anderer bekannter Künstler wie Frans Snyders oder Jan Brueghel: Die meisten der von Kurator Michael Philipp ausgewählten Werke waren noch nie außerhalb Antwerpens zu sehen. Dass sie jetzt nach Hamburg ausgeliehen wurden, verdankt sich der Tatsache, dass das Königliche Museum zur Zeit wegen umfangreicher Bauarbeiten geschlossen ist. ...mehr
20.08.2010
Arnulf Rainer gehörte in den 1950er Jahren zur Avantgarde der österreichischen Kunstszene. Im Dezember ist er 80 geworden. Die Pinakothek der Moderne in München widmet dem Bilderstürmer in den Räumen der Alten Pinakothek eine Retrospektive mit dem lakonisch wie treffenden Titel „Der Übermaler“
Mehr als 40 Jahre ist es her, dass Arnulf Rainer im Wiener Westbahnhof Grimassen schneidend in einem Fotoautomaten hockte. Die kleinen Fotos waren Ausgangsmaterial für eine Folge von Bildern, die wie kaum eine andere Werkgruppe die öffentliche Wahrnehmung dieses unverwechselbaren Künstlers bestimmte: Vergrößerte Fotografien, die anschließend mit expressivem Gestus übermalt wurden. Die Vehemenz und Radikalität, aber auch das bohrend Manische des österreichischen Künstlers ist in diesen „Face Farces“ und „Body Poses“ bis heute besonders spürbar. Rainer hat etwas zutiefst Menschliches zu ergründen gesucht, das mit Malerei allein nicht zu finden ist. Gesicht und Körper wurden ihm Ausdrucksmittel, mit wilden, zerstörerischen Strichen rückte er das reale Abbild in die Ebenen des Abstrakten und Unaussprechlichen. In diesen Arbeiten steckt der Geist der „Wiener Aktionisten“ und deren Körperbezogenheit, doch ist Arnulf Rainer, wie die Ausstellung in Münchens Alter Pinakothek verdeutlicht, kein Kind der aufbrausenden, wilden 68er Generation. ...mehr
18.08.2010
Das Knauf-Museum holt die Kultur und Religion Tibets nach Iphofen
Ein Mönch in einer leuchtend roten Kutte sitzt im Schneidersitz, sein Kopf ist mit einem blauen Heiligenschein hervorgehoben, sein Körper umgeben von einer gelborangen Mandorla und einem Kranz aus weißen Lotusblüten. In seinen Händen hält er eine Schale, zu seinen Füßen stehen ein Rad und ein weißes Horn. Dass dieses Rad „Dharmarad“ heißt und jede Speiche für einen der Wege auf dem „Edlen achtfachen Pfad“ steht, muss genauso erklärt werden wie die Figuren, die sich um den Mönch scharen. Er heißt Padmasambhava, wurde aus einer Lotusblüte mitten auf einem See geboren, und brachte im 8ten Jahrhundert die Lehren des tantrischen Buddhismus nach Tibet. Dieses farbenprächtige Banner leuchtet dem Besucher der Tibetausstellung im Eingang und im Hof des Iphofener Knauf-Museums entgegen. Dass dieses Bild ein Tangka ist, also ein Rollbild aus Tibet, das zu Meditation anregen sollte, wird man dann in der Ausstellung erfahren. ...mehr
18.08.2010
Zum 20jährigen Bestehen vergibt die Adolf-Luther-Stiftung ihren Kunstpreis an Julius Popp. Der Wissenschaftskünstler hat dazu im Haus Lange in Krefeld eine Ausstellung eingerichtet
Kaum ist der Gast ins Krefelder Haus Lange eingetreten, wird er Teil eines flexiblen Systems permanenter Reflexe. In der einstigen Wohnhalle des von Ludwig Mies van der Rohe für Hermann Lange entworfenen Baus findet man sich inmitten vertikal stehender, teils leicht geneigter Kapseln wieder. „Mikro.Perpendiculars“ nennt Julius Popp seine Installation, die bei manchem Gast zunächst Assoziationen an überdimensionierte Produkte der Pharmaindustrie wecken dürfte. Eingebaute Prozessoren antworten auf Einflüsse wie Luftströme, menschliche Bewegungen oder andere Veränderungen im Raum. ...mehr
Eine kraftvoll dynamische Formensprache aus der Tradition des römischen Barocks unter Gian Lorenzo Bernini und ein gleichzeitiger Hang zum Klassischen – so lassen sich die Charakteristika des Œuvres von Peter Anton von Verschaffelt wohl am Besten beschreiben. Am 8. Mai jährte sich der Geburtstag des ...mehr
26.08.2010
Junge Kunst in München: Galerienrundgang durch die Max-Vorstadt
Unter einem großen, blutroten Himmel am Horizont ein schwarzer Landstreifen, davor eine große Meeresfläche, schwarzrot gefärbt von Sonnenglut und bodenloser Tiefe. Im Vordergrund zwei Füße – das Letzte, was von dem Menschen, der soeben aus der Höhe ins Wasser stürzte, noch zu sehen ist. Es ist Ikarus, der gescheiterte Flugheld der Antike, der in jugendlichem Übermut seine Kräfte überschätze, die Warnungen des Vaters missachtete und zu hoch flog, der Sonne zu nahe kam und durch das Schmelzen des seine Flügel zusammenhaltenden Wachses den Tod fand. So endet die antike Sage. Bei Gregory Forstner aber geht die Geschichte jetzt erst richtig los. Denn Ikarus muss ja schließlich gesucht und wiedergefunden werden. „Where the Fuck is Icarus“ – zwei Männer aus der Suchmannschaft, in blaue Matrosenanzügen gekleidet, der eine mit einer Hundemaske auf dem Kopf, wissen offenbar gar nicht, wo die Suche beginnen. Zwei andere bekommen sich während ihrer Unterwassersuche – sie tragen Taucherausrüstungen – dagegen mächtig in die Haare: Der eine der „Two Lovers Fighting for Icarus“ erhebt gerade die Faust mit der Axt, um sie seinem Konkurrenten in den Nacken zu schlagen. Schließlich wird Ikarus aber gefunden: Papa Dädalus hält ihn im Arm, gleich auf mehreren Bildern – als mannshohen Fisch! ...mehr
Aktuell in Münchner Galerien: Marcel van Eedens „Das Weltall verwandelt in einen Sonntagnachmittag“, Malerei von Marcia Hafif und die Installation „Wahnsinn als Wohnzimmer“ von M+M
Die Welt des Marcel van Eeden ist ein Mysterium aus Zeichen und Zeichnung. Wie der belgische Maler Luc Tuymans ist auch van Eeden ein Apologet des bereits existierenden Bildes. Dokumente, Fotografien, Zeitschriften, Gemälde Alter Meister sind Ausgangsmaterial seiner Bildkaleidoskope. Sein Konzept: nur Bilder und Texte zu verwenden, die vor seiner Geburt im Jahr 1965 entstanden sind. Aber es geht nicht um Spurensuche. Es geht um die darin schlummernden Fiktionen und um Visionen, es geht um die Metamorphose von existierenden Bildern zu Mosaiksteinen jener van Eedenschen meist schwarzweißen, leicht melancholischen Bilderwelt, denen er durch seinen malerischen, flächig und doch kontrastreich und fein schattierten Zeichnungsstil eine neue Identität und Ausdrucksweise gibt. ...mehr
Der Hamburger Künstler Manfred Holtfrerich in der Bremer Galerie für Gegenwartskunst
Der Hamburger Künstler Manfred Holtfrerich, 61, ist ein Perfektionist. Das merkt man sofort beim Betreten seiner aktuellen Ausstellung in der Bremer Galerie für Gegenwartskunst/Barbara Claassen-Schmal. Die vier an Vasen erinnernden Wandobjekte, auf die der Blick des Besuchers gleich im ersten Raum gelenkt wird, sind von der Form her absolut identisch: Ein kurzer schlanker Hals, eine wohlgerundete Oberkörperpartie, die schlanke Taille und der ausladende Bauch geben den Gefäßen eine anthropomorphe, entfernt an die weibliche Anatomie erinnernde Anmutung. Alle vier sind in jeweils drei monochrome farbige Segmente unterteilt. Der Künstler experimentiert hier ebenso mit kräftigen Kontrasten wie mit harmonisch aufeinander abgestimmten Farbtönen. Einmal prallen Hellblau, Pink und Gelb aufeinander. Ein anderes Mal treffen sich Orange, hochglänzendes Schwarz und sanftes Grün auf einem der in den Raum ragenden Objekte. Mal sind die Farben matt, mal so brillant, dass sich Betrachter und Raum darin spiegeln. Die Reihe ließe sich theoretisch endlos fortsetzen. ...mehr
Katharina Grosse bei Rosemarie Schwarzwälder in der Wiener Galerie nächst St. Stephan
Die Malerin Katharina Grosse ist bekannt für ihre großen, über ganze Räume sich ausbreitenden Wandarbeiten. „Raumbilder“ nennt sie diese Werke und überzieht Wände, Fußböden, Decken, aber auch Aluminiumträger, Styroporkugeln oder Erdhaufen mit leuchtend farbenfroh Gespraytem. Solche schon allein auf Grund ihrer Dimensionen Aufsehen erregenden Arbeiten schuf Katharina Grosse beispielsweise 2005 für das Palais de Tokyo in Paris, 2002/03 für die Kunsthalle zu Kiel oder unlängst für die Temporäre Kunsthalle in Berlin. ...mehr