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AktuellAktuell:Museumsausstellung

Das Würzburger Museum im Kulturspeicher ruft Emy Roeder in Erinnerung und würdigt eine große Künstlerin der Stadt, die es wiederzuentdecken gilt

Das Essenzielle des Daseins


Emy Roeder, Schwangere, 1920

Zwei aus Würzburg stammende Künstlerinnen haben der Mainfrankenmetropole ihren in vielerlei Hinsicht wertvollen Nachlass als Vermächtnis anvertraut: Die Bildhauerin Emy Roeder und die Malerin Gertraud Rostosky. Das Erbe dieser beiden Frauen gehört zum Tafelsilber würzburgischer Identität. Ungeachtet ihrer nationalen und internationalen Reputation wurde gerade Emy Roeder von ihrer Heimatstadt bisweilen nicht eben respektvoll behandelt. Das Museum im Kulturspeicher, das die Städtischen Sammlungen und die Sammlung Peter C. Ruppert betreut, hat nun eine an Qualität und Bedeutung so noch nicht dagewesene Ausstellung realisiert. Dabei stützt es sich vor allem auf Roeders Nachlass, der 104 Skulpturen und 776 Zeichnungen umfasst, und streut darin einige wichtige Leihgaben aus Museums- und Privatbesitz ein. ...mehr

14.01.2019

Japanese Lesson: Im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe tritt das Düsseldorfer Künstlerduo Katja Stuke und Oliver Sieber in einen intensiven Dialog mit der dort beheimateten Sammlung japanischer Fotografie

Japanisch für Anfänger und Fortgeschrittene


Katja Stuke und Oliver Sieber, o.T. (Psycho), Osaka 2006

Wie von einem anderen Stern: Dass Exportschlager aus Japan immer wieder für Überraschungen gut sind, bewies erst kürzlich der blutjunge Überflieger Ryoyu Kobayashi, der mit seinem furiosen Auftritt alle Springen der Vierschanzentournee gewann und die Konkurrenz aus Europa alt aussehen ließ. Als Vermittler zwischen der japanischen und der deutschen Kultur versteht sich das Düsseldorfer Künstlerduo Katja Stuke und Oliver Sieber. Seit 2005 untersuchen die beiden in einem umfangreichen Gesamtprojekt bestimmte Aspekte der japanischen Protest- und Subkultur und setzen sie durch künstlerische Prozesse in Bezug zu ähnlich gelagerten Phänomenen in Deutschland. ...mehr

11.01.2019

Die Sammlung Falckenberg der Deichtorhallen Hamburg präsentiert noch bis Mitte März die bislang größte Einzelausstellung des in erster Linie als Zeichner bekannten Berliner Künstlers Ralf Ziervogel

Der Grobian mit der feinen Feder


Ralf Ziervogel, Ohne Titel, 2011

Es ist ein zutiefst verstörender Bilderkosmos, mit dem sich der Berliner Zeichner Ralf Ziervogel, Jahrgang 1975, in der letzten Dekade in den internationalen Kunstbetrieb eingeschrieben hat. Die nackten Körper von Frauen, Männern und Kindern sind auf- und auseinandergeschnitten, Köpfe werden mit raketenartiger Geschwindigkeit vom Rumpf abgesprengt, mit Drähten fixierte Zehen streckbankartig vom Fuß getrennt. Anatomische Details hat Ziervogel mit geradezu naturwissenschaftlicher Akkuratesse ausgeführt, bestialische und pornografische Motive spart er nicht aus. Das Ganze kommt jedoch in einem distanzierten Duktus geradezu altmeisterlich ausgeführter Tuschezeichnungen in monochromem Schwarz auf hochwertigem weißem Zeichenpapier daher. Viele Blätter sind häufig noch mit endlosen Aneinanderreihungen von Four-Letter-Words und anderen Beschimpfungen gespickt, die jedoch nur entziffern kann, wer besonders nah an die Arbeiten herangeht. ...mehr

07.01.2019

Vor 450 Jahren starb Pieter Bruegel d.Ä in Brüssel. Das Kunsthistorische Museum Wien zeigt erstmals in einer Soloschau den oft als „Bauern-Bruegel“ betitelten Gründer einer Malerschule

Im babylonischen Gewirr


Pieter Bruegel d.Ä., Der Turmbau zu Babel, 1563

Der Blick fällt auf eine betriebsame Baustelle. In der Mitte wächst aus einem Felsen ein Turmkoloss in bedrohlicher Schieflage empor. Das Projekt steht auf der Kippe. Größenwahn rächt sich. Je länger man hinschaut, desto mannigfacher erschließen sich Details. Emsig sind Handwerker bei der Arbeit. Steinmetze schlagen Quader zu, die anschließend von Tretkränen an ihren Bestimmungsort gehievt werden. Über Treppen, Holzstege, Leitern und Gerüste balancieren in schwindelerregenden Höhen Arbeiter. Eine Armada von Schiffen liefert über den vorbeiziehenden Fluss Steine, Ziegel, Kalk oder Baumstämme an. Erzeugnisse der Schmiede, Sand, Mörtel oder Ziegel werden per Pferdekarren weiter transportiert. Überall wird repariert, verputzt, auf- und abgebaut. In Räumen hinter den Bogenarkaden haben sich viele häuslich eingerichtet. Auf einer Anhöhe am linken unteren Bildvordergrund steht der Bauherr König Nimrod samt Gefolge, sein Bauvorhaben und den aufkommenden zerstörerischen Wirbelsturm im Rücken. Er hat die untere Wolkenzone schon durchstoßen und verschattet beunruhigend einen Teil der Stadt. Doch plötzlich sprechen alle Leute am Bau verschiedene Sprachen, keiner versteht den anderen mehr. ...mehr

31.12.2018

Mit dem Museum Folkwang in Essen widmet sich erstmals ein deutsches Haus dem Magischen Realismus der 1920er Jahre in Italien

Trügerische Glätte


Ubaldo Oppi, Ritratto della moglie sullo sfondo di Venezia, 1921

Als im Jahr 1921 Ubaldo Oppi seine gerade geehelichte Frau Adele Leone, genannt „Dehly“, porträtierte, war ihm sicherlich nicht bewusst, dass er eine der Ikonen des Magischen Realismus schuf. Wie eine byzantinische Königin im petrolblauen Samt des Abendkleides gewandet, blickt die aufrecht vor einer Brüstung stehende Dame mit beherrschendem Augenspiel den Betrachter an. Hinter ihr eröffnet sich die Perspektive auf die venezianische Klosterinsel San Giorgio Maggiore. Einerseits hebt sich das Kleid von den hellen Konventsbauten ab, andererseits scheint es fast mit dem dunklen blaugrünen Wasser und dem blaugrauen Himmel eins zu werden. Der monochromen Farbstimmung steht die chirurgische Präzision der in eisiges Licht getauchten Details der alles in den Bann ziehenden Figur gegenüber, die aus einer anderen Zeit zu stammen scheint. Wie ein Schleier legt sich Unruhe über die Komposition. Großartig und zugleich distanziert gemalt, gibt sie Rätsel auf. Eine neue Zeit ist angebrochen, doch die Nachwehen des Vorangegangenen wirken subtil hinein. Gelängte Formen von Hals, Gesicht und Händen deuten letzte Zuckungen des Expressionismus an, der von einer diffusen, unaufgelösten Melancholie überstimmt wird. ...mehr

31.12.2018

Im Frankfurter Städel widmet sich eine Retrospektive dem Op-Art-Pionier Victor Vasarely

Das Unmögliche als Möglichkeit


in der Ausstellung „Victor Vasarely. Im Labyrinth der Moderne“

Unversehens betritt der Besucher des Städel Museums einen Speisesaal. Auf den silbern glänzenden Paneelen der Stirnwände sind runde Kunststoffscheiben montiert, die sich farblich von hellem Grau über tiefes Schwarz, dunkles Ocker bis hin zu leuchtendem Gelb ziehen. Die grauen Scheiben vor der gelb unterlegten Längswand ordnen sich zu einem auf die Ecke gestellten Quadrat. Beim Umhergehen fesseln die Farbverläufe die Sinne so stark, dass das Sehen zum Ereignis wird. Der arglose Betrachter steht im Mittelpunkt bewusster Seh- und Wahrnehmungsakte. Als der Ungar Victor Vasarely 1972 die Kantine der Deutschen Bundesbank gestaltete, war seine Karriere auf dem Höhepunkt angelangt. Zeitgleich sorgte sein für die Olympischen Spiele in München entworfenes Logo für markante Omnipräsenz. ...mehr

Gesichter, Mauern, Häuser, Landschaften: Die Fundación Mapfre in Madrid zeigt jetzt die erste große Retrospektive des argentinischen Fotografen Humberto Rivas (1937-2009)

Die Poetik von Stille und Abwesenheit


Humberto Rivas, Granollers, 1983

International ist der argentinische Fotograf Humberto Rivas noch weitgehend unbekannt. In Spanien aber gilt er als wichtige Schlüsselfigur für die Etablierung, Modernisierung und Anerkennung des Mediums Fotografie als gleichberechtigte künstlerische Praxis nach den schweren Jahren des Franco-Regimes. 1976 floh er mit seiner Familie vor der Militärjunta in seiner Heimat und ließ sich in Barcelona nieder, wo er in den nächsten Jahren zum Motor der Fotoszene werden sollte. Hier gründete er auch das Fotofestival „Primavera Fotográfica de Barcelona“, eine Art Pionierveranstaltung, die die Sichtbarkeit zeitgenössischer Kunstfotografie in dem Land schlagartig erhöhte, das sich im Zuge der sogenannten Transición española gerade zu einer modernen Demokratie entwickelte. ...mehr

Das Clemens-Sels-Museum präsentiert das innovative Wirken der drei Künstler Heinrich Campendonk, Heinrich Nauen und Jan Thorn Prikker in und um Neuss

Als Neuss der Zeit voraus war


Heinrich Nauen, Die Musik, 1914

Zackige Musik unter Gottes Augen: Nicht in einer Kirche, sondern im Foyer des Clemens-Sels-Museums in Neuss führt der Weg geradewegs auf „Die Musik“ zu. Das großformatige Temperabild schuf Heinrich Nauen 1914. Fast völlig entblößt hocken ein Mann und eine Frau auf schwebender amorpher Materie und erheben einen Geigenbogen und einen Stock zum Dirigieren. Die überlängten, schnittig gefassten Körperteile verschmelzen mit zackigen, spitzwinklig zulaufenden Flächen und Linien. Ein unnatürlich, teils eisiges, teils erglühendes Kolorit unterstützt den synthetischen, stakkatohaften Duktus des Gemäldes. Daneben hängt Jan Thorn Prikkers Ölbild des heiligen Franziskus’ beim Predigen von Fischen und Vögeln. Es ist weicher im Farbton und durch fließende Formabfolgen nicht ganz so erregt. Am stärksten leuchten an der Seite die vom Auge Gottes ausgehenden blauen, roten und gelben Farbströme. Heinrich Campendonk gestaltete das nicht ohne tiefgründige Details gespickte Glasfenster für die Krypta des Bonner Münsters eher ernst und konzentriert. ...mehr

„Stuttgart sichten“: Der Berliner Konzeptkünstler Florian Slotawa hat aus der Sammlung der Staatsgalerie Stuttgart einen Skulpturenparcours der besonderen Art in den Hamburger Deichtorhallen inszeniert. Mit dabei: ein Picasso aus dem Obi-Baumarkt

Stuttgarter Leistungsschau


Florian Slotawa: Rudolf Bellings „Kopf in Messing (Portrait Toni Freeden)“ von 1925 in einem Porsche

Klassische Skulpturen auf fabrikneuen Bosch-Waschmaschinen, die kurzerhand zum Sockel umfunktioniert wurden. Ein Messingkopf des Bildhauers Rudolf Belling im Art Déco-Stil, der als Fahrerersatz in einem schwarzen Porsche deponiert ist. Und eine Figurengruppe des Übervaters Pablo Picasso als Remake mit Materialien aus dem Obi-Baumarkt um die Ecke. Zu sehen sind diese und andere künstlerische Neuinterpretationen einer altehrwürdigen musealen Skulpturensammlung derzeit in den Hamburger Deichtorhallen. Unter dem Titel „Stuttgart sichten“ hat der Berliner Künstler Florian Slotawa, Jahrgang 1972, aus den Beständen der Staatsgalerie Stuttgart 69 Skulpturen ausgewählt und in der rund 3.000 Quadratmeter umfassenden Halle für aktuelle Kunst neu arrangiert. „Das ist ein epochaler Überblick von der Kunst der Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute“, sagt Deichtorhallen-Intendant Dirk Luckow und fügt hinzu: „Wir freuen uns, dass wir nach vielen wichtigen Privatsammlungen mal wieder eine bedeutende öffentliche Kunstsammlung in den Deichtorhallen zeigen können.“ ...mehr

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