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AktuellAktuell:Museumsausstellung

Imperfekte Texturen statt glatt polierter Oberflächen: Die Städtische Galerie Wolfsburg zeigt jetzt erstmals in einem deutschen Museum eine Einzelausstellung der in New York lebenden koreanischen Fotokünstlerin Jungjin Lee

Die gebrochene Schönheit des Unvollkommenen


Jungjin Lee, aus der Serie „On Road“, 2000/01

Die an einer Hauswand angebrachte Uhr zeigt 8:44 Uhr und 34 Sekunden. Aber vielleicht stimmt das auch gar nicht, und sie ist nur irgendwann genau um diese Zeit stehengeblieben. Gestern, vor ein paar Wochen oder auch schon vor einigen Jahren. Im Werk der 1961 in Korea geborenen, heute in New York lebenden Fotokünstlerin Jungjin Lee geht es nicht so sehr um flüchtige Momentaufnahmen und das Einfangen des „entscheidenden Augenblicks“, sondern vielmehr um das Festhalten von überzeitlichen Stimmungen. Lee betreibt eine poetische und metaphorisch aufgeladene Art der Fotografie jenseits aller situativen Aufgeregtheiten der Reportagefotografie und strengen Dogmen der Konzeptfotografie. Entschleunigung statt Narration. ...mehr

24.03.2017

200 Jahre für die Kunst: Der Kunstverein in Hamburg läutet mit der Ausstellung „The History Show“ sein umfangreiches Jubiläumsprogramm ein

Geschichte wird gemacht


„The History Show“ im Kunstverein in Hamburg´, 2017

Es muss eine illustre Runde von honorigen Hanseaten gewesen sein, die sich da ab 1817 regelmäßig im Haus des Bleideckermeisters David Christopher Mettlerkamp traf, um gemeinsam Kunstwerke zu betrachten und ästhetische Fragen zu diskutieren. Mettlerkamp war nicht irgendwer in Hamburg. Als Offizier hatte er erfolgreich an der Vertreibung der napoleonischen Besatzungstruppen aus der Hansestadt mitgewirkt, und als wohlsituierter Unternehmer war er Pionier in der Herstellung von Blitzableitern. Erweitert wurde der kunstinteressierte Kreis um andere Hamburger Bürger, darunter den Architekten Alexis de Chateauneuf und den Diplomaten Karl Sieveking. 1822 war es dann so weit: Die Zahl der Teilnehmer war jetzt so stark angewachsen, dass man sich fortan in den Räumen des Kunsthändlers Ernst Georg Harzen traf und ganz offiziell einen Kunstverein gründete. ...mehr

22.03.2017

Fred-Thieler-Preis für Malerei 2017: Die Schweizer Malerin Christine Streuli zeigt in der Berlinischen Galerie neue Gemälde und ältere, nie zuvor ausgestellte Arbeiten auf Papier

Malerei als kalkulierter Zufall


in der Ausstellung „Christine Streuli. Fred-Thieler-Preis für Malerei 2017“

Die in Berlin lebende Schweizer Künstlerin Christine Streuli, Jahrgang 1975, erhielt jetzt den mit 10.000 Euro dotierten Fred-Thieler-Preis für Malerei 2017. Mit dem Preis verbunden ist eine Einzelausstellung in der Berlinischen Galerie, die am Freitagabend eröffnet wurde. Die Laudatio hielt Tobia Bezzola, der ebenfalls aus der Schweiz stammende Direktor des Museums Folkwang in Essen, der mit dem Werk der Künstlerin bestens vertraut ist. Er arbeitete Verwandtschaften, aber auch entscheidende Unterschiede zwischen der spontan-gestischen Malerei des Preisstifters und Vertreters des deutschen Informel Fred Thieler und der wohlkalkuliert-abstrakten, auf vorgefundenen Patterns basierenden Malerei Streulis heraus. ...mehr

20.03.2017

Die Werkschau zu Daniel Richter im 21er Haus in Wien öffnet den Kosmos zur Welt des deutschen Malers und stellt die jüngsten Entwicklungen in seinem Schaffen vor

Die Ausdruckskraft der Farbe


Daniel Richter, Tarifa, 2001

Im orangefarbenen Gummiboot treiben sie dahin, sieben Gestalten, Männer und Frauen, durch schwarzes Wasser. Sie sitzen zusammengekauert, die Blicke voneinander abgewandt und eingehüllt in bunte Mäntel und Tücher. „Tarifa“ heißt das hochformatige Bild mit den beachtlichen Maßen von 3,5 auf 2,8 Metern und Daniel Richter hat es gemalt. Derzeit ist es in Wien zu sehen – im Rahmen der großen Personale, die nach ihrer ersten Station im dänischen Louisiana Museum nun im 21er Haus, dem zeitgenössischen Appendix des Belvedere, Station macht. ...mehr

17.03.2017

Das Museum Folkwang in Essen bietet eine Werksübersicht zu Maria Lassnig

Bewusstsein unter der Haut


Maria Lassnig, Selbstporträt mit Kochtopf, 1995

Verwirrende Uneinheitlichkeit und Komplexität beherrschen die Vorstellungen beim ersten Blick auf das Lebenswerk von Maria Lassnig. Abstrakte Arrangements, fließende Linien, amorphe Formwandlungen bis hin zu konventionell realistischen Sujets wechseln sich ab. Erst beim genauen Studieren erschließt sich das einzige, über 70 Jahre stringent verfolgte Thema der Malerin. Es ist ihr eigener Körper und die damit verbundenen Empfindungen, die sie ins Blickfeld rückt. Dies geschieht in einem chargierenden, hellen, wässrig graziösen Kolorit. „Da habe ich eine realistische Nase gemalt und dafür keinen Mund, weil ich den Mund nicht gefühlt habe“, erklärte sie einmal. Lassnig empfindet den Körper als Membran, die Ereignisse der Zeit gehen ihr sprichwörtlich unter die Haut. Janusartig greift sie darunter, hält Innenblicke in der Form fragmentarisch aufgerissener Strukturen fest und richtet zugleich den Blick nach außen auf die Leinwand. Dieses doppelte Sehen fließt auf ihren Gemälden zusammen. Starrer Blick, geöffnete Stellung des Mundes, ein Körper im Auflösungsprozess mit der Nähe zu abstrakten Konturen oder Strichbündeln kehren durchgängig immer wieder. 41 Gemälde und fünf Filme geben nun im Museum Folkwang einen konzentrierten Überblick über das Werk der Einzelgängerin aus Österreich. ...mehr

13.03.2017

Wirklich reif fürs Museum? Das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe behauptet, das Computerspiel verdiene museale Weihen – doch statt eine kritische Auseinandersetzung zu wagen, mutiert das Haus selbst zur interaktiven Spielhölle

Daddeln als Kunstform


in der Ausstellung „Game Masters“

Schwarzer Teppichboden, spärliche Beleuchtung, fiepender Elektrosound. Wer die aktuelle Ausstellung „Game Masters“ im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe betritt, hat fast das Gefühl, in einer der vielen Spielhöllen gelandet zu sein, die es in der benachbarten Gegend rund um den Hauptbahnhof an jeder Straßenecke gibt. Das Museum am Steintorplatz widmet sich schon seit geraumer Zeit verstärkt den eher profanen Sphären des Alltagsdesigns. So ging es 2015 um Tattoos und Wegwerfmode. Im vergangenen Jahr stand, allerdings angeknüpft an Hokusai und die jahrhundertealte Kunst des japanischen Farbholzschnitts, das Thema Manga und japanische Popkultur auf dem Programm. Ebenso eine Ausstellung über Turnschuhe mit dem Titel „Sneaker“. Der Zuspruch, gerade auch beim jüngeren Publikum, war dem Haus damit gewiss. ...mehr

07.03.2017

Alle haben plötzlich die Absicht, eine Mauer zu errichten: In der Ausstellung „Shifting Boundaries“ anlässlich des „European Photo Exhibition Award 03“ in den Hamburger Deichtorhallen werfen zwölf junge Fotografen einen ernüchternden Blick auf gesellschaftlich relevante Konflikte in Europa. Im Zentrum der sehenswerten Schau steht vor allem das Erstarken nationaler Egoismen

Junge Blicke auf einen alten Kontinent


Robin Hinsch, Kowitsch, 2015

Grenzen, so glaubte man lange Zeit in Europa, seien spätestens mit dem Fall der Mauer und dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes zu einem Relikt rückwärtsgewandter, noch primär nationalstaatlich organisierter Epochen geworden. Doch schon 1991 mit dem ersten Jugoslawienkrieg wurden Optimisten eines Besseren belehrt. Die heutigen Verhältnisse in Ungarn und Polen, aber auch die Zustimmung für den Brexit in Großbritannien zeigen auf erschreckende Art und Weise, dass es in Europa offenbar gerade wieder en vogue ist, sich im Namen der eigenen nationalen Identität abzukapseln, ja sogar mit neuen Zäunen zu umgeben. ...mehr

06.03.2017

Hamburg ehrt die 2009 verstorbene Konzeptkünstlerin Hanne Darboven mit einer großen Ausstellung in der Sammlung Falckenberg in Hamburg-Harburg. Nur drei Kilometer davon entfernt eröffnete jetzt auch die Hanne Darboven Stiftung ihr Dokumentationszentrum an der ehemaligen Wohn- und Wirkungsstätte der Künstlerin

Im Bann der Zahlenfrau


Hanne Darboven in ihrem Studio, 1987/88

Ihr Werk ist sperrig und faszinierend zugleich. Die 2009 verstorbene Hanne Darboven zählte zu Lebzeiten zu den bedeutendsten internationalen Gegenwartskünstlerinnen. Für ihre Heimatstadt Hamburg fungierte sie lange Zeit als die Statthalterin der Konzeptkunst mit engen freundschaftlichen Verbindungen zu Carl Andre, Sol LeWitt oder Lawrence Weiner, mithin den wichtigsten Vertretern dieser Kunstrichtung. Große Ausstellungen in Madrid, Bonn und München widmeten sich zuletzt ihrem Werk. Und noch bis Ende Juli 2017 ist im New Yorker Kunstzentrum Dia:Chelsea ihre monumentale Installation „Kulturgeschichte 1880-1983“ zu sehen. ...mehr

27.02.2017

Die Albertina in Wien läutet das Jubiläumsjahr zu Egon Schiele ein. 1918 verstarb der Expressionist und Provokateur zwar unerwartet früh, gab der österreichischen Kunst trotzdem eine neue Richtung

Der verdrehte Mensch


Egon Schiele, Aktselbstbildnis, 1916

Mit Egon Schiele verlor die Kunstwelt vor 99 Jahren einen der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Die Albertina in Wien würdigt den am 31. Oktober 1918 im Alter von nur 28 Jahren verstorbenen Österreicher mit einer hochkarätigen Ausstellung und gibt damit den Auftakt zum Gedenkjahr 2018. Die Schau positioniert das radikale Œuvre des Wegbereiters und Hauptmeisters des österreichischen Expressionismus in einer zwischen Moderne und Tradition zerrissenen Epoche. ...mehr

24.02.2017

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