Christie’s macht am 7. Juli den Anfang der großen Londoner Altmeister-Auktionen. Die 66 Losnummern sollen einen Gesamterlös von rund 15 Millionen Pfund einspielen. Im vergangenen Sommer hatte das Unternehmen mit 48 Losen circa 24 Millionen Pfund registriert – der Rückgang ist also deutlich weniger heftig ...mehr
Weiterhin recht krisensicher präsentieren sich die Alten Meister am 8. Juli bei Sotheby’s in London. Auch diesmal haben sich unter die knapp fünfzig Werke der Abendauktion einige Millionenwerte geschlichen. In Pieter Breughel d.J. haben die Niederländer den besten Erzähler – und den grausamsten: Schonungslos verlegt er die Ermordung der Kinder von Bethlehem durch Herodes’ Soldaten in die eigene Heimat eines winterlich idyllischen Dorfes mit Bauernhäusern und einer Kirche im Hintergrund. Das großformatige, figurenreiche Gemälde, das 1973 einmal 90.000 Pfund gekostet hatte, steht jetzt mit 2,5 bis 3,5 Millionen Pfund in der Preisliste ganz oben. Sein Neffe Jan Breughel d.J. schickt einen prächtigen Blumenstrauß in einer Delfter Vase. Wesentliche Anregung empfing er dafür allerdings von einem Blumenbild seines Vaters Jan Brueghel d.Ä., das sich heute im Kunsthistorischen Museum Wien befindet (Taxe 600.000 bis 800.000 GBP). ...mehr
03.07.2009
Ergebnisse: Klassische Moderne, zeitgenössische Kunst und Jugendstil im Kinsky
Der Einstieg war phänomenal: Egon Schieles 1914 datierte Kreidezeichnung „Stehendes Mädchen“, im Wiener Kinsky am 23. Juni auf 70.000 bis 120.000 Euro, ging erst bei 320.000 Euro über die Bühne. Und mit 260.000 Euro wurde die Losnummer zwei gleich anschließend honoriert, ein aufreizender Akt mit schwarzen Strümpfen, dominaartig von unten betrachtet. Die Gouache- und Bleistiftzeichnung aus dem Jahr 1912 war mit 100.000 bis 140.000 Euro ebenfalls zurückhaltend taxiert. Später rückte Schieles großer Vorläufer Gustav Klimt in den Mittelpunkt und belegte bei 170.000 Euro Platz drei der Auktion. Objekt der Begierde war sein stehender Frauenakt im Profil nach links, den er 1902 als schwarze Kreideskizze für eine der Gorgonen im Beethovenfries aufs Papier warf (Taxe 70.000 bis 140.000 EUR). Rund 1,9 Millionen Euro spielten die 114 Gemälde moderner Kunst ein. Die Zuschlagsquote nach Losnummern lag lediglich bei 43 Prozent, rechnet man die Vorbehalte heraus, sogar nur bei 28 Prozent, das Umsatzergebnis aber wurde nach Angaben des Hauses zu 86 Prozent erfüllt. Zusammen mit den Zeitgenossen, die fast 1,4 Millionen generierten, wurden am ersten Tag der 74. Auktion mehr als 3,3 Millionen Euro eingespielt. Trotz Krisenstimmung und einiger Vorbehaltszuschläge konnte Kinsky damit das Rekordergebnis des ersten Halbjahres 2008 noch übertreffen. ...mehr
02.07.2009
Moderne und zeitgenössische Kunst bei Ketterer laufen bestens
Mit viel Optimismus feierte das Münchner Auktionshaus Ketterer Mitte Juni sein neues Firmengebäude – und mit vielen guten Ergebnissen waren die ebenso spannenden wie hochkarätig besetzten Abendauktionen mit moderner und zeitgenössische Kunst am 19. Juni und 20. Juni über die Bühne gegangen. Über 6 Millionen Euro spielten die beiden Veranstaltungen zusammen mit der in Kooperation mit Quittenbaum ausgerichteten Bauhaus-Auktion ein. Die Zuschlagsquote der klassischen Moderne nach Losen lag bei guten 67 Prozent, die der Gegenwartskunst bei knapp 64 Prozent. „Einen besseren Start in dieses Jahr hätte man sich kaum wünschen können“, kommentierte Inhaber und Auktionator Robert Ketterer die Ergebnisse des ersten Halbjahres. Trotz derzeitiger Schwierigkeiten, Erstklassiges in die Auktion zu ziehen, gelang eine der herausragenden Versteigerungen auf dem deutschsprachigen Markt in diesem Frühjahr. ...mehr
01.07.2009
Moderne und zeitgenössische Kunst bei Jeschke & Van Vliet
Die eher mageren Ergebnisse einiger vergangener Auktionen und die Schwierigkeiten, Kunstbesitzer zur Einlieferung ihrer Werke zu bewegen, sind am kleinen Berliner Auktionshaus Jeschke & Van Vliet nicht spurlos vorübergegangen. Wie bei vielen anderen Häusern auch ist für den 2. Juli ein sichtlicher Rückgang an hochkarätigen Offerten zu verzeichnen. Nur zwei Losnummern mit höheren Schätzpreisen haben sich eingeschlichen: eine von Piero Manzonis schwarzen Teerarbeiten, gemischt mit braunen Ölfarben, aus dem Jahr 1956 für 50.000 Euro und ein kraftvolles Sonnenblumenbild Nicolas Tarkhoffs in Van Goghscher Manier für 30.000 Euro. Bei 20.000 Euro an dritter Stelle rangiert eine bunte surreale Malerei Léopold Survages, in deren Mittelpunkt eine Art Kopffüßler steht. Sie entstand 1963 fünf Jahre vor dem Tod des gebürtigen Finnen. ...mehr
Es mutet an wie bei einer Verbraucherausstellung in einer mittelgroßen Stadt. Mit weißen Planen bespannte Holzgestelle bilden das Gehäuse des mehrschiffigen Hallenensembles der Scope in Basel. Es steht für einige Tage auf dem Sportplatz im Inneren eines Gebäudeblocks, versteckt, unauffällig, aber nur eine Gehminute entfernt ...mehr
12.06.2009
Vor der Krise galten sie als sicheres Sprungbrett für die Künstlerkarrieren der Zukunft: Die Art Statements, das junge Segment der Art Basel. Doch Krise hin oder her. Auch in diesem Jahr sind hier wieder spannende Newcomer aus aller Welt zu entdecken
Fragil und leicht, abstrakt und elegant kommen die Arbeiten der 1975 in Stuttgart geborenen Künstlerin Hanna Schwarz daher. Ausgebildet in Hamburg, unter anderem bei Cosima von Bonin, bewegte sich Hanna Schwarz zunächst in etlichen temporären Hamburger Ausstellungsräumen. Zusammen mit einer Künstlerkollegin betrieb sie den charmanten „Salon de Thé“. Heute lebt Hanna Schwarz in Berlin. Ihre Arbeiten beschäftigen sich häufig mit den Posen des postmodernen Tanzes und der Bühnenpräsenz des weiblichen Körpers. Oskar Schlemmers „Triadisches Ballett“ mag man da im Hinterkopf haben, aber auch Bruce Naumans frühe Körperperformances aus den 1960er Jahren. Hanna Schwarz’ abstrakte Objekte, reduzierte Zeichnungen und ephemere Filmarbeiten entspringen in ihrer sparsamen Setzung dem Minimalismus. Elegante Kühle mischt sich hier mit spannungsreicher Ironie.
Hanna Schwarz bei Dépendance, Brüssel
www.dependance.be ...mehr
12.06.2009
Trotz düsterer Weltuntergangssymbolik auf dem Messevorplatz: Von Krisenstimmung ist auf der 40. Art Basel nichts zu spüren
Zwölf Meter ragt es empor, das schlichte schwarze Kreuz von Valentin Carron auf dem Basler Messeplatz. Wird etwa der Papst zur Eröffnung der 40. Art Basel erwartet, zu der der internationale Kunsttross nach dem Eröffnungsmarathon der Biennale Venedig über die Alpen gepilgert ist? Wohl kaum. Oder darf diese symbolbehaftete Arbeit als Kommentar zur aktuellen Finanz- und Kunstmarktkrise gelesen werden? Ähnlich wie die überdimensionale Schraubzwinge mit dem Titel „Platz“ von Mark Handforth oder die strahlend weiße Rauf-und-Runter-Achterbahnskulptur aus Parkbänken von Jeppe Hein? ...mehr
Vor 25 Jahren hatte man im europäischen Ausland keine Ahnung, dass sich in Amsterdam eine Kunstmesse etabliert hatte. Der Niederländer wollte eher unter sich bleiben und schon gar keine Deutschen auf dem Gelände haben. Neben zeitgenössischer Kunst gab es auf der ehemaligen „Kunst Rai“ auch Schmuck, Glas, Kunstgewerbliches und Unbeschreibliches. Die Geschichte der Kunst Rai, die nach und nach zur „Art Amsterdam“ mutierte, kann man in einem Sonderkatalog nachlesen, den die Messe zum 25jährigen Bestehen herausgegeben hat. Er enthält zahlreiche Portraits der Direktoren, die der Kunstmesse vorgestanden haben, Portraits von Sammlern und Galeristen, die seit Jahren Stammgäste der Messe sind. Eingefangen hat sie Koos Breukel, der durch seine Inszenierungen das Jubiläumsbuch zum Kunstwerk erhebt. Nur warum, so fragt sich der Leser, gibt es keine Übersetzung der beiden Einführungstexte? Ist die Internationalität doch noch nicht ganz in den Köpfen der Organisatoren angekommen? Doch damit sollte die Kritik auch schon verstummen. ...mehr
Optimismus auf der 27sten Art Brussels: vor allem die günstigen Arbeiten waren gefragt
Aus zahlreichen Lautsprechern wurde der Besucher der Art Brussels aufgefordert, das Lächeln nicht zu vergessen oder aber folgendes nachzumachen: den Pfiff, den man einer kessen Biene hinterschickt. Das Lächeln auf den Lippen der Besucher war also in Brüssel vorprogrammiert. Die Genter Künstlerin Kelly Schacht, eine von fünf Künstlerinnen, die das Rahmenprogramm der Messe bildeten, forderte in regelmäßigen Abständen per Lautsprecher zu diesen ungewohnten Aktionen auf. Nein, in Brüssel ist man nicht beunruhigt von Rezession oder gar Depression. Selbst die neu gestaltete, fast gleichzeitig laufende Art Cologne war hier kein Thema. Messechefin Karen Renders will die Art Brussels gar zur wichtigsten Messe für junge zeitgenössische Kunst in Europa machen. ...mehr