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Marktberichte

Moderne und zeitgenössische Kunst bei Karl & Faber in München

Man gähnt und schminkt sich

Otto Dix, Tanzsaal in St. Pauli, um 1925

Eine fröhliche Ausgelassenheit prägt das bunte Treiben im „Tanzsaal in St. Pauli“, das Otto Dix um 1924/25 in einem Aquarell auf Papier festhielt. Man blickt in die lächelnden Gesichter einander umschlingender Paare, darunter das eines etwas derben Matrosen, der – die Pfeife noch im Mund ...mehr

16.05.2012

Sensationelle Versteigerung Alter und Neuerer Meister bei Lempertz in Köln

Millionenschwer

Gerrit Dou, Alter Maler in seinem Atelier, 1649

Es war eine der größten Versteigerungen Alter und Neuerer Meister seit langem im deutschsprachigen Raum, die das Kölner Auktionshaus Lempertz am 12. Mai abhielt. Mit kapitalen Stücken insbesondere der niederländischen Kunst reich bestückt, wurden die hohen Erwartungen nicht enttäuscht: In der losbezogenen Zuschlagsquote von gut 48 Prozent spiegelt sich nur unzulänglich das große Interesse wider, das allen voran der englische Handel hier zeigte. Eine andere Zahl macht das schon deutlicher: Fast 15,4 Millionen Euro brutto konnte das Haus an diesem Vor- und Frühnachmittag umsetzen. Ein Großteil der hochgehandelten Nummern konnte seine Schätzungen mitunter weit übertreffen. Zwei Millionenzuschläge stehen auf der Zuschlagsliste – in Deutschland wahrlich eine Seltenheit, und in der Tat hält Lempertz jetzt den Spitzenwert für ein Altmeistergemälde auf einer hiesigen Auktion. Beide Bilder kamen von deutschen Privatleuten, die ihre hochbedeutenden Sammlungen vor allem in den 1970er und 1980er Jahren aufgebaut hatten. ...mehr

16.05.2012

Jugendstil und angewandte Kunst des 20sten Jahrhunderts im Wiener Dorotheum

Auf die Palme gekommen

Erna Kopriva, Schalenträgerin, 1927

Neben den großen Auktionen mit moderner und zeitgenössischer Kunst hat das Wiener Dorotheum wie in jedem Frühjahr auch ein paar Veranstaltungen mit Kunsthandwerk und Kunstgewerbe integriert. Die Preise sind hier durchschnittlich nicht so hoch wie bei den Großen, das Niveau aber verglichen mit den Angeboten anderer Häuser weiterhin beachtlich. Am späten Nachmittag des 21. Mai kommen Jugendstil und stilistische Nachfolger der angewandten Kunst mit mehr als dreihundert Positionen an die Reihe. Der Beginn ist weiblich dominiert: Eine auf dem Boden kauernde, schwer beladene Schalenträgerin Erna Koprivas von 1927 für 1.000 bis 1.300 Euro, Susi Singers madonnenschöne „Mädchen-Halbfigur“ von circa 1920 für 3.000 bis 4.000 Euro, Kitty Rix’ vielfigurige, filigrane Gruppe „Karussell“ von 1929 für 4.000 bis 6.000 Euro und mehrere Arbeiten Vally Wieselthiers wie ihr bekannter „Mädchenkopf“ von 1928 für 6.000 bis 10.000 Euro, wie alle übrigen Keramiken in der Wiener Werkstätte verlegt, empfangen die Interessenten. ...mehr

16.05.2012

Moderne und zeitgenössische Kunst bei Neumeister in München

Schreihals

Otto Dix, Ursus im Steckkissen, 1927

Wenn dieses Bild Töne von sich geben könnte, wäre es vermutlich kaum zum Aushalten: Mit geballten Fäusten, hochrot der Kopf vor Anstrengung, die Augen böse zusammengekniffen und der Mund weit geöffnet, bringt der kleine Balg seinen Unmut über etwas zum Ausdruck, was vermutlich nur er selbst wirklich versteht. Jedenfalls ist es nicht das kleine niedliche Baby, das sich die meisten Eltern wohl wünschten. Otto Dix aber, der sein zweites Kind „Ursus im Steckkissen“ 1927 kurz nach dessen Geburt auf Karton bannte, ging es gar nicht um Schönheit: Dieses Kind ist einfach, wie es ist, und vielleicht spiegelt sich in dem kleinen Schreihals auch ein bisschen von seinem Vater wider, der in seinem bisherigen Leben oft genug Grund hatte oder fand, aufzubegehren und wütend zu werden. Inzwischen war der Expressionist freilich etwas ruhiger geworden, und auch der Stil seiner vielseitigen Malerei hatte sich gewandelt: Fast altmeisterlich wirkt die Mischtechnik, zumal mit ihrem großen Monogramm samt Datierung in der rechten oberen Ecke. Neuerdings aus süddeutschem Privatbesitz wieder aufgetaucht, ist das Bild mit einer Schätzung von 150.000 bis 200.000 Euro einer der Höhepunkte der ausgewählten Werke von „Neumeisters Moderne“. ...mehr

15.05.2012

Moderne Kunst bei Lempertz in Köln

Brot und Spiele am Rhein

Giorgio de Chirico, Gladiatori nell’ arena, 1927

Der Gladiatorenkampf ist vorbei, unter dem aufgestützten Fuß des Siegers ist der Verlierer zusammengesunken. Der zerbrochene Dreizack vor ihm ist beredtes Zeugnis seiner Niederlage. Das Gesicht des siegreichen Helden ist unter der eisernen Maske nicht zu erkennen, nur in seiner triumphierenden Körpersprache klingt die kämpferische Überlegenheit nach. Eine dritte Figur in antiker Gewandung steht bei den Gladiatoren, ein Schiedsrichter vielleicht, vielleicht aber auch nur eine steinerne Skulptur. Das Ölgemälde Giorgio de Chiricos, einem Hauptvertreter der italienischen „pittura metafisica“, steckt voller Ambivalenzen und strahlt eine rätselhafte Widersprüchlichkeit aus. „Gladiatori nell’ arena“ entstand 1927 als Auftragsarbeit für den französischen Kunsthändler Léonce Rosenberg. Eventuell verbirgt sich hinter der statuenhaften Gestalt im Bild ein Porträt des Auftraggebers. Das 55 auf 46 Zentimeter große Gemälde führt am 22. Mai die Auktion „Moderne Kunst“ bei Lempertz an. Mit taxierten 450.000 bis 550.000 Euro ist es das Spitzenlos der Versteigerung. ...mehr

15.05.2012

Ein Grund zum Feiern: Auf der 30. Art Brussels trafen vorwiegend belgische Kunstconnaisseure auf eine internationale Galerienauswahl

Auf der Jagd nach belgischen Visitenkarten

Impressionen von der Art Brussels 2012

Die einzige Klage, die man auf der diesjährigen Art Brussels zu hören bekommen hatte, war das Unverständnis über den Termin: Nahezu zeitgleich zur Art Cologne, eine Woche vor dem Gallery Weekend in Berlin und zwei Wochen vor der in diesem Jahr erstmals auch in New ...mehr

05.05.2012

Die Art Brussel feiert ihren 30. Geburtstag

Konkurrenz aus Belgien

Via Lewandowsky, As time goes by (Siemens clock, small), 2005-2011

1968 gründeten 15 belgische Kunstgalerien eine kleine Kunstmesse im Herzen Brüssel und nannten sie „Art Actuel“. Die Messe wuchs im Laufe der Jahre, benannte sich mehrfach um, bis man sich 1998 auf den international gängigen Namen „Art Brussels“ einigte und eine neue Art Direktorin fand, die fortan die Geschicke bestimmen sollte: Karen Renders. Sie erkannte bald das Potential der damals noch alle zwei Jahre stattfindenden Verkaufsschau für zeitgenössische Kunst. Qualität und Teilnehmer stimmten schon mal, aber was der Messe fehlte, war ein professionelles Gesicht in professioneller Umgebung. Die Art Brussels zog in geeignete Hallen auf dem historischen Heysel, dem Messegelände in Brüssel, in direkter Nachbarschaft zum Atomium. Um internationaler zu werden, griff man auf einen einfachen Trick zurück: Jede 15te teilnehmende Galerie lud eine befreundete Galerie aus dem Ausland ein. Ein Netzwerk wurde aufgebaut, die Ausstellerzahl verdoppelte sich. Zur 30sten Ausgabe lagen heuer trotz parallel stattfindender Art Cologne so viele Bewerbungen vor, dass ein Auswahlgremium die sicherlich nicht einfache Aufgabe hatte, zu bestimmen, was dem Image der Art Brussels gut tut und was nicht. ...mehr

26.04.2012

Die 46. Art Cologne ist am Sonntag mit über 60.000 Besuchern zu Ende gegangen. Viele interessante Positionen verbargen sich gerade im zeitgenössischen Bereich auf der oberen Etage. Ein Rückblick

Auf Entdeckungstour in Köln

Barbara Kasten, Construct LB 1, 1982

Oft lohnt ein zweiter Blick, um auf Kunstmessen überraschende Entdeckungen zu machen. Die am Wochenende zu Ende gegangene Art Cologne hielt viele anregende neue Ideen bereit. So hatte die Berliner Galerie Croy Nielsen aktuelle Arbeiten von Roman Schramm mit an den Rhein gebracht. Die ästhetischen Aufnahmen des Berliners von Objekten wie High Tech-Turnschuhen kombinierte Schramm installativ mit maßgeschneiderten Bundfaltenhosen in ungewöhnlichen Farben, die unterhalb der perfekt abgezogenen Fotografien angebracht waren (je 1.800 Euro, Auflage 5. Nur das Exemplar 1/1 mit Hose). Ebenfalls am Stand zu sehen waren ein Video und Zeichnungen von Judith Hopf. Die Wienerin beschäftigt sich auf ironische Weise mit der Idee von Zugänglichkeit und Versperrung. Als wiederkehrendes Motiv wählt sie dabei das Haushuhn (Video: 8.000 Euro, Auflage: 6, Zeichnungen: 4.000 Euro). ...mehr

26.04.2012

Gute Stimmung auf der Vernissage der 46. Art Cologne: An den Marktführer Art Basel reicht die Messe zwar noch nicht heran, aber in Deutschland ist sie jetzt wieder die unumstrittene Nummer eins

Mit Aufbauspritzen erneut an die Spitze

am Stand der Galerie Klosterfelde aus Berlin

Das Interview kam zum rechten Zeitpunkt. Vor genau einer Woche hat Daniel Hug, Jahrgang 1968, seit vier Jahren Direktor der Art Cologne, in einem Interview mit der Deutschen Presseagentur selbstbewusst verkündet, er wolle die Messe wieder zur Nummer eins unter den großen Kunstmessen machen. Was dem schweizerisch-amerikanischen Ex-Galeristen dabei zu Gute kommt, ist die Tatsache, dass Berlin im vorigen Jahr seine Vorzeigemesse Art Forum verloren hat. Zu groß waren die Streitereien zwischen Berliner Galeristen und der Messegesellschaft geworden. Was in der Hauptstadt blieb, ist rund ein halbes Dutzend unentschiedener Nebenmessen, die nicht dazu angetan sind, ein großes, internationales Publikum an die Spree zu locken. Das kommt jedoch wegen der in Europa einmaligen Galeriendichte sowieso nach Berlin. „Berlin braucht keine Messe. In Berlin ist jedes Wochenende Messe“, folgert denn auch Hug. ...mehr

19.04.2012

Eine neue Ausgabe der Art Cologne öffnet ihre Tore

Auf Konsolidierungskurs

He Xiangyu, Man on Chairs

Im kalten Foyer der Koelnmesse waren die Teilnehmer der Pressekonferenz zur neuen Ausgabe der Art Cologne kalter Zugluft ausgesetzt. Da drängte sich unweigerlich die Frage auf, ob auch die Messe frische Winde durchwehen. Vor vier Jahren startete Daniel Hug als Direktor bei der Art Cologne, einem damals schlingernden, ja sinkenden Schiff. Ein radikaler Schrumpfungsprozess sollte Zeitgeistschrott und Eventkunst aussondern. Einmal aus der Premiumklasse abgestiegenen, gestaltet sich der Aufstieg langwierig und schwierig, insbesondere was das Zurückholen alter Teilnehmer anbelangt. Doch jetzt kann man erkennen: Der Abwärtstrend ist gestoppt, der Konsolidierungskurs trägt Früchte, auch wenn noch lange nicht der alte Glanz wieder erstrahlt. Denn auch die Kunstwelt hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch verändert, und Hugs Bestreben, die globale Nummer Eins in der Messelandschaft für moderne und zeitgenössische Kunst zu werden, lässt sich wohl allein aus abgabentechnischer, fiskalischer Sicht nicht mehr erreichen. Hier wird die Art Basel unangefochten Spitze bleiben. Global Player aus der Galerienszene wie beispielsweise Gmurzynska lassen sich wohl nie mehr nach Köln locken. Das kann aber Daniel Hug nicht angelastet werden. ...mehr

18.04.2012







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