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Aktuellzum Archiv:Museumsportrait

Die neue Staatsgalerie in Neuburg an der Donau

Flämische Malerei in italienischem Flair



Wenn man sich von Nordwesten, von jenseits der Donau, durch die Felder und Wiesen der kleinen Residenzstadt Neuburg nähert, verstärkt sich der Eindruck, als habe man sich in südländische Gefilde begeben und schreite einem italienischen Panorama entgegen. Erhöht über dem breiten Fluss erhebt sich die Oberstadt, überragt von einem kuppelartigen Bau, der sich erst aus geringerer Distanz als der gedrungene Turm der Hofkirche entpuppt. Direkt daneben ruht auf unregelmäßigem Grundriss das Renaissanceschloss mit einem großen Innenhof, zu dem sich die Fassaden in lichten Arkaden öffnen, und einem hübschen, nicht allzu opulenten Hofgarten, der den Blick über die Unterstadt freigibt. Auf der anderen Seite des Hügelkammes steht die Peterskirche, nur wenige Jahrzehnte später als die Hofkirche und nach deren Vorbild in frühbarocken Formen errichtet. Man merkt dem Städtchen auch heute noch die frühere Bedeutung als Residenz des Fürstentums Pfalz-Neuburg an. Vornehme Steinfassaden säumen die Straßen und den Karlsplatz in der Mitte, und die drei Großbauten stammen alle aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Etwas verschlafen dagegen wirkt Neuburg heute. Nur wenige Touristen verirren sich hierher. Über den Platz vor der Hofkirche hinaus schafft es kaum jemand, und selbst bei schönstem Sommerwetter liegt alles ziemlich still.



Vielleicht ändert sich diese provinzielle Beschaulichkeit, wenn sich allmählich herumgesprochen hat, welche Schätze Neuburg neuerdings in seinem schönen Schloss birgt. „Von Münchens Gnaden“ könnte man etwas abschätzig formulieren: Denn die Galerie „Flämische Barockmalerei“, die sich nun über zwei Geschosse und rund ein Dutzend Räume verteilt, umfasst etwa 150 Gemälde, die zum Teil bislang lediglich Depots der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen zierten und nun einen würdigen Ort zur Präsentation erhalten haben. Damit werden allerdings auch historische Dimensionen berührt. War es doch Herzog Wolfgang Wilhelm, der 1617 bei keinem geringeren als Peter Paul Rubens ein „Jüngstes Gericht“ für den Hochaltar der Hofkirche und kurze Zeit später auch zwei Gemälde für die Seitenaltäre bestellte. 1691 und 1703 gelangten die drei Leinwände jedoch von Neuburg in die Düsseldorfer Galerie, die Kurfürst Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg für seine zahlreichen Kunstschätze gegründet hatte. Von dort kamen sie Ende des 18. Jahrhunderts nach München. Jetzt, nach nunmehr 300 Jahren, kehrten die beiden kleineren Blätter wieder nach Neuburg zurück, während das „Große Jüngste Gericht“, eine in der Tat gewaltige Leinwand von über sechs Metern Höhe, weiterhin in der bayerischen Hauptstadt zu bewundern ist und in der Neuburger Hofkirche immerhin als Transparent an der Nordwand des Chores anschaulich gemacht ist.

Die beiden Seitenaltarblätter bilden das Herz der Staatsgalerie. Zunächst aber gelangt der Besucher in einige Vorräume, in denen er sich durch wechselnde Sonderausstellungen und eine Informationsstätte über Antwerpen als Kunstzentrum in die flämische Malerei des 17. Jahrhunderts einführen lassen kann. Erst dann beginnt das eigentliche Museum, das fünf Räume im ersten und einen Raum – den großen Saal – im zweiten Obergeschoss des sogenannten Ottheinrichsbaus enthält. Die Gliederung ist klar und übersichtlich. Den Besucher empfangen zunächst Genre- und Rosenkranz-Zyklen, Seestücke und Blumenstillleben verschiedener Künstler, während er in den hinteren beiden Räumen künstlerorientiert zu Brueghel samt Mitarbeitern sowie den drei Hauptprotagonisten Rubens, van Dyck und Jordaens vorstößt. Mit Herrscherportraits, worunter sich auch einige aus der Hand deutscher Maler verirrt haben, kann er seinen Rundgang unten abschließen. Per Fahrstuhl oder klassisch über die Treppe gelangt er dann in den oberen Saal, in dem naturgemäß die großen Formate hängen.

Dominierend bei dieser Sammlung sind die Antwerpener Maler und ihre Schule. Zwar wurde Jan Brueghel der Ältere 1568 in Brüssel geboren, aber seit 1596 bis zu seinem Tod 1625 war er fast ununterbrochen in Antwerpen tätig. Von ihm hängt eine stattliche Anzahl von Gemälden in der Sammlung, die seinem Beinamen „Blumenbrueghel“ alle Ehre machen. Dazu gehört zum Beispiel ein auf Kupferplatten gemalter Jahreszeitenzyklus, an dem Brueghels Malerkollege Hendrik van Balen mit der Einfügung der Figuren beteiligt war. Immer wieder finden sich flämische Bilder, die die enge Zusammenarbeit der Künstler untereinander dokumentieren. Überreich ist der Frühling mit allen Arten von Blumen in üppigsten Farben veranschaulicht, während die entblößte Flora ein großes Bouquet im Arm und einen Kranz im Haar trägt und die Ehrbezeugungen der Menschen entgegen nimmt.

Im Herbst dominieren erlegtes Wild und reife Früchte, die der dickleibige Bacchus schlemmt. Im Winter dagegen sind die Schätze der Natur durch menschlichen Tand ersetzt, und man begnügt sich an der Tafel mit dem, was das Jahr hergegeben hat. Von Brueghel selbst stammen sicher auch die landschaftlichen Hintergründe. Ein ganz autonomes Werk des Meisters stellt die „Belebte Straße“ an einem Flusslauf dar. Mit solchen Ansichten war er nicht zuletzt auch Lehrer seines Sohnes Jan Brueghel des Jüngeren, von welchem ebenfalls einige Bilder, unter anderem eine „Waldlandschaft mit heiligem Hubertus“, gezeigt werden und die auf den ersten Blick nur schwer von denen des Vaters unterscheidbar sind.

Überhaupt spielen Jahreszeiten und Naturerscheinungen in der flämischen Malerei eine Rolle wie selten in der Kunst. So zeigt uns Denis van Alsloot – einer der wenigen Nichtantwerpener, denn er war zeit seines Lebens in Brüssel tätig – ein winterliches Maskenfest auf dem Eis außerhalb der Stadtmauer. Reges Treiben herrscht auf dem zugefrorenen Wasser, und einige Paare vollführen auf ihren Schlittschuhen einen eleganten Tanz. Doch kommt, wie vielfach bei diesen Darstellungen, auch hier der Landschaft, verkörpert durch die mächtigen Bastionen sowie eine Brücke im Hintergrund, ein hoher Stellenwert zu.

Besonders deutlich ist dies bei einem Gemälde des Antwerpeners Alexander Keirincx, das einen sommerlich blühenden „Eichenwald mit Jagdstaffage“ zeigt. Die Menschen und Tiere sind so klein, dass man sie auch bei näherem Hinschauen kaum bemerkt. Die mächtige Eiche dagegen, die auf einem knorrigen Stamm ruht und ihre Äste in zum Teil abenteuerlichen Verrenkungen in den Himmel streckt, ist so beeindruckend und zentral, dass sie sofort die Blicke fesselt. Winterlich geht es auf einer Leinwand Josse de Mompers zu, die eigentlich die – nebenbei bemerkt – brutale Plünderung eines Dorfes durch marodierende Soldaten darstellt. Mompers Blick auf das demgegenüber sommerliche Antwerpen gilt jedoch nicht in erster Linie der Stadt selbst, deren Turmspitzen am Horizont lediglich hervorschimmern, sondern einer kleinen, frei erfundenen Halbinsel zwischen den Deltaarmen der Schelde mit verschiedenen Baulichkeiten, Vegetabilien und Personen. Mit seiner größeren Buntfarbigkeit in den Landschaftsansichten hebt sich Momper von seinen Malergenossen ein wenig ab.

Einen weiteren Schwerpunkt der flämischen Malerei in Neuburg bilden religiös-historische Stoffe. Damit nähert sich der Kunstfreund auch dem Höhepunkt der Galerie. Denn – wie schon erwähnt – handelt es sich um zwei Altarblätter, die Rubens 1619 für die Hofkirche schuf. Aufgrund ihrer jeweils fast fünf Meter Höhe hat das Museum gut daran getan, die Hochformate im oberen Saal separat an zwei Stellwänden aufzuhängen, so dass man sie in aller Ruhe aus der Ferne wie auch aus nächster Nähe erfassen und studieren kann. Das linke zeigt die „Anbetung der Hirten“. Die ärmlich gekleideten Menschen drängen sich förmlich zu der Krippe mit Christus hin, den die Mutter Maria fast ein wenig keck den Blicken der Gruppe enthüllt. Eine Engelsschar über der unteren Szenerie erhöht den Eindruck drangvoller Bewegung, der das Bild beherrscht und ihren ruhenden Endpunkt in der abgeschlossenen Gruppe um das schlafende Kind findet. Nichts in diesem Gemälde wirkt unnatürlich und – wie manches andere Objekt der Sammlung – manieriert. Konzentration auf den wesentlichen Inhalt, kombiniert mit möglichster Ausfeilung von Gemütsregungen und äußeren Reaktionen lässt auch das andere Gemälde, die „Ausgießung des Heiligen Geistes“, erkennen. Auch erweist es Rubens’ Meisterschaft, greifbare Stofflichkeit durch abgestufte und verschleierte Farben zu erzeugen.

Diese beiden Gemälde stellen die einzigen für Rubens gesicherten Werke in Neuburg dar. Daneben findet sich noch eine stattliche Anzahl weiterer Bilder, bei denen es sich um Werkstattarbeiten, -kopien oder zugeschriebene Arbeiten handelt. Hervorstechend ist ein Gemälde, das die „Auferstehung der Seligen“ zeigt und von Rubens zumindest begonnen, von Jan Boeckhorst dann vollendet worden sein soll. Wie ein Feuersturm werden die entkleideten, den Gräbern entsteigenden Menschenmassen von der göttlichen Macht in die himmlischen Sphären hinaufgesogen. Eine ganz andere, klarere und inhaltlich aufgeladenere Malweise pflegte dagegen der Begründer der Lütticher Malerschule, Gérard Douffet. Seine beiden gewaltigen Historiengemälde hängen im oberen Saal den Altarbildern Rubens’ gegenüber. Auf dem linken von 1627 ist Papst Nikolaus V. dargestellt, der das Grab des heiligen Franz von Assisi besucht. Doch diese Szene ist nur in der unteren rechten Ecke geschildert. Den Rest nehmen weitere kleine, thematisch angelegte Personengruppen sowie eine große Anzahl von Staffagefiguren ein. Ähnlich manieriert wirkt auch das andere Hauptwerk Douffets, die „Auffindung und Prüfung des Heiligen Kreuzes“ durch Kaiserin Helena. Auch hier ist das Geschehen durch ein umfangreiches und im Einzelnen genau studiertes Personal bereichert.

Zwei weitere Antwerpener Maler stellt die Staatsgalerie ebenfalls besonders heraus: Anthonis van Dyck und Jacob Jordaens. Während van Dyck seit 1632 Hofmaler in London war, blieb Jordaens seiner Heimatstadt treu und nahm nach Rubens’ Tod dessen künstlerische Stellung als bedeutendster Maler der südlichen Niederlande ein. Ein Selbstbildnis von circa 1650, das nun in Neuburg hängt, zeigt ihn als einen ernsten, strenggläubigen Mann, dem keine Attribute der Malerei beigegeben sind. Jordaens beeindruckt immer wieder durch unmittelbare, plastische Körperansichten, so zu sehen in seinem „Apostel Petrus“. Fast übertrieben fleischig wirken die eingefurchten Hände, mit denen der konzentriert lesende, bärtige Mann sein Buch hält. Jede einzelne Hautfalte seiner welken, entblößten Brust ist wiedergegeben. Geradezu abstoßend wirkt der alte Zecher, den Jordaens vorführt. Aus dem aufgedunsenen, direkt in den fetten Hals übergehenden Gesicht schaut er mit kleinen, irrenden Augen aus dem Bild heraus, während der wie zum Singen geöffnete Mund die angeschwollene Zunge preisgibt. Hinter dem hässlichen Mann steht eine junge Bacchantin, die spottend auf ihn weist.

Von van Dyck sind zwei Portraitserien ausgestellt. In fünf Ölstudien auf Papier erprobt er die Kopf- und Oberkörperhaltungen bei verschiedenen Gemütszuständen, mal sinnend, mal fast exstatisch aufblickend. Werkstattarbeiten sind dagegen die zehn Portraits, die als Vorlagen für die „Ikonographie“, eine Portraitserie berühmter zeitgenössischer Persönlichkeiten, dienten. Unter den Grisaillemalereien finden sich auch Analogien zu bekannten Bildnissen, so zu demjenigen Albrecht von Wallensteins, in dem der Feldherr den Betrachter streng anschaut und seinen Feldherrnstab hochhält. Recht ähnlich, nicht zuletzt auch in der Barttracht, ist das Konterfei von Wallensteins Gegner im Felde, Gustav Adolf von Schweden.

Die Galerie glänzt noch mit einigen weiteren Namen. Frans Francken II. zum Beispiel präsentiert zwei durchaus skurrile Gemälde, einen „Hexensabbat“ und einen „Kampf der Zeit gegen den Tod“. Letzteres, in dem eine Menschenschar von einem Skelett als Personifikation des Todes buchstäblich über den Haufen geschossen wird, ist ein besonders eindrucksvolles Symbol der Vergänglichkeit allen Lebens. Dies ist auch Thema der Stillleben und vor allem der großformatigen Tierkämpfe Frans Snyders’. Die animalische Kraft bei letzteren ist wunderbar eingefangen und schwerlich lange zu ertragen. Von David Teniers dem Jüngeren stammt neben einigen Genredarstellungen auch ein Rosenkranzzyklus auf kleinen Kupferplatten. Insbesondere die Kreuzigungsdarstellung beeindruckt durch die Unmittelbarkeit und Monumentalität, mit denen Christus ganz allein vor dem düsteren Himmel über der Stadt Jerusalem erscheint. Wie eine Summe der flämischen Malerei schließlich wirkt die Ansicht einer Gemäldegalerie von 1666, an der eine Reihe damals noch lebender Maler der Antwerpener Lucasgilde beteiligt war und in die sie einige ihrer Gemälde hineinkomponiert hat. Doch da – nach Rubens’ und van Dycks Tod – hatte die flämische Malerei ihren Zenit bereits überschritten.

Die Staatsgalerie „Flämische Barockmalerei“ ist von April bis September täglich außer montags von 9 bis 18 Uhr, in den übrigen Monaten des Jahres an selben Wochentagen von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt inklusive der bayerischen Landesausstellung „Von Kaisers Gnaden – 500 Jahre Pfalz-Neuburg“ bis zum 16. Oktober 6 Euro, ermäßigt 4 Euro, danach 3 Euro, ermäßigt 2 Euro.

Kontakt:

Staatsgalerie Neuburg an der Donau

Residenzstraße 2

DE-86622 Neuburg a.d. Donau

Telefon:+49 (08431) 8897

E-Mail: info@pinakothek.de



10.08.2005

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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