Heute feiert das Mainfränkische Museum Würzburg seinen 100sten Geburtstag. Am 17. Mai 1913 wurde es als „Fränkisches Luitpoldmuseum“ von Prinzregent Ludwig von Bayern in der Würzburger Innenstadt eröffnet und der Erforschung und Sammlung mainfränkischer Kultur und Kunst gewidmet. Das Haus, für das ein ehemaliges Universitätsinstitut umgestaltet wurde, beherbergte die Sammlungen der Stadt, des Historischen Vereins und des Fränkischen Kunst- und Altertumsvereins. Beim Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 wurde das Gebäude völlig zerstört und ein Großteil der Sammlungen vernichtet. Für die rechtzeitig ausgelagerten beziehungsweise aus dem Schuttberg geborenen Kunstwerke gab es hier keine Bleibe mehr. Der neue Museumsdirektor Max H. von Freeden erwog daher einen Umzug auf die Festung Marienberg und konnte hier schon 1947 fünf Säle im Zeughaus und in der daran anschließenden Echterbastei beziehen.
Heute gilt das Mainfränkische Museum mit seinen weitverzeigten Beständen als „Victoria & Albert Museum in Franken“. Seine Sammlungen umfassen die Zeugnisse menschlicher Kultur in Mainfranken von der Vorzeit bis ins 19te Jahrhundert. In der archäologischen Abteilung, die Funde von der Altsteinzeit bis zur Merowingerzeit umfasst, gehört der spätbronzezeitliche Kultwagen aus Acholshausen zu den Spitzenstücken. Die romanische Bauplastik erinnert dann an Würzburgs Blüte zur Stauferzeit. Neben wertvollen gotischen Skulpturen des 14ten Jahrhunderts bildet die einzigartige Sammlung von Werken Tilman Riemenschneiders den Kern des Museums. Aus Barock, Rokoko und Frühklassizismus machen Skulpturen Johann Wolfgang van der Auveras, Ferdinand Tietz’ und Johann Peter Wagners aus sich aufmerksam. Das Kunstgewerbe hält Möbel, Textilien, Metallarbeiten, Keramik und Porzellan, Glas, Uhren, Siegel und Medaillen aus Franken vor. In der Gemälde- und Grafikabteilung ragen die Plansammlung des 18ten Jahrhunderts heraus. Neben Volkskunde umfassen die Sammlungen schließlich noch die die für Mainfranken wichtige Weinkunde sowie die Stadtgeschichte Würzburgs vom 8ten bis ins 20ste Jahrhundert, die in einem eigenen Gebäudetrakt im Fürstenbau untergebracht ist.
Das Jubiläum feiert das Mainfränkische Museum heute ab 20 Uhr mit einer öffentlichen Gala-Nacht, die ein umfangreiches Programm mit Sonderführungen und -aktionen, Musik, Jubiläumsbeleuchtung und Kulinarischem bietet. Gleichzeitig wird die Jubiläumsausstellung „Ans Werk – 100 Jahre Mainfränkisches Museum Würzburg“ eröffnet, die mit Einsatz neuester Präsentations- und Informationsmedien herausragende Sammlungsbestände ins rechte Licht rückt. Ausgesuchte Leihgaben bereichern die zwölf „Schatzinseln“.
Die Ausstellung „Ans Werk – 100 Jahre Mainfränkisches Museum Würzburg“ läuft vom 18. Mai bis zum 6. Oktober. Geöffnet ist täglich von 9 bis 18 Uhr. Der Eintritt beträgt für beide Ausstellungen 4 Euro, ermäßigt 2 Euro.
Mainfränkisches Museum Würzburg
Festung Marienberg
D-97082 Würzburg
3,73 Millionen Euro für ein kleines Porzellankännchen
China ist nicht nur im fernen Osten. Wenn auf Auktionen in der Mitte Europas chinesische Kunst verhandelt wird, sind auch immer Kunden aus dem Land der aufstrebenden Wirtschaftsmacht und des neuen Reichtums beteiligt. Sie lassen sich dann selten lumpen, wenn es darum geht, exzellente Objekte in ihren Besitz zu bringen – so geschehen nun in der vergangenen Woche beim Auktionshaus Nagel in Stuttgart. Als die Losnummer 51 an der Reihe war, startete ein Bietgefecht für die seltene kaiserlich-chinesische Doucai-Kanne aus dem 18ten Jahrhundert. Die lediglich 13,3 Zentimeter hohe Porzellankanne mit zarter floraler Bemalung war mit einem Schätzpreis von 800.000 Euro auf das Auktionsparkett getreten. Zwölf Interessenten rangen um das Objekt mit der unterglasurblauen Sechszeichen-Siegelschriftmarke Yongzheng, bis schließlich ein chinesischer Sammler bei 2,8 Millionen Euro die Oberhand behielt. Mit Aufgeld musste er dann 3,73 Millionen Euro zahlen. Dies wird auch den Einlieferer, einen Privatsammler aus dem Rheinland, freuen, der die filigrane Weinkanne 1984 bei Sotheby’s in London für umgerechnet 45.000 Mark erworben hatte.
Mit diesem Verkauf gelangen Nagel gleich mehrere Rekorde: Die Doucai-Kanne ist nun der höchste Preise für asiatische Kunst in Deutschland und für ein kunsthandwerkliches Objekt in Deutschland, sie wird wohl auch die Preisliste der teuersten Kunstwerke auf deutschen Auktionen in dieser Frühjahrsaison anführen. Auch wenn sonst kein Millionenwert mehr erreicht wurde, gab es weitere bemerkenswerte Ergebnisse, etwa die feuervergoldete Bronze des Buddha Shakyamuni aus der Kangxi-Periode (1662-1722), die von 200.000 Euro auf netto 700.000 Euro aus chinesischer Hand kletterte. Diesen Preis erreichte zudem ein kaiserliches Kabinett mit flächefüllendem Golddekor, das allerdings mit mindestens 800.000 Euro ausgewiesen war. Auch der Gesamtumsatz von 23,3 Millionen Euro lässt sich bei einer losbezogenen Zuschlagsquote von rund 50 Prozent und einer wertbezogenen von 148 Prozent sehen. Nagel stellt nach eigenen Angaben damit die bislang umsatzstärkste deutsche Kunstauktion in diesem Jahr und zugleich einen neuen Umsatzrekord für eine Asiatika-Auktion in Deutschland.
15.05.2013
Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching
Carl Burckhardts „Venus“ in der Eröffnungsausstellung im Kunsthaus Zürich, 1910
Carl Burckhardt für das Kunsthaus Zürich
Vor 50 Jahren wurde die Sophie und Karl Binding Stiftung gegründet. Das nimmt die Baseler Stiftung nun zum Anlass, dem Kunsthaus Zürich die Figur „Venus“ von Carl Burckhardt zu schenken. Den Besuchern des Züricher Museums ist die farbige Marmorskulptur keine Unbekannte. Steht sie doch stolz seit langem im Böcklin-Saal des Kunsthauses. Schon 1910 gelangte der üppige Frauentorso das erste Mal als Leihgabe hierher. Doch eigentlich wollte der junge Bildhauer Burckhardt seine Statue im Basler Museum aufgestellt sehen. Seine Hoffnung erfüllte sich aber nicht. Ob zur Ablehnung auch der stolze Preis von 30.000 Franken beitrug, ist nicht überliefert. Schließlich erwarb der Arzt Theophil Dieterle das Werk von seinem ehemaligen Schulkameraden.
Dass die „Venus“ dann 1910 einen prominenten Platz in der Ausstellung zeitgenössischer Kunst erhielt, mit der das neu erbaute Kunsthaus Zürich seinen Betrieb am Heimplatz aufnahm, war kein Zufall. Der Kunsthaus-Architekt Karl Moser hatte Burckhardt das Behauen der großen Metopen an den Außenfassaden anvertraut. Bei der Kunsthaus-Eröffnung war Burckhardts „Venus“ zusammen mit Bildern Ferdinand Hodlers zu sehen und fügte sich perfekt in Mosers Architektur ein, die sich am Reformstil der Sezessionen orientierte.
Doch was 1910 als harmonischer Einklang empfunden wurde, galt wenig später als überholter Jugendstil, an den man sich nur noch ungern erinnerte. Burckhardts „Venus“ verschwand fast ein halbes Jahrhundert aus der Öffentlichkeit. Erst 1967 fand sie wieder ins Kunsthaus Zürich zurück. 1997 erwarb dann die Sophie und Karl Binding Stiftung die Statue von Theophil Dieterles Nachkommen. Nun ist ihr Verbleib an diesem idealen Ort dauerhaft sichergestellt. Um den Eigentumswechsel gebührend zu begehen, hat das Kunsthaus Zürich eine kleine Präsentation organisiert. Sie umfasst 14 Skulpturen, Zeichnungen und Gemälde Carl Burckhardts und erinnert an die Bedeutung, die der Bildhauer im Schweizer Kunstschaffen des frühen 20sten Jahrhunderts hatte.
Die Ausstellung „Venus. Die Schenkung. Carl Burckhardt und das Kunsthaus Zürich“ ist bis zum 4. August zu sehen. Das Kunsthaus Zürich hat samstags, sonntags und dienstags von 10 bis 18 Uhr sowie mittwochs, donnerstags und freitags von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 15 Franken, ermäßigt 10 Franken, für Besucher unter 16 Jahre ist er kostenlos. Die Publikation zur Ausstellung kostet 18 Franken.