Der Fall um gefälschte Skulpturen Alberto Giacomettis nimmt neue Dimensionen an. Wie die Staatsanwaltschaft Stuttgart heute mitteilte hat sie Anklage gegen vier Männer und eine Frau wegen mehrfachen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs und Urkundenfälschung erhoben. In Zentrum steht ein 62jähriger Mainzer Kunsthändler, der zusammen mit seiner Frau und einem weiteren 59jährigen Beschuldigten seit 2003 bis zu ihrer Festnahme im August 2009 gefälschte Giacometti-Skulpturen im In- und Ausland zum Preis von insgesamt etwa 9 Millionen Euro veräußert haben soll. Zudem wird den drei Personen der Versuch vorgeworfen, in den vergangenen beiden Jahren 300 Bronzen und 100 Gipsskulpturen an eine New Yorker Galerie zum Preis von 50 Millionen Euro sowie 17 Skulpturen für 1,3 Millionen Euro an einen verdeckten Ermittler des Landeskriminalamtes verkaufen zu wollen. Dabei stellten die Beamten auch 1.000 gefälschte Skulpturen in einem 200 Quadratmeter großen Geheimlager in Mainz sicher.
Schon die Verkaufsanbahnung liest sich abenteuerlich. Der 59jährige Mann, der als Verkäufer der Bronze- und Gipsskulpturen auftrat, gab sich als Reichsgraf aus. Den interessierten Kunden spiegelte er vor, dass die Arbeiten aus einem geheimen Fundus von Albertos jüngerem Bruder Diego Giacometti stammten. Er selbst sei ein Freund Diegos gewesen und habe die Skulpturen von ihm übernommen. Seine Erkenntnisse habe er in einem Buch mit dem Titel „Diegos Rache“ niedergeschrieben. Zum Beweis der Echtheit der Skulpturen legte er den Kunden anschließend dieses Buch und zusätzlich von den Angeschuldigten selbst erstellte Echtheits- und Herkunftszertifikate der Kunstwerke vor. Gleichzeitig wiesen die Skulpturen, soweit es sich um Bronzen handelte, Signaturen auf, die den Originalen nachempfunden waren, und teilweise auch Gießermarken, die auf die für Giacometti arbeitenden Gießereien Susse, Rudier und Pastori hindeuteten.
Wahrer Autor des Buches, geistiger Urheber dieser Legende und im Hintergrund wirkender Stratege der Verkäufe war der 62jährige Kunsthändler. Er wurde bereits im Februar dieses Jahres vom Landgericht Stuttgart wegen banden- und gewerbsmäßiger Urkundenfälschung im Zusammenhang mit gefälschten Giacometti-Skulpturen in den Jahren 2000/2001 verurteilt. Die beiden anderen Mitbeschuldigten im Alter von 55 und 69 Jahren soll die drei Hauptdrahtzieher in ihrem Handeln unterstützt haben, indem sie die Geschäfte teilweise vermittelt beziehungsweise den Druck des Buches übernommen haben. Die Angeklagten sind teils geständig, teilweise spielen sie ihren Tatbeitrag herunter und teilweise bestreiten sie die ihnen zur Last gelegten Vorwürfe gänzlich.
02.09.2010
Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching
Neo Rauch schenkt Aschersleben sein grafisches Werk
Aschersleben ist um einen künstlerischen Schatz reicher. Wie die mitteldeutsche Stadt heute mitteilte, schenkt Neo Rauch ihr sein komplettes grafisches Werk. Dabei handelt es sich um es sich um 40 Blätter mit einem Gesamtwert von rund 100.000 Euro. Die Schenkung, die Rauch mit seiner Galerie Eigen + Art initiiert hat, soll kontinuierlich fortgesetzt werden. Jeweils ein Exemplar seiner noch entstehenden Grafiken geht dann in die Ascherslebener Sammlung ein. Die Stadt Aschersleben will dafür einen festen Ausstellungsraum im Riegelbau des Bestehornparks zur Verfügung stellen, in dem ab Frühjahr 2012 die Radierungen, Lithografien und Lichtdrucke Neo Rauchs gezeigt werden sollen.
Neo Rauch, der in Aschersleben aufgewachsen ist, hat dort anlässlich der Landesgartenschau 2010 eine Ausstellung mit Werken seiner Meisterschüler im Riegelbau kuratiert. Hier war er von Ausstellungsmöglichkeiten in der klaren hellen Architektur des Büros Lederer+Ragnarsdóttir+Oei so begeistert, dass gemeinsam mit den Verantwortlich der Stadt die Idee entstand, den Namen Neo Rauch eng mit Aschersleben zu verknüpfen. Nach Beendigung der Landesgartenschau, die noch bis zum 10. Oktober läuft, will man dadurch einen Anreiz schaffen, weiterhin Besucher und Touristen von Harz und Vorharzlandschaft nach Aschersleben zu bringen.
02.09.2010
Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching
Jürgen Palmtag, Die gefräßigen Geister, 2009
Mit Jürgen Palmtag eröffnet Andreas Sturies seine neuen Galerieräume
„Ich arbeite sowohl als bildender Künstler, als auch als Musiker/Komponist. Meine Vorgehensweise hat konzeptionelle Ansätze, impliziert aber immer den Faktor ‚Störung’ ---- darunter verstehe ich z.B. Abschweifungen, Zufall und Verunreinigung. Meine Wahrnehmungen im täglichen Leben, sowohl die direkten, als auch die durch vielerlei Medien gefilterten, sind der Stoff, mit dem ich arbeite. Dabei richtet sich mein Interesse insbesondere auf unsere sprachlichen Gewohnheiten und auf die Erwartungen, die wir an Institutionen aller Art haben. Vor allem der unterschiedliche Blickwinkel verschiedener Szenen und Milieus fasziniert mich.“ So beschreibt Jürgen Palmtag seine Arbeit. Die Titel seiner Zeichnungen lauten daher „Wer hätte auch vermutet, elektrisches Licht und fließend warmes Wasser vorzufinden?“ für ein Landschaftsbild oder „Die Erfahrenen wussten, dass nach einer Auszeit immer wieder das Licht anging“ für eine nächtliche Szene mit Wohnwagen.
Anekdoten aus dem Alltag treffen bei ihm auf ein semiotisches Spiel. So verknüpft der 1951 geborene Künstler stets Text, Bild und Klang – immer etwas verschroben und neben der Spur. Das unterschiedliche Material sammelt Palmtag unhierarchisch, zitiert frei von der Leber weg, stellt es spielerisch in neue Zusammenhänge und hinterfragt damit kritisch wie auch humorvoll unser Leben. Das ist genau das Richtige für den Auktionator Andreas Sturies, der mit einem Querschnitt durch das Œuvre von Jürgen Palmtag seine neuen Räume am Düsseldorfer Hofgarten eröffnet. Von morgen an stellt er rund 40 Arbeiten jüngerer und älterer Produktion vor; zu sehen sind Malereien, Zeichnungen, Skulpturen, Druckgrafik aber auch T-Shirts oder Plexiglasaufsteller und zu hören das kompositorische Schaffen Palmtags.
In seiner Einladung zur Ausstellung führt Andreas Sturies den Künstler ebenfalls süffisant und hintergründig ein: „Als regelmäßige Bezieher unserer Auktionskataloge wissen Sie, dass sich dort zwischen den großen Namen immer wieder die Arbeiten weniger bekannter Künstler verstecken, denen die Freuden weitreichender Prominenz bislang verschlossen geblieben sind. Die Klage über eine Ignoranz des Publikums ist immer wieder von Künstlern zu hören, die trotz qualitätvoller Arbeit keinen engagierten Vermarkter zu finden in der Lage sind. Nicht immer ist dies jedoch eine unglückliche Fügung; mitunter liegt es auch den Werken selbst, die sich für das Gedärm des globalen Kunstmarktes und seine medialen Fermente und Enzyme als unverdaulich erweisen. Sobald dies erkennbar der Fall ist, wird es allerdings auch besonders interessant, denn mit der Gelegenheit, das einzelne Werk vor dem Hintergrund des aktuellen Kunstmarktes und seiner Mechanismen zu betrachten, eröffnet sich ein geweiteter und befreiter, die Geheimnisse der Insider- und Kuratorenkunst überschreitender Blick.“
Bei der Eröffnung der Ausstellung „Jürgen Palmtag – Bower Flanxen“ am 3. September um 19:30 Uhr wird der Künstler das geneigte Publikum mit einigen Geräuschen unterhalten. Die Schau läuft dann vom 4. September bis zum 2. Oktober und ist nach Vereinbarung zu sehen.
Dr. Andreas Sturies – Moderne Kunst & Auktionen
Goltsteinstraße 23
D-40211 Düsseldorf