Einer Rehabilitation bedarf die Baukunst des 19ten Jahrhunderts inzwischen nicht mehr – aber immer noch einer Erforschung. Breiteste Felder sind weiterhin unbeackert, und es ist symptomatisch für die Fortschreibung historischer (Vor-)Urteile, dass gerade die Sakralbaukunst zwischen 1780 und 1910 und vor allem der ersten Jahrhunderthälfte ...mehr
Erstmals befasst sich ein Buch mit dem Wirken von Galeristinnen im Kunstbetrieb. „Frauen, die handeln“ ist kein Gender-Report, sondern eine Porträtsammlung der weiblichen Pioniere der Nachkriegszeit, der Macherinnen der Gegenwart und einer Handvoll Aufsteigerinnen
Es gehört unternehmerische Kühnheit und auch so etwas wie eine missionarische Energie im Dienste der Kunst dazu, wenn man 1962 eine Galerie in Paris eröffnet und als erste Ausstellung die Flaggenbilder von Jasper Johns zeigt. Nicht dass die Franzosen keinen Sinn für Kunst hätten, sie besitzen nur auch einen starren Kulturkonservativismus. Ileana Sonnabend aber, einst Gattin des legendären Galeristen Leo Castelli und kurz nach der Emigration in die USA dann mit dem Literaturspezialisten Michael Sonnabend verheiratet, war nach ihrer Rückkehr in die französische Hauptstadt fest entschlossen, sowohl Frankreich als auch Europa die im Aufbruch befindliche, junge amerikanische Kunst näher zu bringen. Auf Jones folgten Robert Rauschenberg, Andy Warhol und Claes Oldenburg. Das hat ihr den Kosenamen „Mom of Pop“ einbracht, gefeiert war sie deshalb zu dieser Zeit noch lange nicht. Und nicht etwa um zu expandieren, sondern wegen der eigentlich unprofitablen Pariser Geschäfte, eröffnete man 1970 im quirligeren New York eine weitere Dependance, um amerikanische Sammler mit den Europäern vertraut zu machen. In den 1980er Jahren präsentierte sie in New York bereits Bernd und Hilla Becher, Jörg Immendorff und Georg Baselitz. ...mehr
Neue Literatur zum Thema Porzellan und Keramik in der Arnoldschen Verlagsanstalt Stuttgart
Gegenüber früheren Jahrzehnten führt das Porzellan heute in bürgerlichen Haushalten eher ein Schattendasein. Als Gebrauchsware ist es akzeptiert, aber teuer darf es nicht sein. Auch im Sammlerbereich ist es eher ein Nischenprodukt. Dennoch muss man für exzeptionelle Stücke schon mal tief in die Tasche greifen. Wo früher noch Schnäppchen im Kunsthandel und auf Flohmärkten zu machen waren, stehen heute vier-, fünf- oder gar sechsstellige Preise auf dem Etikett. Die breite Mittelware aber bleibt allerdings oft liegen. Die Forschung über dieses weite und reiche Feld europäischer Kunstgeschichte des 18ten bis 20ten Jahrhunderts schreitet indes unablässig voran und weckt das Interesse, sich mit bisher Unbekanntem zu beschäftigen. Nachdem Meißen und seine Meister schon mit zahlreichen wissenschaftlichen Erörterungen und öffentlichkeitswirksamen Ausstellungen bedacht wurden, geraten in jüngerer Zeit verstärkt auch die anderen Manufakturen ins Blickfeld. Um die Verbreitung wissenschaftlicher Forschungsliteratur zum Thema Porzellan und Keramik hat sich in der jüngsten Vergangenheit die Arnoldsche Verlagsanstalt sehr verdient gemacht. In eigenen Katalogen vorgestellt wurden etwa die Sammlung Homann, die sich auf Biedermeiertassen mit Widmungen spezialisiert hat, oder die reichen Porzellanbestände der Großherzoglich-Hessischen Porzellansammlung in Darmstadt. Im vergangenen Jahr nun kam ein Band über die Privatsammlung Jansen mit Ludwigsburger Porzellan hinzu. Und damit nicht genug: Auch zur Keramik des 20sten Jahrhunderts erschien in dem Stuttgarter Verlag ein neues Buch von monumentalen Ausmaßen. ...mehr
Ein luxuriöser Band stellt neue Forschungsergebnisse zum Wohndesign Ludwig Mies van der Rohes vor
Ludwig Mies van der Rohe gilt immer noch als Publikumsrenner. Wie anders ist es zu erklären, dass die seinem Werkschaffen gewidmete Zahl von Publikationen längst unübersehbar geworden ist und ständig noch wächst. Das hängt auch damit zusammen, dass noch längst nicht alles erforscht zu sein scheint, obgleich große Teile seines Nachlasses im New Yorker Museum of Modern Art sowie in der Kongressbibliothek zu Washington DC verwahrt werden. Sämtliche Unterlagen, die seine eher am Traditionellen orientierte Schaffensphase zwischen 1908 und 1926 betreffen, ließ Mies 1926 vernichten. Klassizistisch-eklektisch ausgerichtete Salonmöbelentwürfe etwa, die sich nach Auftraggebergeschmack an denen seiner Lehrer Peter Behrens oder Bruno Paul orientieren, sollten bewusst verdrängt werden, das weltweit ausstrahlende Bild des 1884 in Aachen geborenen Meisterarchitekten als Erfinder innovativster Entwürfe seinen legendären Ruf nicht beschädigen. ...mehr
Sie zählen zu den Stiefkindern der Forschung – Möbel des Spätbiedermeier und des Historismus. Die Stiftung der preußischen Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg hat sich ihrer angenommen und einen Bestandskatalog der Möbel dieser Periode in Berliner und Potsdamer Schlössern beim Akademie Verlag publiziert
Im Gegensatz zum Kunstmarkt, der historistische Möbel im Stil à la Boulle oder Ludwig XV. inzwischen mit Preisen dotiert, die fast denen der Originalmöbel entsprechen, hat die Möbelforschung um die zweite Hälfte des 19ten Jahrhunderts in den letzten Jahrzehnten einen großen Bogen gemacht. Zwischen Biedermeier und Jugendstil klafft eine Lücke, die wohl nicht zuletzt mit der Ambivalenz der sogenannten Neo-Stile zu tun hat. Auch der Möbelhistoriker Jörg Meiner, der den ausführlich bearbeiteten und reich bebilderten Bestandskatalog zum Mobiliar aus der Regierungszeit der preußischen Könige Friedrich Wilhelm IV. (1840-1861) und Wilhelm I. (1861-1888) erstellt hat, schlüpft nicht in die Rolle eines Geschmacksverfechters des Historismus. Mit nüchterner wissenschaftlicher Distanz sieht Jörg Meiner die neobarocken, neogotischen und Neorokoko-Innendekorationen dieser Periode als ein „Zusammenspiel von Ästhetik und politischer Implikation“, interpretiert er die Möblierung als eine „Visualisierung von Historie“. ...mehr