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Analyse

Toppreise auf deutschen Auktionen im ersten Halbjahr 2002

Mit Nolde wieder ins angestammte Terrain



<b>1</b> Emil Nolde, Hülltoft Hof, 1932

1 Emil Nolde, Hülltoft Hof, 1932

Der deutsche Auktionsmarkt ist im Frühjahr 2002 wieder in sein klassisches Terrain zurückgekehrt. Denn der Expressionismus hat die Liste mit den 20 teuersten Kunstwerken auf Auktionen in Deutschland wieder voll im Griff. Sah es in der Herbstsaison 2000 noch so aus, als würde sich das deutsche Auktionswesen mit Gemälden von Leger und Matisse auf internationales Parkett begeben, führte im ersten Halbjahr 2001 der holländische Altmeister Gerrit Dou gefolgt von zwei Spitzweggemälden das Ranking an und belegte eine Zeichnung von Caspar David Friedrich in der Herbstsaison 2001 den ersten Platz, so heißt der Star in diesem Frühjahr Emil Nolde.



Seine bedrohliche Gewitterlandschaft „Hülltoft Hof“ von 1932, die ehemals in der Hamburger Kunsthalle hing und dort den Nazis zum Opfer fiel, weil sie sie als entartete Kunst einstuften, kam bei Grisebach im Juni auf 1,65 Millionen Euro und damit auf den ersten Platz. Daneben schafften es zwei weitere Nolde unter die ersten Zwanzig: Die blau-weiße Meeresstimmung „Lichte See“ von 1915 kam beim Kölner Auktionshaus Lempertz mit 360.000 Euro auf Platz 6 und sein leuchtendes Aquarell „Roter Mohn mit Goldregen in blauer Vase“ – ebenfalls bei Lempertz – mit 170.000 Euro auf Platz 19.

Auch über die ersten zwanzig Plätze hinaus taucht Noldes Name noch zehnmal unter den Kunstwerken auf, die mehr als 50.000 Euro einspielten. Das gute Abschneiden des norddeutschen Expressionisten entspricht der weltweiten Wertschätzung für dessen Kunst. Wurde doch im Juni bei Christie’s in London der neue Auktionsrekord für ein Nolde-Werk aufgestellt. Sein gefälliger „Blumengarten“ wanderte für 1,95 Millionen Pfund in die Hände eines europäischen Sammlers. Eine dunkle Wolke trübt dieses glänzende Abschneiden: Ein zweites, mit 1,3 bis 1,8 Millionen Euro hochtaxiertes Blumenbild von Nolde ging bei Grisebach zurück.

Auch sonst füllen Brücke- und Blaue Reiter-Künstler die Zwanziger-Liste auf: Karl Schmidt-Rottluff, Hermann Max Pechstein, Gabriele Münter, Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner und Alexej von Jawlensky. Allein Lempertz und das Münchner Auktionshaus Neumeister steuerten mit Altmeistern und Kunst des 19. Jahrhunderts vier Gemälde zu den insgesamt 23 Bilder der Liste bei. Lempertz schickte aus seiner Auktion „Alte Kunst“ den Kölner Meister der Johannes-Vision in das Ranking. Seine beiden gotischen Altartafeln mit Szenen aus der Kreuzlegende erreichten 220.000 Euro und damit Rang 15. Bei Neumeister waren es Marten van Valkenborch und seiner „Heuernte vor Schloss Heverlee bei Löwen“ und Leo von Klenze und Carl Spitzweg aus Neumeisters Spezialgebiet, dem 19. Jahrhundert: Valkenborch Landschaftsgemälde kam mit 240.000 Euro auf Platz 13, Spitzwegs „Der abgefangene Liebesbrief“, von dem eine zweite Version im Museum Georg Schäfer in Schweinfurt hängt, liegt mit einem Zuschlag von 440.000 Euro nahe bei der Taxe von 450.000 Euro und belegt damit Platz 5. Klenzes „Blick auf das Forum Romanum“ von 1840 verfünffachte etwa die Erwartungen von 110.000 Euro, spielte 530.000 Euro ein - ein neuer Auktionsrekord für den vielmehr als Baumeister des Klassizismus in München unter Ludwig I. bekannten Klenze - und wurde Dritter.

Ein weiterer Rekordpreis wurde mit dem Gemälde „Himmelfahrt“ von Wilhelm Morgner erzielt. Der westfälische Maler, der sich 1912 dem Blauen Reiter anschloss und 1917 mit 26 Jahren früh verstarb, formte aus der biblischen Erzählung eine mystisch-religiöse Farbenexplosion. Sie war bereits 1998 bei Grisebach für 320.000 Mark versteigert worden. Nun wurde ebenfalls bei Grisebach der damalige Rekord mit dem neuen Spitzenpreis von 360.000 Euro überboten. So liegt Morgners „Himmelfahrt“ mit dem Nolde-Gemälde bei Lempertz zusammen auf Platz 6.

Überhaupt konnte Grisebach seine Position als führender deutscher Versteigerer für klassische Moderne behaupten. Von den 23 Kunstwerken des Rankings stellte das Berliner Haus elf. Neben Neumeister mit den drei und Lempertz mit fünf Gemälden konnten nur noch Ketterer aus seiner Münchner Auktion vom Mai mit Jawlenskys „Heilandsgesicht“ bei 320.000 Euro, Schloß Ahlden ebenfalls mit dem abstrakten Kopf „In Vergessenheit“ von Jawlensky bei 200.000 Euro, Hauswedell & Nolte mit dem Holzschnitt „Junges Mädchen“ von Ernst Ludwig Kirchner bei 177.000 Euro und Karl & Faber mit dem „Bildnis einer jungen Dame mit großem Hut“ bei 164.000 Euro je ein Objekt besteuern.

Diese Konzentration auf Grisebach sah in den beiden zurückliegenden Halbjahren noch anders aus, da sich dort vermehrt Kunstwerke aus dem Segment „Alte Meister“ und „Kunst des 19. Jahrhunderts“ fanden, die nicht zu den Spezialitäten der Berliner gehören. So waren unter den Auktionshäusern auch Bolland & Marotz, Van Ham und Nagel zu finden, die in diesem Jahr nicht auftauchen. Gerade in der zweiten Jahreshälfte 2002 konnte Lempertz aus Köln 14 von 26 Arbeiten aus dem Ranking für sich beanspruchen. Grund für das klare Abschneiden von Grisebach dürfte darin liegen, dass es mit den „Ausgewählten Werke“ vom 7. Juni seine 100. Versteigerung feierte und deswegen einige Spitzenwerke für diese Auktion zurückgehalten hat.

Bei Grisebach plazierten sich dann noch Karl Schmidt-Rottluff Ölbild „Gewitter zieht auf“ mit 720.000 Euro auf Rang 2, Hermann Max Pechsteins „Rettungsboot“ auf Rang 4 und dessen „Löwenbändigerin“ mit 280.000 Euro auf Rang 10, Gabriele Münters volkstümliches „Stilleben im Kreis“ mit 330.000 Euro auf Rang 7. Als einziger Nicht-Deutscher aus der klassischen Moderne schaffte beim Berliner Auktionator Pablo Picasso mit einem ungewöhnlichen Objekt die Aufnahme in die Hitliste: Dem Druckstock zu der Lithografie „La Femme à la Résille“, der sich im Besitz von Picassos Freund und Drucker Fernand Mourlot befand, zollten die Kunstfreunde mit 310.000 Euro ihren Tribut und hievten ihn somit auf Platz 9.

Außer Konkurrenz für das Ranking wurde mit einem hohen Zuschlag von 400.000 Euro bei Nagel ein Namban-Lackkabinett in der Asiatica-Auktion bedacht. Das in Japan im 16. oder 17. Jahrhundert für den Export nach Portugal gefertigte Möbelstück erzielte damit das höchste Einzelergebnis, das bisher in Deutschland für asiatische Kunst gewährt wurde. Auch sonst konnte sich das Stuttgarter Auktionsunternehmen über die Asiatica-Auktion nicht beklagen. Mit einem Bruttoerlös von über 3 Millionen Euro war es die umsatzstärkste Auktion in diesem Segment nicht nur bei Nagel sondern - nach Angaben des Hauses - auch in ganz Deutschland. Wertmäßig spielte die Auktion 120 Prozent der Schätzpreissumme ein.

Das dürfte Nagel gefreut haben. Denn wie bei den meisten anderen deutschen Versteigern ging in vielen Segmenten der Verkauf zurück. Losbezogen war die Zuschlagsquote oft zwischen 5 und 10 Prozent niedriger als im Vergleichzeitraum des Vorjahres. Etliche Auktionatoren beklagten ein fast vollständiges Fehlen der Kunsthändler in ihren Räumen. Diese haben wegen der schwachen Konjunktur die Lager noch voll und brauchen keine neue Ware. Deswegen wurde zwar in diesem Frühjahr die Kunst auf den Auktionen nicht günstiger, aber man bekam ein Stück leichter, da es weniger Mitstreiter gab. Das war auch Anlass für einige Versteigerer, die Gebühren zu erhöhen, um so die Umsatzausfälle zu decken: Bei Nagel beispielsweise muss der Käufer nun schon ein Aufgeld von 33 Prozent auf die Zuschlagssumme zahlen.

Auffällig an der Hitliste ist das fast vollständige Fehlen von zeitgenössischer Kunst und der Skulptur. Beide Bereiche nehmen in Deutschland nicht den gleichen Stellenwert ein, wie in den Kunstmarktzentren von London oder New York. Mit Willi Baumeister und Emil Schumacher haben nur zwei in Deutschland handelbare Nachkriegskünstler den Sprung in das Ranking geschafft: Baumeisters „Metaphysische Landschaft“ wurde bei 270.000 Euro Elfte und Schumachers monochrom blaue Leinwand „Tecnis“ belegte mit 180.000 Euro Rang 17. Im oberen Segment des Marktes ab 50.000 Euro finden sich bei den Zeitgenossen dann nur noch Ernst Wilhelm Nay, Marcel Broodthaers, Thomas Ruff und Andy Warhol. Symptomatisch für die schlechte Stellung dieses Segments in Deutschland war auch die Absage der Auktion „Kunst der Gegenwart“ bei Grisebach. Sie soll wieder im Herbst stattfinden.

Auch die Skulptur spielt in Deutschland nicht diese Rolle wie im internationalen Auktionsgeschehen. So wurde bei Christie’s in New York im Mai mit dem Bronzekopf „Danaïde“ von Constantin Brancusi ein neuer Weltrekord für eine Skulptur aufgestellt. 16,5 Millionen Dollar war einem Privatmann das Porträt von Brancusis Muse, Margit Pogány, wert. Skulptur und Zeitgenössische Kunst spielt sich in Deutschland weitestgehend im mittleren und unteren Preissegment bis 50.000 Euro ab, die stückmäßig mit über 99 Prozent der angebotenen Lose den größten Marktanteil ausmachen. Bei einem Durchschnittspreis von rund 6.000 US-Dollar, die laut der TEFAF-Studie „Der europäische Kunstmarkt im Jahr 2002“ die Kunstwerke auf deutschen Auktionen erzielen, dürfte auf dem Kunstmarkt also für jedermann etwas zu finden sein.



30.08.2002

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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