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Interview mit Helge Achenbach von Yilmaz Dziewior – Teil 1

Überzeugungsarbeit



Dziewior: Bei meiner Recherche zu unserem Gespräch stellte ich fest, daß es bereits um die fünf oder sechs Interviews und über zehn längere Artikel gibt, die sich mit Ihrer Person beschäftigen. Den meisten Autoren scheint das Klischee vom Selfmademan zu gefallen, der mit einem äußerst geringen Startkapital von 20.000 DM und einem alten Citroën angefangen hat und heute einen Jahresumsatz von 20 Millionen aufweisen kann.


Achenbach: Ich habe wirklich meine eigene finanzielle Basis verdienen müssen. Damit habe ich kurz nach dem Abitur begonnen und während des Studiums, indem ich immer Aushilfsjobs machte.

Dziewior: Hatten Sie als Sproß einer mit Kohle- und Baustoffen handelnden Unternehmerfamilie nicht bereits zu Beginn Ihrer Karriere einen finanziellen Rückhalt?

Achenbach: Nein. Denn Sie müssen wissen, daß zwar die Familie meines Vaters früher eine Firma besaß, die Baustoffe und Kohle verkaufte, mein Vater selbst aber Beamter ist. Als ich eine Galerie gründen wollte, hatten meine Verwandten kein Verständnis dafür. Es war mein Vater, der mir die 20.000 DM lieh. Parallel zum Studium habe ich 1973/74 eine Galerie betrieben. Das lief natürlich nicht. Schmela, Konrad Fischer, Hans Mayer waren damals viel zu dominant in Düsseldorf, die konnten einem so jungen Anfänger wie mir schnell das Wasser abgraben.

Dziewior: Welche Künstler haben Sie ausgestellt?

Achenbach: Ich habe sehr traditionell angefangen. Die erste Ausstellung war mit Piene, Uecker und Mack.

Dziewior: Die waren in den 70ern aber doch schon relativ etabliert.

Achenbach: Ja, aber ich stellte Arbeiten auf Papier von ihnen aus. Dann habe ich junge Künstler ausgestellt, aus denen im Prinzip aber nichts geworden ist. Das ging so ein Jahr lang. Dann bekam ich einen Anruf von einem Mann, der hieß Peter Schoening und suchte einen Geschäftsführer für seine zu gründende Galerie in Düsseldorf. Das war die Junior Galerie, ein Unternehmen, das zu Hösch-Gruppe gehörte. Die betrieb flächendeckend in Deutschland Galerieaktivitäten. Da mein Konto immer im Minus war, dachte ich mir, das könnte man riskieren. Das habe ich dann zwei Jahre lang gemacht, aber es behagte mir überhaupt nicht. Mein Interesse war, mit Künstlern zusammenzukommen. Es langweilte mich jedoch fürchterlich, in einem Raum zu sitzen und darauf zu warten, daß Leute kommen, sich die Sachen anschauen und im Zweifelsfall etwas kaufen. Es war so passiv. Ich hatte das Gefühl, da muß mehr passieren. Dann wollte es der Zufall, daß ein Architekt vorbeikam und erzählte, daß er gerade ein großes Haus für die Firma Klöckner baute und diese eigentlich gerne einmal mit uns reden würde, ob wir ein paar Bilder für deren Besprechungsräume und Flure hätten. Damals machten wir dann das erste Projekt mit dieser Galerie zusammen. Danach habe ich mich mit einem Partner selbständig gemacht. Ich merkte: Wenn ich das systematisiere und eine spannende Struktur entwickele, bin ich gar nicht mehr in dieser Konkurrenzsituation mit den Galerien, also mit den eben genannten Fischer, Schmela uns so weiter. So fing alles an.

Dziewior: Neben Mitarbeitern, die direkt für Sie arbeiten, verfügen sie auch über Dependancen, die zwar unter Achenbach firmieren, im Grunde aber eigenständig handeln und von denen Sie Prämien erhalten. Wie ist Ihr Unternehmen im einzelnen strukturiert? Wie hoch sind die Prämien, die Sie von den eigenständigen Achenbach-Niederlassungen erhalten?

Achenbach: Es gibt bei uns drei bis vier Schwerpunkte. Der traditionelle ist der Beratungsbereich mit Zentrale in Düsseldorf, einem Büro in München, Heidelberg, Frankfurt, Bonn, Hamburg, Berlin und Leipzig. Die Büros sind deshalb in den Regionen, weil wir festgestellt haben, daß es unheimlich schwer ist, von Düsseldorf aus in den eben aufgezählten Städten den Dienstleistungsservice zu liefern, den die Projekte erfordern. Man braucht auch einfach eine regionale oder lokale Präsenz. In dieser Form haben wir immer eine hauptverantwortliche Person, die entweder bei uns angestellt ist oder über eine Partnerstatus mit uns zusammenarbeitet. Die Angestellten bekommen ein reguläres Gehalt und haben eine erfolgsorientierte Beteiligung; die Partner partizipieren im hohen Maß an den Projekten.

Dziewior: Dafür tragen diese Partner dann selbst das Risiko?

Achenbach: Risiko nur zu einem gewissen Teil, da wir für die meisten Büros eine Art Schutzbetrag zur Verfügung stellen, der pro Jahr bei 70.000 DM liegt und die Grundkosten deckt.

Dziewior: Die 70.000 DM sind aber unabhängig vom Startkapital der Partner, oder?

Achenbach: Wir geben zur Existenzgründung auch schon mal einem Computer oder Büromöbel oder ein Telefax dazu. Mit den 6.000 DM pro Monat ist dann zumindest die Basis abgedeckt. Die Prämien werden im Sinne des Partners sehr wohlwollend bemessen. Über die genauen Relationen möchte ich nicht gerne sprechen, das ist mit unseren Partnern im Stillen geregelt. Es hängt natürlich auch immer davon ab, wie erfolgreich die Partner sind. Auf jeden Fall ist es so, daß der Erfolg den Partner stark macht. Und so soll es ja auch sein. Denn es gibt das Problem, das auch viele Galerien haben, daß nämlich ein Galerist einen jungen Menschen einstellt, ihn anlernt, und dann macht der sich selbständig. Das finde ich oft sehr schade, da so immer neu eingeführt werden muß und der einmal gemachte Erfahrungsaustausch und das Entwicklungspotential für die Galerien verloren gehen. Derjenige, der weggeht, kommt unter Umständen in völlig neue Zusammenhänge, in denen er das vorher Gelernte gar nicht anwenden kann. Ich wollte, daß das bei unseren Partnern nicht so läuft. Ich sorge deshalb unter anderem zum Beispiel dafür, daß sie zum 60. Lebensjahr eine guten Pension erhalten. Neben der Altersversorgung haben wir eine sehr hohe Gewinnbeteiligung für die Partner. Mir ist es lieber, mit ihnen auf einer großen, breiten Fläche gemeinsam aktiv und erfolgreich zu sein. Das hat vielleicht auch etwas mit meiner Herkunft als alter Linker zu tun. Daß wir als Zentrale natürlich trotzdem davon profitieren, da wir die Vordenker waren, ist klar. Alles in allem ist es ein gesundes gemeinschaftliches System.

Dziewior: Es fällt auf, daß hauptsächlich Frauen für Sie arbeiten. Woran liegt das? Bewerben sich keine Männer? Oder beschäftigen Sie bewußt Frauen, weil Sie glauben, daß sie es in den Vorstandsetagen der von Ihnen betreuten Unternehmen leichter haben?

Achenbach: Es bewerben sich sehr selten Männer. Außerdem arbeite ich sehr gerne mit Frauen zusammen, aber das ist eher eine subjektive Angelegenheit. Ich denke außerdem, daß der männliche Kunsthistoriker eher Museumsmann oder Kritiker werden möchte.

Dziewior: Ich glaube nicht, daß der Berufswunsch bei Kunsthistorikerinnen durch die Geschlechtszugehörigkeit beeinflußt wird. Es gibt ebenso Frauen, die ins Museum, und Männer, die in den Kunsthandel wollen.

Achenbach: Möglicherweise. Wir haben auf jeden Fall festgestellt, daß die Bereitschaft zur Beratung, wie sie bei uns gefordert wird, bei den Frauen stärker ausgeprägt ist.

Interview aus „Texte zur Kunst“ abgedruckt in:
Helge Achenbach, Vom Saulus zum Paulus - Kunst- und Architekturbetrachtung. Lindinger+Schmid, Regensburg, 1995 (Statement – Reihe; S. 16ff).



20.09.2000

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