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Interview mit Helge Achenbach von Yilmaz Dziewior – Teil 3

Überzeugungsarbeit



Dziewior: Sie haben einmal gesagt, daß Sie Max Hetzler für einen der überragenden Galeristen Ihrer Generation halten. Was schätzen Sie so sehr an Hetzlers Arbeit?


Achenbach: Früher hätte ich gesagt, den Michael-Werner-Effekt, also die Fähigkeit, seine Künstler durchzusetzen. Auch wenn sich beide schon mal von Künstlern getrennt haben, haben doch beide ihre Künstler durchgesetzt. Max Hetzler schaut über den Tellerrand und ist besessen. Wie er in Berlin agiert, das finde ich schon prima. Er zeigt jetzt Hans Kollhoff und in seinem anderen Raum Skulpturen von Twombly. Er ist immer auf der Höhe seiner Zeit. Dies ist mit ein Grund, warum wir in Berlin zusammen mit Max Hetzler eine eigene Gesellschaft gründen, die unter dem Namen "Kunst und Architektur Berlin GmbH" betrieben wird.

Dziewior: Ich finde es bezeichnend, daß Sie ganz adäquat zu den Künstlern, deren Arbeiten Sie verkaufen, auch in der Wahl Ihres bevorzugten Galeristen kein großes Wagnis eingehen, sondern sich auf bereits Etabliertes verlassen. Warum Hetzler und nicht die jungen Galeristen wie Otto Schweins, Lukas & Hoffmann oder die etwas renommierteren wie Tanja Grunert oder Philomene Magers?

Achenbach: Tanja Grunert hat für mich und mit mir in den 80er Jahren und Anfang der 90er ganz avantgardistische junge Kunst gekauft und hat das mit unglaublich viel Enthusiasmus getan. Als wir die Magic Media Show planten, habe ich deshalb als erstes Tanja gefragt. Es gab eine Anfrage von der Tochter von RTL, die eine Ausstellung in deren Produktionsräumen machen wollte. Ich riet ihnen dazu, die Ausstellung zum Zeitpunkt der Art Cologne zu machen. Das Ergebnis war die vieldiskutierte Ausstellung in den Studios, die von Tanja, ihrem Kollegen und Christian Nagel organisiert wurde. Auch wenn es mal wieder Streit zwischen den Galeristen gab, weil sich einige übergangen fühlten, war die Ausstellung insgesamt ein großer Erfolg. Um noch mal auf Ihre Frage zurückzukommen, warum Max Hetzler und nicht die von Ihnen genannten jüngeren Galeristen, so haben Sie vielleicht hier eine weitere Schwäche von Achenbach gefunden. Wir kennen uns teilweise in der ganz jungen Kunstszene noch nicht so aus, aber das wird sich ändern. Hinzu kommt, daß uns das Künstlerprogramm von Hetzler eben sehr interessiert.

Dziewior: Ich kann mir vorstellen, daß Ihr Verhältnis zu anderen Galerien recht zwiespältig ist. Einerseits sind Sie als Kunde, der zuweilen gleich eine gesamte Ausstellung aufkauft, gerne gesehen. Andererseits kommt es doch sicherlich auch vor, daß man in Ihnen einen Nutznießer sieht, der von der Arbeit der Galeristen profitiert.

Achenbach: Das ist ganz einfach; mit denjenigen, mit denen wir Geschäfte machen, haben wir ein normales, gutes Verhältnis, und mit denjenigen, mit denen wir keine Geschäfte machen, haben wir aus deren Sicht kein so gutes Verhältnis. Das ist eine ganz durchsichtige Angelegenheit. Ich glaube aber, daß es neben der Galerie, die die Sammler und Museen bedient, auch eine Alternative geben muß, die die Unternehmen berät. Die Unberührbarkeit der Galerien, jene Form des Snobismus, die dort lange Zeit zu finden war, finde ich unerträglich. Wir haben über meine Schwächen geredet, ich glaube meine Stärke ist, daß ich mit einem Vorstandsvorsitzenden ebenso reden kann wie mit einem Künstler. Ich kann beide zusammenbringen und leiste hier auch Überzeugungsarbeit.

Dziewior: Seit einiger Zeit begnügen Sie sich nicht mehr damit, bereits vorhandene Gebäude von Firmen mit Kunst auszustatten. Sie sind dazu übergegangen, gleich die Architektur mitzuvermitteln, indem Sie als Berater für Firmen die jeweiligen Architekten aussuchen und die Projekte betreuen.

Achenbach: Das ist richtig. Die Gründe hierfür liegen schon weiter zurück. In den frühen 70er Jahren gab es Künstler, die an die Unternehmen herantraten und die reine Kunst-am-Bau-Künstler waren. Auf der gleichen Ebene gibt es Architekten, die kommerziell erfolgreich sind und die großen Projekte absahnen. Viele der wirklich guten Architekten sind zu sensibel und introvertiert. Deshalb findet man sie heute zwar gelegentlich bei Museumsbauten oder kleineren privaten Häusern, aber nicht in der Welt der Kommerzialität. Denen helfen wir. Zu ihnen gehören zum Beispiel Steven Holl, Hans Kollhoff und Herzog & de Meuron.

Dziewior: Diese Architekten sind aber doch ohnehin bereits sehr erfolgreich. So hatten Herzog & de Meuron erst dieses Jahr eine Ausstellung im Pariser Centre Pompidou. Brauchen die wirklich noch jemanden, der sie vermittelt?

Achenbach: Sie haben jetzt durch unsere Arbeit die Chance, größere Projekte zu machen. Es gibt eine Reihe von Architekten, die unsere Hilfe gut gebrauchen können. Man muß das realistisch sehen. Eine Ausstellung nützt den Architekten in der Welt der Banken, Versicherungen und Immobilienfonds nichts. Ein Bankvorstand sucht einen Architekten nicht aus, weil der im Centre Pompidou ausgestellt hat, das schreckt ihn eher ab. Die wollen eine technokratisch funktionierende, ökonomische Lösung. Die Situation in der Architektur ist auf jeden Fall so, daß ich glaube, daß wir da noch helfen können. Diese Projekte bieten uns die Möglichkeit, uns für eine bessere Architektur einzusetzen. Und so entstehen auch bessere Räume für die Kunst.

Interview aus „Texte zur Kunst“ abgedruckt in:
Helge Achenbach, Vom Saulus zum Paulus - Kunst- und Architekturbetrachtung. Lindinger+Schmid, Regensburg, 1995 (Statement – Reihe; S. 16ff).



20.09.2000

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