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Detmar Westhoff über Kultursponsoring

Man muss auch verzichten können



Detmar Westhoff ist seit 2001 für die Wirtschaftskontakte an der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen mit ihren Häusern K20 und K21 verantwortlich. In dieser Zeit konnte er Fiat, Peugeot, Renault, Montblanc, Bethmann Bank, Verlagsgruppe Handelsblatt, KPMG und Henkel als Sponsoren für beide Häuser gewinnen. Zukünftig wird er nicht nur Museen, sondern auch die Politik in der Frage beraten, wie die Weichen zu stellen sind, um die private Kulturförderung an den Museen zu stärken. Kunstmarkt.com sprach mit ihm über seine Erfahrungen und die Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Museen und Wirtschaftsunternehmen.



Kunstmarkt.com: Herr Westhoff, Sponsoring gilt als Wunderwaffe im Kampf gegen die immer größere Finanznot der Museen. Die Museen wollen Geld, aber was wollen die Sponsoren?

Detmar Westhoff: Sponsoring ist keine Wunderwaffe. Denn oft gibt es bei den Museen nicht genug Geld für die Munition und was noch schlimmer ist, es gibt niemanden im Museum, der die Waffe zu bedienen weiß. Unter der Munition verstehe ich einen Ausstellungsetat, der ausreicht, um spektakuläre Ausstellungen zu finanzieren. Für die Bedienung der Waffe sind qualifizierte Mitarbeiter in der Öffentlichkeitsarbeit notwendig. Denn Sponsoren bevorzugen den publikumswirksamen Auftritt. Sie wollen eine Botschaft über ihr Unternehmen vermitteln. Die wenigsten Museen verfügen jedoch über diese Resourcen.

Kunstmarkt.com: Sponsoring ist in Deutschland kein ganz neues Phänomen mehr. Wie professionell wird auf beiden Seiten gearbeitet?

Detmar Westhoff: Auf beiden Seiten relativ unprofessionell, wenn man sich die Gesamtsituation in Deutschland ansieht. Kultursponsoring wird von nur sehr wenigen Unternehmen mit System als Instrument eingesetzt. Solche Unternehmen sind beispielsweise das Pharmaunternehmen Altana, die Deutsche Bank, der Schraubenhersteller Würth oder auch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG in Düsseldorf. Auf der anderen Seite sind die Opern wohl am weitesten. Bei vielen Häusern ist das als Abteilung fest verankert und wird in die Planungsabläufe einbezogen. Es gibt da auch Membership-Programme, die sehr professionell betrieben werden und helfen, die Menschen in den Unternehmen an die Institution zu binden.

Museen sind da meistens noch etwas hinterher. Doch die Situation scheint sich auch hier zu verändern. Erst kürzlich hörte ich aus Frankfurt, dass Max Hollein dort eine Sponsoringbeauftragte eingestellt hat.

Kunstmarkt.com: Wie geht man mit einem potentiellen Sponsor um, der vielleicht unerfahren ist und völlig überzogene Vorstellungen hat?

Detmar Westhoff: Man muss nicht jeden überzeugen. Wenn die Vorstellungen zu weit auseinander liegen, muss man auch auf eine Zusammenarbeit verzichten können. Das ist wie in der Wirtschaft. Wenn Preis und Produkt nicht stimmen, kommt man nicht ins Geschäft. Auf der Ebene sollte man mit Wirtschaftsunternehmen verhandeln, damit man verstanden wird. Wir sind einmal an einen Strumpfhersteller herangetreten, der eine Kollektion von Künstlern designen lässt. Daran war einer beteiligt, mit dem wir eine Ausstellung geplant haben, die wir von denen sponsern lassen wollten. Das wurde abgelehnt, weil dabei die Präsenz des Produktes nicht ausreichend sei. Stattdessen haben sie uns angeboten, eine Ausstellung ihrer Künstlerstrümpfe im K21 zu finanzieren, was ich nicht mit dem künstlerischen Auftrag eines Kunstmuseums vereinbar hielt. Ich stellte daraufhin die Gegenfrage, ob es möglich sei, die Schaufenster des Strumpfherstellers zur Präsentation unserer neusten Publikationen zu nutzen. Dass an dieser Stelle die Partnerschaft keinen Sinn machte, haben beide Seiten sofort verstanden.

Wenn die Vorstellungen nicht so weit auseinander liegen, muss man versuchen, die Leute ins Museum zu holen und ihnen dort zeigen, welche Faszination von einem Museumsbesuch ausgehen kann. Mit einem Eindruck vom tatsächlichen Betrieb und ein bisschen Einblick in die Abläufe und Möglichkeiten wächst zumeist auch die Offenheit. Dann ist es leichter, den potentiellen Geldgeber vom Nutzen für eigene Unternehmen zu überzeugen.

Kunstmarkt.com: Sponsoren sind in der Regel Wirtschaftsunternehmen und rechnen nach dem Kosten/Nutzen-Prinzip. Was erwarten die als Gegenleistung für ihre finanzielle Unterstützung?

Detmar Westhoff: Nicht nur steuerliche Abzugsfähigkeit. Ich habe mal von einem Museumsmann gehört: „Was wollen die denn noch? Die können das doch schon von der Steuer absetzen.“ Damit ist es natürlich nicht getan. Wenn Unternehmen Geld geben, um eine Ausstellung oder eine andere Veranstaltung eines Museums zu fördern, dann erwarten sie natürlich eine Gegenleistung. Wie die aussieht, hängt nicht zuletzt von der Branche ab. Bei einem Konsumgüterhersteller wie Schwarzkopf-Henkel kommt es vor allem auf die Breitenwirkung an. Bei einer Bank spielt zum Beispiel die Exklusivität eine Rolle. Da ist es bedeutsam, dass ihre wichtigsten Kunden die Ausstellung als erste sehen. Die freuen sich, wenn sie über eine Ausstellung in der Zeitung lesen und sagen können, dass sie schon dort waren. Logos sind selbstverständlich immer noch Teil des Sponsoring, verlieren aber immer mehr an Bedeutung.

Kunstmarkt.com: Wie sehen Sie die Zukunft des Kultursponsoring?

Detmar Westhoff: Verhalten optimistisch! Ein bisschen pessimistisch bin ich, weil wir es jetzt mit einer jüngeren Generation von sehr erfolgreichen Managern zu tun, die durch die Bildungspolitik seit den 1970er- und 80er Jahren und durch sehr komprimierte und auf das wesentlich bedachte betriebswirtschaftliche Studiengänge beinahe als kulturelle Analphabeten aufgewachsen sind. In manchen Vorstandsetagen gehört die Kunst schon nicht mehr zum guten Ton. Denen müssen Sie von der Museumsseite aus überzeugend vermitteln können, welchen intellektuellen Mehrwert man aus Kunst schöpfen kann, sonst haben Sie verloren.

Optimistisch bin ich, weil immer mehr Unternehmen erkennen, dass beim Kultursponsoring ein sehr vernünftiges Kosten– Nutzen-Verhältnis besteht. Dies gilt besonders für diejenigen Unternehmen, die ohne große Streuverluste Menschen in gehobener gesellschaftlicher Stellung ansprechen möchten. Hinzu kommt, dass sehr viele Manager die Berührung mit der Kunst wesentlich für ihr Leben und beglückend empfinden.

Kunstmarkt.com: Was kann die Politik dazu beitragen, dass die Museen mehr Sponsoren haben?

Detmar Westhoff: Die Weichen für die private Kulturförderung richtig stellen. Nicht mehr und nicht weniger! Die öffentliche Kulturfinanzierung sollte die Eigeninitiative der Museen, sich private Finanzierungsquellen zu erschließen, belohnen und nicht wie bisher bestrafen!

Kunstmarkt.com: Vielen Dank für das Interview!


Kontakt:
E-Mail: detmar.westhoff@arcor.de

Startseite: www.kunstsammlung.de



08.03.2006

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Stefan Kobel

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