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Yves Kleins „Air Architecture“ im Wiener MAK

Visionärer Lebensraum der Zukunft



Es gibt wohl kaum eine Farbe, die auf eine vergleichbar nachhaltige Weise mit dem Namen eines Künstler in Verbindung gebracht werden kann: im Herbst 1956 fand Yves Klein sein ganz spezielles Blau, ein tiefes Ultramarin. Der aus Nizza stammende Künstler machte diese Farbe zu seiner Trademark und gab ihr den Namen IKB, International Klein Blue. Gerade sieben Jahre hatte Yves Klein Zeit, um ein faszinierendes Werk zu schaffen, nahm Strömungen wie die Aktions- oder die Konzeptkunst vorweg und war einer der Mitbegründer des Nouveau Réalisme. Zusammen mit Raymond Hains, Martial Raysse, Pierre Restany und Jean Tinguely trat Klein gegen die existentialistische Bewegung der Nachkriegsfünfziger, gegen die abstrakten Expressionisten in den USA und das Informel in Europa mit einem radikalen Neuerungsanspruch an, der auch vor spektakulären, aber ebenso pathetischen Inszenierungen nicht zurückschreckte.



Der französische Künstlersohn, der ursprünglich hauptberuflicher Judoka werden wollte und in Japan den schwarzen Gürtel errang, starb mit 34 Jahren an einem tödlichen Herzinfarkt. Und schon kurz nach seinem frühen Tod waren die ultramarinblauen Monochrome, die Schwammreliefs und - skulpturen, die Körperbilder und der legendäre „Sprung in die Leere“ weltberühmt.

Kleins Schaffen geht allerdings weit über diesen bekannten Werkkomplex hinaus. Einer weniger bekannten Facette des Œuvres von Yves Klein widmet sich derzeit eine Präsentation im Wiener Museum für Angewandte Kunst (MAK). „Air Architecture“ war bereits 2004 im MAK Center for Art and Architecture in Los Angeles zu sehen und stellt erstmals das von Yves Klein entwickelte Konzept einer immateriellen Architektur aus ephemeren Baustoffen wie Luft, Feuer und Wasser in den Mittelpunkt einer Ausstellung.

Mit seinen revolutionären Visionen strebte Yves Klein die Befreiung vom Materiellen an. Immer wieder experimentierte er mit vergänglichen oder kurzlebigen Materialien. In den sogenannten Feuerbildern verwendete Klein beispielsweise Flammenwerfer, um Konfigurationen in Papier und Karton einzubrennen. Zur Gruppe dieser Arbeiten gehört Kleins Projekt eines Brunnens, dessen Fontänen nicht Wasser speien sollten, sondern Feuer. In einer weiteren Werkgruppe, den sogenannten „Kosmogonien“, setzte er Leinwände Wind und Regen aus.

Mit seiner Arbeit an einer immateriellen Architektur begann Yves Klein zwischen 1957 und 1959, als er unter der Leitung des Architekten Werner Ruhnau den Auftrag erhielt, die Wände im Foyer des Musiktheaters im Revier in Gelsenkirchen mit seinen riesigen ultramarinblauen Schwammreliefs zu überziehen. In seinem kurzen Leben war das der erste und einzige öffentliche Auftrag. Ab 1959 schuf Yves Klein gemeinsam mit dem Architekten Claude Parent Air Architecture-Zeichnungen. Im Zentrum der Überlegungen des selbsterklärten Visionärs stand die Vorstellung einer Architektur aus Luft, eine für die Zukunft projektierte Lebenswelt, die dem Menschen wieder in Beziehung setzen sollte zur Erde und zu deren Elementen. Es war der Traum von einer Architektur, die das Klima zum Ausgangspunkt der Entwurfprozesse nahm.

Die Stadt der Zukunft sollte nach Kleins Visionen mit einem immateriellen Luftdach überspannt werden, das für eine permanente Zirkulation der Luft sorgt. Mittels Druckluft wollte er durchsichtige Wände, Dächer und sogar Möbel entstehen lassen. Einrichtungen wie Küchen, Bäder und Lagerräume verlegte er in Tiefgeschosse. Die Bewohner sollten in offenen Räumen wohnen, ohne abgeteilte Zimmer und Trennung zwischen innen und außen. Mit diesen Ideen verband Klein eine optimistische Philosophie, die ein neues Paradies erschaffen wollte, einen Garten Eden, in dem sich der Mensch frei seinen Interessen widmen sollte.

Die Ausstellungsarchitektur ist in Anlehnung an Kleins Architekturprinzipien ausgesprochen zurückhaltend. Für die Gestaltung zeichnet Gastkurator François Perrin verantwortlich. Er entschied sich für eine lange schwarze, schräg an die Wand montierte Vitrine, die sich zum einen Ende hin verjüngt und den Raum dominiert. Sie bewahrt die Exponate: zahlreiche Skizzen zum „Projekt für eine geschützte Stadt“ von 1959, zur „Erzeugung eines Luftdachs“ ebenfalls von 1959 und dem „Bungalow mit Wänden aus Feuer und Wasser“.

Dokumentiert werden der Briefwechsel zwischen dem Künstler und Philip Johnson aus dem Jahr 1952, Pläne für seine Ausstellung im Museum Haus Lange in Krefeld von 1960 und sein „Journal d’un seul jour“ aus dem selben Jahr, mit der berühmten Fotomontage seines „Sprung(s) in die Leere“. Aber auch ein kleines „Monochrom“ und ein „Blauer Schwamm“ fehlen nicht. Drei große, auf dem Boden liegende Schaumstoffscheiben laden den Besucher ein, länger zu verweilen, um der „Symphonie monotone – Silence“ zu lauschen oder Kleins Vortrag, den er 1959 an der Pariser Sorbonne hielt. Filmeinspielungen dokumentieren einige der vergänglichsten Arbeiten von Yves Klein.

Nur auf den ersten Blick wirkt das, was die Wiener Schau präsentiert, bescheiden. Anhand von Zeichnungen, Entwürfen, Texten und Fotografien aus dem Yves-Klein-Archiv in Paris ermöglicht die Präsentation einen subtilen Einblick in diesen eher unbekannten Teil des Œuvres von Yves Klein. Entstanden ist eine präzise, informative Schau, deren zurückhaltende Gestaltung der Haltung eines Künstlers entspricht, dessen Meinung es war, dass „niemand dem Raum etwas hinzufügen könne“. Lapidar vermerkte er: „Architektur ist Raum, und das ist alles.“

Die Ausstellung „Yves Klein - Air Architecture“ ist bis zum 24. September zu sehen. Geöffnet ist am Dienstag von 10 bis 24 Uhr und von Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet mit MAK-Guide 9,90 Euro, ohne 7,90 Euro und ermäßigt 4 Euro. Samstags ist der Eintritt frei. Die englischsprachige Publikation „Yves Klein. Air Architecture“, herausgegeben von Peter Noever und François Perrin, mit Beiträgen von Julie Carson, Yves Klein, Sylvère Lotringer, Mark Wigley und Nikolas Bourriaud, kostet im Museum 24,80 Euro.

Kontakt:

Österreichisches Museum für angewandte Kunst

Stubenring 5

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 711 360

Telefax:+43 (01) 713 10 26

E-Mail: office@mak.at

Startseite: www.mak.at



28.06.2006

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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