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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Ergebnisse: Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts bei Grisebach

Dr. Kutter, Pestalozzi und die Monroe am Fenster



Bei der Versteigerung von Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts erzielte das Auktionshaus Grisebach in Berlin ein hervorragendes Verkaufsergebnis und bestätigt damit den derzeit überaus kaufbereiten Kunstmarkt: 81 Prozent der fast achthundert Positionen konnten zugeschlagen werden. Rechnet man diejenigen Objekte ab, die wegen Unterschreitung des Schätzpreises zunächst nur unter Vorbehalt abgegeben wurden, bleiben immer noch stattliche 76 Prozent übrig. Nachdem am Vortag bereits 92 ausgewählte Werke unter den Hammer gekommen waren, ging es am Vormittag des 27. Mai um rund 340 Positionen mit einem Schätzpreis von bis zu 100.000 Euro. 76 respektive – die unter Vorbehalt vergebenen Werke abgezogen – 74 Prozent wechselten hier den Besitzer. Am Nachmittag kamen noch einmal rund 450 Werke des „Third Floor“ zum Aufruf, bei denen sich das Haus einen Erlös von bis zu 3.000 Euro versprach. Hier lag das Ergebnis bei 85 beziehungsweise 77,5 Prozent. Auch wenn insgesamt aufsehenerregende Überraschungen ausblieben, konnten doch die Taxen in vielen Fällen und zum Teil deutlich übertroffen werden.



Es begann allerdings mit einer gewissen Enttäuschung bei Lesser Ury. Zehn Arbeiten hatte das Haus von dem Impressionisten im Angebot, aber nur vier davon fanden Eingang in neue Sammlungen. Die untere Grenze der Taxe von 30.000 bis 40.000 Euro erzielte sein „Bauerngehöft mit Brunnen“ aus dem Jahr 1888. 40.000 Euro schaffte eine frühe Strandlandschaft des zwanzigjährigen Max Beckmann von 1904, die der Maler während seines obligatorischen Sommeraufenthalts an der Nordsee geschaffen hat (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). „Im Garten von Schloss Pretzfeld“ bewegt sich Curt Herrmann um 1905 stilistisch zwischen einem strengen Pointillismus und der Dynamik van Goghs. Das Ölgemälde verdoppelte seinen Wert von 12.000 bis 15.000 auf 28.000 Euro.

Ungewöhnlich wenige Werke repräsentierten diesmal den deutschen Expressionismus. Hier kamen vor allem Abgesänge zum Einsatz. Von 1935, aus der Spätphase Alexej von Jawlenskys, stammt ein buntfarbiges, schon abstrahiertes „Stillleben: Rote Blumen in blauer Vase“, das mit seinen geringen Maßen auch auf die schwere Krankheit des Künstlers verweist. War er doch bereits auf kleine Formate angewiesen. Auf 35.000 bis 45.000 Euro angesetzt, wurde das mit breitem Pinselstrich gestaltete Bild auf 72.000 Euro katapultiert. Ebenfalls der Spätphase des Expressionismus gehört Gabriele Münters „Javanerkind“ von 1927 an, das 39.000 Euro einspielte (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Ihr „Blumenstillleben vor Landschaft“ von 1934/35 brachte die untere Erwartung von 30.000 Euro ein. August Mackes buntes „Abstraktes Muster I“, ein Entwurf für eine Stickerei von 1912, platzierte sich bei 34.000 Euro (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR).

1.000 Euro mehr erlöste Hermann Max Pechsteins Aquarell mit der dramatisch beleuchteten Ostseeküste von 1933 (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR). Das komplett veräußerte Angebot an Werken Lyonel Feiningers erzielte taxgerechte Preise von bis zu 28.000 Euro für das „Fremde Schiff“, eine Aquarell- und Tuschfederarbeit in prismatischen Formen von 1933 (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Auch Hans Reichel reüssierte bei den Käufern. Alle drei Aquarelle wurden übernommen. Vor allem die späte, lyrische Farblandschaft mit teils konkreten Formen sprang von 4.000 Euro auf 15.500 Euro. Geteilt war das Echo auf die beiden Werke von Paul Kleinschmidt. Während die korpulente „Schuhe bindende Ballerina“ von 1938 bei 39.000 Euro übernommen wurde (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR), blieb sein ebenso mit buttrigen Farben gemaltes „Gebäckstillleben“ von 1930 im Depot (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).

Von den acht Werken Karl Hofers blieb nur eines im Depot zurück. Es handelte sich meist um Werke seiner späten Schaffenszeit. Von circa 1938 stammt der ratlos blickende „Mädchenkopf mit dunklem Haar“, der für 40.000 Euro zugeschlagen wurde (Taxe 24.000 bis 28.000 EUR). Eine ähnlich kantige, der Neuen Sachlichkeit nahestehende Malweise offenbart er in dem Ölgemälde „Sägemühle bei Badenweiler“ aus dem Jahr 1940, das für 58.000 Euro eine neue Bleibe erhielt (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Hofer ist auch das Hauptlos der Auktion zuzuschreiben. Für 80.000 bis 100.000 Euro angepriesen, schaffte sein sich im Arm haltendes „Ehepaar I“, im ersten Nachkriegsjahr 1946 mit sorgenvollem Blick, aber in existentieller Sicherheit festgehalten, das untere Limit dieser Schätzung.

Nicht minder erfolgreich war das Haus bei seinem Zeitgenossen Erich Heckel. Jeweils auf den unteren Grenzen ihrer Schätzpreise landeten „Das Meer bei Kampen“ auf Sylt von 1934 (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR) und die stilllebenhafte Leinwand „Kresse und Holzfigur“ aus dem Jahr 1927 (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Nur aus wenigen Strichen vor einem horizontal in vier unterschiedlich breite Farbstreifen aufgeteilten Hintergrund aufgebaut ist ein „Vorfrühling in der Marsch“ Eduard Bargheers von 1936. Angeblich ist dem Künstler die Bildidee in einem Traum gekommen. Jedenfalls war das Gemälde einem Interessenten 28.000 Euro wert (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR). Die Mitte der Taxe von 35.000 bis 45.000 Euro traf ein Bieter bei Franz Radziwills magisch realistischem Ölbild „Vogelzug über Dangast“ von 1960. Altmeisterlich wirkt die „Landschaft bei Suchumi“ des vor zwei Jahren verstorbenen Werner Tübke. Das 1964 unvollendet zurückgelassene Gemälde, dessen Inhalt sich später als Hintergrund eines anderen Gemäldes im Besitz der Nationalgalerie Berlin wiederfand, reizte die Kunden bis auf 31.000 Euro (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR).

Unter den ausländischen Künstlern gelang Edvard Munch mit einer Kaltnadelradierung einer vereinsamten „Modellstudie“ von 1894 eine beachtliche Steigerung von 8.000 Euro auf 30.000 Euro. Pablo Picassos Lithografie „Trois chevaux au bord de la mer“ von 1920 wurde bei 27.000 Euro eingetauscht (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR). Sogar 31.000 Euro spielte die 1951 geschaffene, kindlich anmutende Tuschfederzeichnung „Victor Hugo et le voyage“ ein (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR). Seine Radierung „Le repos de sculpteur devant un centaure et une femme“, 1933 gezeichnet und 1939 in Paris abgezogen, blieb dagegen für 35.000 bis 45.000 Euro unverkauft. Von seinem Landsmann Joan Miró stammt die 13teilige Lithografiefolge „Le lézard aux plumes d’or“, 1971 als Alterswerk geschaffen. Das mit 12.000 bis 15.000 Euro taxierte Konvolut befreite schließlich stattliche 42.000 Euro. 38.000 Euro entlockte Victor Vasarelys die Augen verwirrende geometrische Komposition „Gamma“, eine Ölmalerei auf runder Holztafel von 1958-65 (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).

Mit einem informellen, unbetitelten Ölgemälde aus dem Jahr 1960 von beachtlichen Ausmaßen und blauen breiten Pinselbahnen konnte Englebert Van Anderlecht genug Aufmerksamkeit erregen, um den Preis von 3.000 bis 4.000 auf 18.000 Euro zu treiben. Ob bei Tom Blackwell eher die fotogetreue Wiedergabe der „Hi-standing’s Harley“ Fans fand oder doch die subtile Missachtung der Gesetze von Lichteinfall und Schattenwurf beeindruckte? Jedenfalls entfachte sich um das Ölgemälde ein Bietgefecht, der erst bei 66.000 Euro einen Sieger kürte (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Gerade bei der zeitgenössischen Kunst waren beachtliche Preiserhöhungen zu beobachten. Arnulf Rainers schwarze „A mano Übermalung“ von 1959 verbesserte sich von 9.000 Euro auf 23.000 Euro. Konrad Klaphecks symbolgeladene „Biographie“ von 1972, das in seiner typischen Weise einen unbestimmbaren, aber äußerst haptisch wirkenden Gegenstand in einem ebenso unbestimmbaren Raum zeigt, verdreifachte sich sogar von 15.000 bis 20.000 Euro auf 60.000 Euro.

Die technisch brillanten, hintersinnigen Gemälde Johannes Grützkes, zum Beispiel die am Fenster stehenden und den Betrachter angrinsenden „Dr. M. Kutter, J. H. Pestalozzi und Marilyn Monroe“ von 1970 für geschätzte 5.000 bis 7.000 Euro, setzten sich unerwartet auf bis zu 28.000 Euro. Für 24.000 Euro kann jetzt ein Sammler einem schönen Männerakt auf Rainer Fettings weitgehend blutroten Gemälde von 1984 beim Bügeln zuschauen (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR). „Ich mit Gesellschaft“ ist der Titel von Jörg Immendorffs 1996 entstandenem Acrylbild, das mit Reminiszenzen an Wagners „Holländer“ stark symbolistischen Charakter trägt. Es fuhr einem nordrhein-westfälischen Privatsammler 35.000 Euro in die Scheuer (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Auf 34.000 Euro flog „Lingua“, eine frühe Arbeit des Leipziger Malerstars Neo Rauch von 1992 (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Von dem jungen Norbert Bisky stammt das Acrylbild „Der Feind schläft nie“, das jetzt für 30.000 Euro einen neuen Freund seiner farbenbetonten, flächigen, gegenständlichen Malerei fand (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR).

Die Skulpturen waren wie so häufig in der Minderheit. Fritz Klimschs stehender Frauenakt „In Wind und Sonne“ aus Bronze von 1936 setzte sich mit 40.000 Euro ab (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Aus geometrischen Formen abstrakt zusammengesetzt und spitzkantig ist ein einfach „Stahlskulptur“ betiteltes Werk Hans Uhlmanns aus dem Jahr 1961, das mit 44.000 Euro weit über die Bewertung von 14.000 bis 18.000 Euro hinausschoss. In seinem Todesjahr 1962 formte Yves Klein den Torso eines weiblichen Aktes. Zwanzig Jahre später wurden dreihundert mit seinen International-Klein-Blue-Pigmenten gefasste Gipsabgüsse angefertigt, von denen einer bei Grisebach für 30.000 bis 40.000 Euro im Angebot war und bei 45.000 Euro zugeschlagen wurde. Günther Ueckers unbetitelte, rhythmisierte Nagelung auf einer auf Holz aufgezogenen weißen Leinwand von 1967 erbrachte dem Schweizer Vorbesitzer 36.000 Euro (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR).

Alle Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Grisebach

Fasanenstraße 25

DE-10719 Berlin

Telefon:+49 (030) 885 91 50

Telefax:+49 (030) 882 41 45

E-Mail: auktionen@grisebach.com



29.06.2006

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Curt Herrmann, Im Garten von Schloss Pretzfeld, um 1905
Curt Herrmann, Im Garten von Schloss Pretzfeld, um 1905







Curt Herrmann, Im Garten von Schloss Pretzfeld, um 1905

Curt Herrmann, Im Garten von Schloss Pretzfeld, um 1905

Taxe: 12.000 - 15.000 EURO

Zuschlag: 28.000,- EURO

Losnummer: 147




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