Kirchners „Berliner Straßenszene“ wird versteigert Ende Juli erst hat das Land Berlin die Restitution von Ernst Ludwig Kirchners „Berliner Straßenszene“ aus dem Brücke Museum an die Nachkommen der ursprünglichen Besitzerfamilie Alfred und Thekla Hess verkündet, und schon landet das berühmte Ölgemälde aus dem Jahr 1913 auf dem Auktionspult. Am 8. November ziert die Milieuszene den Auktionsabend bei Christie’s in New York und soll 18 bis 25 Millionen Dollar einspielen – den höchsten Preis für ein Kunstwerk Kirchners. Andreas Rumbler, Auktionsexperte für Malerei des 20. Jahrhunderts und Geschäftsführer von Christie’s Deutschland, unterstreicht den Stellenwert des Gemäldes: „Es ist das mit Abstand bedeutendste Werk des deutschen Expressionismus’, das im Rahmen einer Auktion der letzten 30 Jahre angeboten wird.“
Das Hauptwerk des Brücke-Malers gehört zu einer Serie von neun zwischen 1913 und 1915 entstandenen Berliner Straßenszenen. Acht davon befinden sich in internationalem Museumsbesitz: im Museum of Modern Art in New York, im Museum Ludwig Köln, in der Madrider Sammlung Thyssen-Bornemisza, in der Staatsgalerie Stuttgart, im Essener Museum Folkwang, in der Düsseldorfer Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, in der Nationalgalerie in Berlin und im Wuppertaler Von-der-Heydt Museum. In seinem typischen hektischen Pinselduktus der Berliner Zeit schildert Kirchner eine Szene aus der schnelllebigen Metropole Berlin am Vorabend des Ersten Weltkrieges. Die Darstellung wird dominiert von zwei Prostituierten und deren Freier in einer anonymen Menschenmenge, durchdrungen von subtiler Erotik und in scheinbar nervöser Vorahnung der kommenden weltpolitischen Ereignisse. |