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Am 29.11.2018 Auktion 69: Alte Meister bis Klassische Moderne & Autographen, Manuskripte

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Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto  Modersohn

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© Galerie Neher - Essen


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Ohne Titel, 2012 / Heinz Mack

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Kunst und Antiquitäten bei Nagel

Königliche Stickerei



Als der 14jährige Wolfgang Amadeus Mozart 1770 während seiner Italienreise in Verona Station machte, hörte ihn dort der venezianische Generalverwalter Pietro Legiato. Dieser war von dem inzwischen nicht mehr ganz so kleinen Mann derart begeistert, dass er sich bei Saverio dalla Rosa ein Portrait des einstigen Wunderkindes am Cembalo bestellte. Vielleicht mag dieser Zusammenhang das Stuttgarter Auktionshaus Nagel dazu bewogen haben, einem weiteren Werk dalla Rosas den exzeptionellen Schätzpreis von 150.000 Euro zu verleihen. Dargestellt ist die „Anbetung der Gottesmutter durch den heiligen Kasimir“, gemalt im Stil des frühen 17ten Jahrhunderts und damit zu Lebezeiten dalla Rosas eigentlich schon überholt. Es gehörte zu seinen Aufträgen aus ganz Europa und wurde vermutlich für eine Kirche im damals polnischen und heute weißrussischen Witebsk geschaffen – ein weiterer Grund für hohe Erwartungen am 7. Dezember.



Das zweite Hauptlos der Auktion ist ein Gemälde Carl Spitzwegs, ein „Türkisches Kaffeehaus“. Einer der Gäste inhaliert gerade mit weit aufgerissenem Mund und geschlossenen Augen aus der Wasserpfeife, der zweite zieht gemütlich an seiner Pfeife. Den Schätzpreis der kleinen Leinwand verrät das Haus nur Anfrage. Die rund zweihundert Gemälde Alter und Neuerer Meister beginnen im späten 15ten Jahrhundert bei einer Anbetung des Kindes durch Maria, Josef und den kleinen Johannes in Tondoform und etwas ungeschlachten Formen aus der florentinischen Schule (Taxe 8.000 EUR). Etwa der gleichen Zeit entstammt ein Tiroler Gnadenstuhl mit geschnitztem Blendmaßwerk am oberen Abschluss (Taxe 9.000 EUR). In der Art des Frans Hals ist eine fröhliche Gesellschaft gemalt, bestehend aus vier zechenden Personen. Wie häufig in der niederländischen Malerei des frühen 17ten Jahrhunderts bezieht der grinsende Blick mindestens eines Mannes den Betrachter in das Geschehen ein (Taxe 15.000 EUR). Im Gegensatz dazu steht das Gemälde „Der lachende Demokrit“. Im Schlaglicht mit dunklen Schatten lacht der Philosoph den Betrachter an und deutet dabei verspottend auf die Weltkugel. Johan Moreelse und seine Werkstatt zeigen sich für diese Verachtung des Treibens der Welt verantwortlich. Vor einem Jahr bei Karl & Faber für 3.000 bis 4.000 Euro angeboten, versucht die Holztafel nun erneut bei 3.000 Euro ihr Glück.

Christoph von Bemmel schildert im 18ten Jahrhundert eine weitläufige, im Hintergrund gebirgige Flusslandschaft mit einer Kirche und Wanderern und verbindet darin die alten Niederländer mit heiterer Rokokomanier (Taxe 7.200 EUR). Die deutsche Stilllebenmalerei der Zeit im Stil des 17ten Jahrhunderts vertritt ein Gemäldepaar Johann Amandus Winck von 1796 (Taxe 8.000 EUR). Zwei Portraits von König Ludwig XV. von Frankreich gehören der Werkstatt der Malerfamilie van Loo an. Sie zeigen einmal den jungen Mann, wie ihn Jean-Baptiste van Loo sah (Taxe 8.000 EUR), und dann den gereiften Regenten nach Louis-Michel van Loo (Taxe 6.000 EUR).

Josef Eberl gibt 1857 lieblich eine Süditalienerin wieder, die in ihrem Garten mit ihrem Kind auf einem Tamburin spielt (Taxe 8.000 EUR). Das Heidelberger Schloss, im 19ten Jahrhundert ein beliebtes Motiv, dient als Kulisse für eine Prozession, die Jean-François Demay geschaffen haben soll. Die eine Gruppe der Wallfahrer betet andächtig vor einer Kreuzwegstation, während die andere schwatzend weiterzieht (Taxe 12.000 EUR). Das beste Stück außer Spitzwegs Bild kommt von Ferdinand Georg Waldmüller, ein elegantes und wie meistens bei Waldmüller mit perfektionistischer Präzision gemaltes Portrait einer sitzenden Dame im schwarzen Kleid, wahrscheinlich dieselbe wie auf dem Gemälde „Mutter und Kind“ in der Berliner Alten Nationalgalerie (Taxe 18.000 EUR).

Weiter geht es am Nachmittag zunächst mit russischem Kunsthandwerk. Gleich eines der ersten Lose trumpft groß auf. 150.000 Euro verspricht sich Nagel von einem Paar prunkvoller Vasen aus der St. Petersburger Porzellanmanufaktur der Zeit um 1850. Auf der Vorderseite einer jeden vergoldeten klassizistischen Vase ist eine Landschaft zu sehen, die der Miniaturmaler Alexander Tychagin I. schuf. Wenig später dürften dort zwei Tafelaufsätze entstanden sein, die dem sogenannten Wappenservice entsprechen. Grazile Damen betätigen sich als Säulenschmuck der grün grundierten Schalen (Taxe 90.000 EUR). Eines der ältesten Stücke russischer Provenienz ist ein figürlich geschnitztes Zierkreuz aus Holz mit Silbermontierung aus dem 16ten oder 17ten Jahrhundert (Taxe 10.000 EUR).

Höhepunkt des Porzellans ist eine Meißner Figurengruppe mit Herkules als Hauptperson, umgeben von den großteils sterblichen Relikten seiner Heldentaten. Das Modell stammt von Johann Joachim Kändler, aber ob die Skulptur aus dem 18ten oder aus dem 19ten Jahrhundert stammt, dürfte für den Wert, der derzeit mit 16.800 Euro beziffert wird, nicht ganz unerheblich sein. Beim Silber fällt eine womöglich portugiesische Rundplatte des Barock auf, in deren zentralem Rund ein Putto auf einem Delphin reitet (Taxe 5.000 EUR). Ein Satz von fünf schwedischen Rokokoleuchtern der Zeit um 1770 steht für 18.000 Euro bereit, das Paar Girandolen um 1880 von Vollgold & Sohn aus Berlin in etwas ausladenderen Rokokoformen für 6.500 Euro. Den Schluss dieses Auktionsteils bilden ein ganzer Stapel Jugendstilvasen der Firma Lötz Witwe meist im dreistelligen und unteren vierstelligen Preisbereich, wie das gelb-grün-bersteinfarbene Dekor „Titania cirton mit braun“ und umsponnenen Silberfäden samt floraler Silberauflage für 1.200 Euro, und einige etwas teurere Gallé-Vasen sowie Schmuck und Varia.

Am Freitagvormittag geht es dann noch um Möbel und Einrichtungsgegenstände. Unter den Zeitmessern firmieren zwei Bodenstanduhren aus dem 18ten Jahrhundert mit an der Spitze, ein Amsterdamer Werk von Gerrit Ter Vooren (Taxe 3.500 EUR) und eine deutsche oder englische Produktion, deren Werk mit „Steph. Rimbauld“ bezeichnet ist (Taxe 10.000 EUR). Als Vertreterin der Carteluhren schickt Paris aus der Zeit um 1750 ein im Boulle-Stil gefertigtes Rokokogehäuse mit großem Zifferblatt ins Rennen (Taxe 8.000 EUR). In der Möbelsektion steht außer konventionellen Sekretären und Schränken für bis zu 6.000 Euro unter anderem eine russische Sitzgarnitur von etwa 1830 zur Verfügung, bestehend aus je zwei Stühlen mit und ohne Armlehnen sowie einer Bank. Sie sind an den Rückenlehnen kunstvoll floral marketiert (Taxe 9.500 EUR).

Auf einem westdeutschen Ensemble von sieben eleganten Stühlen aus der Zeit um 1780 darf man für vielleicht 5.000 Euro Platz nehmen. Stilistisch stehen sie auf der Schwelle zwischen Rokoko und Klassizismus. Der Ägyptenmode huldigt ein Wandspiegel des Empire, der in seinem Dreiecksgiebelabschluss vergoldete Sphinxen auf dem Maserholz erblühen lässt (Taxe 5.000 EUR). Drei grün lackierte Delphine stützen die Mahagoniplatte eines rheinländischen Salontisches der Biedermeierzeit um 1820 (Taxe 9.500 EUR). Aus Italien kommt ein hoher, schlanker Gueridon von etwa 1815 auf drei dünnen Stelzen, die kreuzförmig miteinander verstrebt sind (Taxe 5.800 EUR). Im reetgedeckten Haupthaus des schleswig-holsteinischen Hofs Reimers hing früher ein barockes Deckengemälde auf Holzbrettern, auf dem sich Amoretten in einem Wolkenhimmel tummeln. Das einem Heimatmuseum würdige Werk steht nach der Juni-Auktion und einem Schätzpreis für 9.000 Euro nun erneut bei Nagel auf dem Programm, diesmal reduziert auf 6.500 Euro.

Einen eigenen Katalog widmet Nagel der Versteigerung von Gütern aus adligem Besitz in Württemberg schon am Mittwoch. Anlass ist der 200ste Jahrestag der Erhebung zum Königreich. Den Löwenanteil stellen Kunst und Antiquitäten aus dem ehemaligen Landgut der Villa Marienwahl, der Sommerresidenz König Wilhelms II. von Württemberg, des letzten Landesherrn, der 1918 abdankte und 1921 starb. Er selbst macht den Anfang, als Büste nach Entwurf Benedikt Königs im dritten Jahr seiner Regierung 1893 (Taxe 5.000 EUR). Es folgen persönliche Gegenstände eines seiner Vorgänger Wilhelm I. wie ein Rasierspiegelständer von etwa 1820 (Taxe 6.000 EUR) oder ein Biedermeierarbeitstisch für 12.000 Euro und ein Empirespiegel für 25.000 Euro vom Stuttgarter Hofschreiner Johannes Klinckerfuß. Hauptlos ist ein Empire-Stellschirm, der von Königin Charlotte Mathilde höchstpersönlich mit Vögeln und Blumen bestickt wurde (Taxe 25.000 EUR). Wilhelms II. Zeit steuerte für Marienwahl ein historistisches Ameublement in Renaissanceformen mit Schreibtisch, Stuhl und Aktenschrank bei (Taxe 5.000 EUR).

Dem Besitz der Königin Olga von Württemberg gehörten zwei Portraits des seinerzeit sehr gesuchten Franz Xaver Winterhalter an. Die Zarin Alexandra Feodorowna von Russland, Gattin Nikolaus’ I. und Mutter von Olga, im Profil mit rauschendem weißem Kleid abkonterfeite er zusammen mit seinem Bruder Hermann (Taxe 8.000 EUR). Allein seiner Hand entsprang 1856 das realistische, weniger barockhafte Dreiviertelbildnis des Prinzen Karl von Württemberg (Taxe 20.000 EUR). Weitere Schätze nannte die Familie des württembergischen Finanzministers Christoph Herdegen ihr Eigen, der während der Restaurationszeit wichtige Verwaltungsaufgaben wahrnahm. Sein Portrait und das seiner Frau von Gottlob Wilhelm Morff sollen insgesamt 20.000 Euro kosten. Erwähnenswert ist schließlich noch ein Bildnis Alexander Freiherr von Bowinghausen-Wallmerodes als Generalfeldmarschall zu Pferde von Ferdinand Kobell, das ebenfalls süddeutscher Adel zur Auktion einliefert (Taxe 10.000 EUR).

Die Auktion „Königliches Württemberg“ beginnt am 6. Dezember um 17 Uhr. Die regulären Kunst und Antiquitäten am 7. und 8. Dezember jeweils um 10 Uhr.

Kontakt:

Nagel Auktionen

Neckarstraße 189-191

DE-70190 Stuttgart

Telefax:+49 (0711) 649 69 696

Telefon:+49 (0711) 64 96 90

E-Mail: contact@auction.de



05.12.2006

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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