Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Anzeige

Faschingsakademiefest in München, 1954 / Julius Hüther

Faschingsakademiefest in München, 1954 / Julius Hüther
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Lenbachs Tochter Gabriele in Spanischer Hoftracht, 1901 / Franz von Lenbach

Lenbachs Tochter Gabriele in Spanischer Hoftracht, 1901 / Franz von Lenbach
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Jugendstil-Kaffee-Set und -Tablett von Kayserzinn, um 1900 /

Jugendstil-Kaffee-Set und -Tablett von Kayserzinn, um 1900 /
© Kunstmarkt Media


Anzeige

Heinz Mack, Ohne Titel (N 9471), 2021 / Heinz Mack

Heinz Mack, Ohne Titel (N 9471), 2021 / Heinz Mack
© Galerie Neher - Essen


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Messe-Nachbericht

Die 13te Ausgabe der Artissima in Turin konzentrierte sich erfolgreich auf die zeitgenössische Kunst. Doch jetzt droht in Rom eine Konkurrenzveranstaltung

Turin steht niemals still



Anneè Olofsson, Thin Line

Anneè Olofsson, Thin Line

Dreizehn ist ein gefährliches Alter. Gerade Teenager geworden, spürt man die Reize des Erwachsenenlebens, ist gleichzeitig jedoch noch dem kindlichen Übermut und den Jugendträumen verhaftet. So ist das Plakatmotiv der Turiner Gegenwartskunstmesse Artissima für ihre 13te Ausgabe gar nicht schlecht gewählt. In ganz Turin hing Mitte November das Bild einer hübschen und etwas vorwitzigen, dreizehnjährigen Ragazza mit schulterfreiem Kleid, Nietenarmband und Collegeblock. Der Slogan der Artissima lautete in diesem Jahr „Feel Contemporary“ und spiegelt das Lebensgefühl der Kunstliebhaber in der piemontesischen Hauptstadt am Po wieder: In Turin wurde zwar die kopflastige und etwas sperrige Arte Povera erfunden, dennoch wird hier zeitgenössische Kunst wie in ganz Italien immer noch gerne „gefühlt“. In den geschmackvoll eingerichteten Stadtwohnungen, die sich hinter den grauen Barockfassaden der Palazzi im smoggeplagten Turin verbergen, vermutet nicht jeder Tourist oder Bewohner angesagte Originale von Cindy Sherman, Daniel Pflumm, Jonathan Monk oder Ugo Rondinone. Doch es gibt sie, die kennerhaft zusammengetragenen Turiner Privatsammlungen, und nicht zu Unrecht hat sich die Stadt Turin in jahrelanger Anstrengung und mit einem gekonnten Marketing den Ruf erworben, Italiens wichtigste Stadt für zeitgenössische Kunst zu sein, noch vor Rom, Mailand oder Venedig.



Mit großem Interesse wurde dann auch die 13te Artissima von der Kunstcommunity und neugierigen Turinern aufgenommen. Die 172 eingeladenen Galerien, davon die Hälfte aus dem Ausland, präsentierten ein junges frisches, trendiges, zeitgenössisches Programm. Gefragte Senkrechtstarter wie Hotel aus London, Cosmic aus Paris, Newman Popiashvili aus New York oder Isabella Bortolozzi aus Berlin sind in der luftigen Lingotto-Halle mit interessanten jungen Arbeiten vertreten. Sie brachten einen Hauch von der Baseler Liste und der Londoner Frieze Art Fair an den Po. Bortolozzi, die als ehemalige Assistentin des erfolgreichen Turiner Lokalmatadors Franco Noero einen Heimvorteil genießt, versammelte beispielsweise an ihrem Stand strenge, hochästhetische Konzeptkunst der jüngeren Generation wie etwa ein Objet trouvé in Form einer skulpturalen Vermessungsstange mit passgenauer Holzkiste und Anwendungsbuch der Portugiesin Leonor Antunes für 9.000 Euro.

Die junge Londoner Galerie Laura Bartlett präsentierte in der Sektion „New Entries“ formal und inhaltlich interessante Radierungen von Cyprien Gaillard, auf den viele Sammler und Kuratoren bereits ein Auge geworfen haben. Der Franzose benutzt alte Kupferplatten von holländischen Landschaftsradierungen aus dem 17. Jahrhundert und fügt, frei nach dem Motto „Plattenbau trifft pastorale Landschaft“, moderne Architekturmotive der 1960er Jahre hinzu. Die Auflage liegt hier bei 10, und 3.000 Euro sind je Exemplar veranschlagt. Auch junge Dänen sind im Kommen. Helene Nyborg aus Kopenhagen vertritt Tommy Støckel und Peter Callesen, die beide filigran und virtuos mit dem Material Papier arbeiten. Stark nachgefragt und schnell ausverkauft waren Peter Callesens schlichte Paper Cut-Outs, Unikate für 2.200 Euro. Der Däne schneidet mit leichter Hand aus einem einzigen DIN A4-Blatt einen am eigenen Lasso baumelnden Cowboy. Von Tommy Støckel, der demnächst eine Einzelausstellung im Frankfurter Kunstverein erhält, waren mathematisch präzis komponierte Collagen mit Automotiven zu sehen, die während seines Aufenthalts in Los Angeles 2003 entstanden – die Unikate für 1.300 Euro.

Eine schöne Entdeckung konnte man bei der Mailänder Galerie Emi Fontana machen. Hier wurden wunderschöne Collagen der mit 38 Jahren verstorbenen Künstlerin Ketty La Rocca für 15.000 Euro angeboten. Die in Florenz aufgewachsene La Rocca (1938-1976) fertigte gerade im Angesicht einer lebensbedrohenden Krankheit in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren eine Serie von politisch aufgeladenen, sprachbetonten und formal ästhetischen Collagen, die den Geist der Zeit rassistischer Unruhen und gesellschaftlicher Unterdrückung von Randgruppen atmen. Für Liebhaber großformatiger, figurativer Malerei hatte der Turiner Galerist Alberto Peola neue Arbeiten des in Rom lebenden Dänen Thorsten Kirchhoff im Angebot. Die filmisch anmutenden Gemälde von Autofahrten durch die Großstadtnacht stießen auf reges Interesse und kosteten zwischen 3.500 und 12.000 Euro.

Im Blickfeld vieler Kuratoren, Galeristen und Sammler ist die zur Zeit in Paris lebende Deutsche, 32jährige Ulla von Brandenburg, die nach ihrem Studium in Karlsruhe und Hamburg schnell große Aufmerksamkeit erlangte. Ihre sinnlich szenografischen Arbeiten wurden in diesem Herbst in Einzelausstellungen in der Kunsthalle Zürich und im Pariser Palais de Tokyo vorgestellt. Am Stand der Pariser Galerie Art:Concept wurde ein farbenfroher Vorhang Brandenburgs präsentiert, hinter dem ein Video mit einem leichtfüßigen Totentanz lief. Die gesamte Installation kostet 20.000 Euro, das Video 4.500 Euro.

Für die auf besonders junge und viel versprechende Talente setzende Sektion „Present Future“ hatten die beiden Kuratoren Katerina Gregos vom Argos Centre in Brüssel und Agustín Pérez Rubio vom Museo de Arte Contemporáneo de Castilla y León 14 Künstler für Einzelpräsentationen ausgewählt. Auf starkes Interesse stießen die bereits hochpreisigen, reliefartigen Papiercollagen auf Frontseiten des „International Herald Tribune“ mit politischen Anspielungen der Dänin Kirstine Roepstorff am Stand von Peres Projects, Los Angeles und Berlin, für Preise zwischen 5.000 und 27.000 Euro. Den diesjährigen „Premio Illy“, den Preis dieser Sektion, erhielt der Spanier Sergio Prego, vertreten von Soledad Lorenzo, Madrid, und Lehmann Maupin, New York. In Gedenken an den kürzlich verstorbenen, verdienstvollen Turiner Galeristen Guido Carbone wurde in diesem Jahr zum ersten Mal ein neuer Preis in der Sektion „New Entries“ vergeben. Aus den 20 als besonders avantgardistisch angesehenen Galerien dieser Sektion wurden die Pariser Newcomer Schleicher + Lange mit dem „Premio Guido Carbone“ geehrt.

So weit, so gut. Die Artissima-Macher freuen sich über das postolympische Kauffieber, blicken stolz auf 37.500 Besucher in drei Tagen zurück – eine Steigerung von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr –, zählen zufrieden mindestens 300 Top-Collectors, die sich in den dichten Messetagen zwischen Lingotto Fiere, den Turiner Museen, in den in diesem Jahr erstmals öffentlich zugänglichen Privatsammlungen und auf dem beliebten Galerienrundgang am Samstagabend zwischen Trüffelpasta und Barbera d’Alba vergnügten. Doch hinter den Kulissen rumort es. Der umtriebige und ideenreiche Messeleiter der Artissima, Roberto Casiraghi, hat es sich mit den Turinern langsam verscherzt. Getragen vom Erfolg der vielfach kopierten Turiner Messe, wagt Casiraghi den Spagat und plant, zusätzlich als Privatmann eine zweite Messe in Rom zu organisieren. Die Turiner, die seit Jahren erfolgreich größtmögliche Anstrengungen unternommen haben, die tapfere Hauptstadt des Piemont am Fuße der Alpen zum Zentrum für zeitgenössische Kunst in Italien zu etablieren, befürchten wieder einmal, dass Rom ihnen die Schau stiehlt. Wunden der Geschichte platzen auf: Turin, einst für kurze Zeit Hauptstadt Italiens, wurde ein ums andere Mal in seine provinziellen Schranken verwiesen.

Die enttäuschte Turiner Tageszeitung „La Stampa“ beschimpfte den einst geliebten Casiraghi verschnupft als „Diener zweier Herren“. Weitere Konkurrenz droht aus Venedig. Augustus Rylands, Sohn des örtlichen Guggenheimdirektors, und die spanische Künstlerin María Marqués Aparici planen, parallel zur kommenden Biennale in Venedig 2007 eine neue Kunstmesse ins Leben zu rufen. Sie heißt „Cornice Art Fair“ und findet nahe der Piazzale Roma statt. Der Erfolg der einen zieht wie immer einen Sog an Nachahmern hinter sich her. Kannibalisierung allerorten. Die Artissima wird zwar von den Museen der Stadt, der Region Piemont, der Kommune Turin und der Handelskammer getragen. Allein der Ankaufsetat der Galleria d’Arte Moderna und des Castello di Rivoli betrug in diesem Jahr stolze 1,65 Millionen Euro. Das ist aber längst noch kein Grund, sich gelassen zurücklehnen.

Doch auch in Italien wird nicht so heiß gegessen, wie gekocht wird. Abgesehen von der Artissima, bietet Turin das ganze Jahr über ein interessantes Ausstellungsprogramm in den international beachteten Häusern Castello di Rivoli, Galleria d’Arte Moderna, Fondazione Merz oder der Fondazione Sandretto Re Rebaudengo. Hier geht der Blick zur Zeit ganz weit nach Osten. Kurator Francesco Bonami, Leiter der venezianischen Biennale 2003, hat sich in Asien auf Künstlersuche begeben und die Schau „Alllooksame?“ mit aktueller Kunst aus China, Japan und Korea zusammengestellt. Der Ausstellungstitel spielt mit der stereotypen westlichen Klischeevorstellung von Asiaten, deren Aussehen angeblich ununterscheidbar und deren kulturelle Wurzeln oftmals nicht präzise differenzierbar sind. Zum Titel inspirierte Bonami die beliebte Homepage www.alllooksame.com. Frische, comicartige Zeichnungen, erzählerische Videos, detailreiche Installationen und grelle Fotografien vermitteln ein vielfältiges Asienbild mit teils westlicher Ankopplung, teils aber auch eigenständigen, länderspezifischen Inhalten.

Die nächste Artissima läuft vom 16. bis 18. November 2007 im Lingotto Fiere in Turin. Die Ausstellung „Alllooksame?“ in der Fondazione Sandretto Re Rebaudengo ist noch bis zum 11. Februar 2007 zu sehen.

www.fondsrr.org

www.artissima.it



08.12.2006

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Variabilder:

Vorhang von
 Ulla von Brandenburg
Vorhang von Ulla von Brandenburg

Variabilder:

Lara
 Favaretto, A piedi pari, 2006
Lara Favaretto, A piedi pari, 2006

Variabilder:

Einkaufswagen
 von Ryan Johnson
Einkaufswagen von Ryan Johnson

Variabilder:

Thorsten Kirchhoff, Escamotage, 2006
Thorsten Kirchhoff, Escamotage, 2006

Variabilder:

Anneè Olofsson, Thin
 Line
Anneè Olofsson, Thin Line







Vorhang von Ulla von Brandenburg

Vorhang von Ulla von Brandenburg

Einkaufswagen von Ryan Johnson

Einkaufswagen von Ryan Johnson

Thorsten Kirchhoff, Escamotage, 2006

Thorsten Kirchhoff, Escamotage, 2006

Lara Favaretto, A piedi pari, 2006

Lara Favaretto, A piedi pari, 2006




Copyright © '99-'2022
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce