Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 02.12.2022 120. Auktion: Buchmalerei des 15. bis 16. Jahrhunderts - Zeichnungen des 16. bis 19. Jahrhunderts

© Galerie Bassenge Berlin

Anzeige

Geist I / Ulla von Brandenburg

Geist I / Ulla von Brandenburg
© Kunsthandel Michael Draheim - Wiesbaden


Anzeige

Bethsabée / Pablo Picasso

Bethsabée / Pablo Picasso
© Galerie Weick


Anzeige

Amazone, nach 1906 / Franz von  Stuck

Amazone, nach 1906 / Franz von Stuck
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Blumenstrauß / Maria Caspar-Filser

Blumenstrauß / Maria Caspar-Filser
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Werke aus dem Hagener Karl Ernst Osthaus Museum in Würzburg

Auf der Brücke zur Moderne



„Die Kunst des Malers ist keine Gedankenarbeit, sie ist ein Wirken der Sinne. Sie geht von Auge zu Auge.“ Neben diesem Satz, der groß eine ganze weiße Wand für sich allein beansprucht, hängt ein Bild dessen, der ihn aussprach: Emil Noldes Leitsatz ist Programm und Inbegriff der Malerei der klassischen Moderne und findet in seinem eigenen Werk wohl eine der konsequentesten Umsetzungen. Sein Gemälde „Blumengarten, Frau mit weißem Kleid en face“ aus dem Jahr 1908 ist ein Rausch der Farben, wie er ekstatischer kaum sein kann. Vor, mit und nach ihm fanden ganze Künstlergenerationen, ob Impressionisten, Expressionisten, Konstruktivisten oder Abstrakte, den Weg zu einer neuen Malerei, die sich fundamental von allem bisher Dagewesenen unterschied und den Bruch offen suchte und vollzog.



Im Kulturspeicher Würzburg besteht derzeit die Gelegenheit, einen kleinen, wenngleich repräsentativen Ausschnitt aus vornehmlich deutscher Kunst der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts zu sehen. Bis zum 28. Januar werden etwas über fünfzig Werke vorgestellt, überwiegend Gemälde, aber auch Zeichnungen und Skulpturen, die normalerweise im Karl Ernst Osthaus Museum Hagen ihr Quartier haben, jedoch wegen dessen Renovierung für einige Zeit auf Reisen durch ganz Deutschland geschickt werden. Würzburg heißt nun die einzige bayerische Station auf dieser Tournee.

Diese Blockbuster-Ausstellung en miniature dokumentiert den Willen eines Mannes, der als einer der ersten Förderer moderner französischer und deutscher Kunst zu Beginn des 20ten Jahrhunderts ruhmvoll in die Kunstgeschichtsbücher eingegangen ist: Karl Ernst Osthaus. Leider nur seinen Willen, denn was er zu Lebzeiten in jahrelanger Auswahl und mit fachlicher Beratung seit der Gründung seines Hagener Museums 1902 eingekauft und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat, ist 1922 durch die Erben an die Stadt Essen verscherbelt worden, die damit ihr Museum Folkwang begründete. Nur ein kleiner Teil wurde nach 1945 durch Ankäufe und Stiftungen wieder für Hagen zurückgeholt.

Groß prangt das Portrait des industriellen Kunstmäzens am Eingang der Ausstellung, 1903 von Ida Gerhardi als Dreiviertelbildnis im Arbeitszimmer seines Museums gemalt. Der Mann, den Paula Modersohn-Becker als eine „auffallend große Erscheinung zwischen dreißig und vierzig“ beschrieb, „mit merkwürdig suchenden Augen“, „stand und lebte und kämpfte“, so Emil Nolde, „mit uns Jungen in der Kunst gegen den Durchschnittswert und das Banale“. Nicht nur für die westfälische Stadt selbst bedeutete Osthaus’ Vision einer Verbindung von Kunst und Leben einen künstlerischen und historischen Höhepunkt. Auch seine direkte Ansprache und Förderung bedeutender Künstler lassen ihn als einen der wichtigsten Propagandisten moderner Kunst in Deutschland erscheinen.

Paula Modersohn-Becker war eine der Profiteure. Die Malerin, die nach einem Besuch in Hagen 1905 wenige Monate vor ihrem Tod von Osthaus und den von ihm ausgewählten Gemälden, darunter Pierre-Auguste Renoirs kleinformatigem „Blick von Haut-Cagnes aufs Meer“, schwärmte, stand selbst auf seiner Ankaufsliste. Das „Mädchen mit Lamm“ aus der Zeit um 1904 ist heute in Würzburg zu sehen. Der Norddeutsche Emil Nolde lernte Osthaus 1906 während seiner kurzen Mitgliedschaft bei der „Brücke“ kennen und erhielt von ihm ein Arbeitsstipendium in Soest vermittelt.

Überhaupt nehmen die Anhänger der Dresdner Künstlervereinigung einen großen Raum in der Sammlung ein. Ob Erich Heckel, die erdige Malerei Otto Muellers, Karl Schmidt-Rottluffs buntfarbige und konturenstarke Stillleben oder vor allem natürlich Ernst Ludwig Kirchner – alle wichtigen Namen sind mit repräsentativen Werken vertreten. Besonderes Interesse verdienen die Künstlerportraits. Kirchner malte 1908 Heckel mit Mantel und Hut als Spaziergänger im Park, vier Jahre später die Künstlergruppe mit zwei Musen und einigen schemenhaften Menschen im Hintergrund, die an Badende im Schilf erinnern. Der geistige Führer selbst räkelt sich in der Mitte auf dem Sofa, ganz unkünstlerisch mit neuem Selbstverständnis als ein gewöhnlicher Mensch, der nicht immer nur malt. 1917 revanchiert sich Heckel, charakterisiert Kirchner als unsicheren, vom Krieg gezeichneten Fremdkörper seiner Selbst. Der Halt ist verloren, auch die „Brücke“ bereits seit vier Jahren Geschichte.

In München beim „Blauen Reiter“ scheint es etwas geregelter zuzugehen. Beruhigt sind die Formen, teils menschenleer die Sujets, daher absoluter wirkend. Konsequent ist denn auch, dass die Malerei selbst ungegenständlicher wird. Von Bildern wie August Mackes „Helle Frauen vor Hutladen“ aus dem Jahr 1913 zu den Konstruktivisten ist es kein großer Schritt mehr, wenngleich noch sehr bewusst Überlegungen zur Wiedergabe des Themas angestellt werden, die sich beispielsweise in einer starken Untersicht niederschlagen. Franz Marcs „Kleine Komposition III“ von 1913/14 ergeht sich vollständig in einer Gliederung und Verschränkung verschiedener Form- und Farbmuster miteinander.

An einem Altmeister der Moderne, Christian Rohlfs, fand Osthaus besonderen Gefallen. Er berief ihn 1901 vorsorglich als Leiter der geplanten, dann aber nicht realisierten Malschule nach Hagen und stellte ihm eine kleine Atelierwohnung im Museum zur Verfügung, wo Rohlfs bis zu seinem Tod 1938 lebte und arbeitete. Aus dieser Zeit stammen einige seiner charakteristischen Werke, unter anderem aus dem letzten Lebensjahr. Er fand, abseits der Strömungen, seinen unverwechselbaren Stil, der sich mit Gattungsbegriffen kaum mehr als umschreiben lässt. Keiner der genannten Künstler bezieht die Malfläche so unmittelbar in den Malprozess mit ein wie er. Die rauen Blätter und Leinwände werden aufgekratzt wie in einer „Blauen Mondnacht“ von 1937 oder bei den Ölgemälden auf Leinwand nur von einer dünnen Malschicht überstrichen, so dass er eine fast plastische Wirkung erreicht.

Am wenigstens passt die eingangs zitierte Formel Noldes auf Lyonel Feiningers Hauptschaffen. Drei Gemälde aus der Sammlung Osthaus’ sind repräsentativ für seine gesamte künstlerische Laufbahn. Er beginnt zwar mit „expressionistisch“ bezeichneten Gemälden voller bunter Farben und perspektivischer Verkürzungen. „Am Quai“ von 1908 ist gleichsam eine Hommage an seine frühere Tätigkeit als Karikaturist, bevor er erst mit 36 Jahren die Malerei aufnahm. Doch dann geht er dazu über, seine Sujets, meist Architekturlandschaften, zu tektonischen Gebilden umzuformulieren, die wie mit Lineal und Zirkel gezogen erscheinen. Seinem „Gaberndorf I“ von 1921 wohnt eine Monumentalität und transzendentale Wirkung inne, die nur schwer mit den meist antiromantischen Haltungen seiner Zeitgenossen vereinbar ist.

So wird denn auch der zeitliche Abschluss der Schau durch diesseitsgewendete Künstler der Neuen Sachlichkeit bestritten. Alexander Kanoldt, Eberhard Viegener und Otto Dix kommen hier zum Zuge, letzterer mit seinem bekannten „Selbstbildnis mit Muse“ von 1924, dem genauen Gegenteil einer idealisierenden Künstlerverklärung im altmeisterlichen Sinne. Dix wirkt wie ein Arzt – beim Anblick der großen Hände könnte man freilich auch an einen Handwerker denken –, der seine Sujets seziert. Und zum Schluss: Max Beckmann. Seine aus dem Leben gegriffene „Dame mit Hut und Schleier“ entstand 1941 mitten in einer Zeit, in der das Lebenswerk des Karl Ernst Osthaus bereits den Mühlen der Barbarei zum Opfer fiel. Was uns heute Quintessenz und Höhepunkt einer Epoche vor Augen führt, landete damals auf dem Scheiterhaufen der sogenannten „Entarteten Kunst“.

Die Ausstellung „Von Renoir bis Feininger – Meisterwerke der klassischen Moderne aus dem Karl Ernst Osthaus Museum Hagen“ ist noch bis zum 28. Januar zu sehen. Geöffnet ist dienstags von 13 bis 18 Uhr, mittwochs, freitags, samstags, sonntags und feiertags von 11 bis 18 Uhr, und donnerstags von 11 bis 19 Uhr. Der Eintritt beträgt 3,50 Euro, ermäßigt 3 Euro.

Kontakt:

Museum im Kulturspeicher

Oskar-Laredo-Platz 1

DE-97080 Würzburg

Telefon:+49 (0931) 322 250

Telefax:+49 (0931) 322 25 18



08.01.2007

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 27

Seiten: 1  •  2  •  3

Events (1)Adressen (1)Berichte (5)Variabilder (5)Künstler (15)

Veranstaltung vom:


25.11.2006, Von Renoir bis Feininger - Meisterwerke der klassischen Moderne aus dem Karl Ernst Osthaus Museum Hagen

Bei:


Museum im Kulturspreicher Würzburg

Bericht:


Ein deutscher Mäzen und ein japanischer Krupp

Bericht:


Eine Willkommenskultur des Aufbegehrens

Bericht:


90 Jahre Museum Folkwang und sein Museumsverein

Bericht:


Hagener Osthaus-Museum in Heidenheim

Bericht:


Hagener Osthaus-Museum in Neuss angelangt

Variabilder:

Otto Mueller, Mädchen am Wasser, um 1926
Otto Mueller, Mädchen am Wasser, um 1926

Variabilder:

Pierre-Auguste Renoir, Blick von Haut-Cagnes aufs Meer, nach 1903
Pierre-Auguste Renoir, Blick von Haut-Cagnes aufs Meer, nach 1903







Otto Mueller, Mädchen am Wasser, um 1926

Otto Mueller, Mädchen am Wasser, um 1926

Pierre-Auguste Renoir, Blick von Haut-Cagnes aufs Meer, nach 1903

Pierre-Auguste Renoir, Blick von Haut-Cagnes aufs Meer, nach 1903

August Macke, Helle Frauen vor dem Hutladen, 1913

August Macke, Helle Frauen vor dem Hutladen, 1913

Franz Marc, Kleine Komposition III, 1913/14

Franz Marc, Kleine Komposition III, 1913/14

Paula Modersohn-Becker, Mädchen mit Lamm (Brustbild eines Mädchens mit Lamm im Arm), um 1904

Paula Modersohn-Becker, Mädchen mit Lamm (Brustbild eines Mädchens mit Lamm im Arm), um 1904




Copyright © '99-'2022
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce