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Düsseldorf zeigt Picassos Spätwerk

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Viele beginnen furios, halten dann aber letztendlich nicht durch. Nach Auflösung der Künstlergruppe „Brücke“ lässt die originelle Schaffenskraft ihrer Exponenten merklich nach, andere dagegen wie William Turner, Paul Klee oder Rembrandt können ein glanzvolles Spätwerk vorweisen. Wie epochal jenes von Pablo Picasso heute jedoch bewertet werden muss, führt derzeit eine grandiose Schau in der Düsseldorfer Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen wider alle bisherigen Vorurteile vor Augen. Strotzend vor Selbstbewusstsein eröffnet das „Frühstück im Grünen“ des Jahres 1960 als erstes Bild, wie selbstsicher Pablo Picasso dem Vorbild Edouard Manets eigene Sichtweisen entgegensetzt. Wuchtvolle Gesten, das zugespitzte Eigenleben von Gegenständen sowie plakative Farbzonen beherrschen das große Format. Wenige Schritte weiter stellt sich der Maler im „Großen Profil“ von 1963 persönlich vor: Augen und Ohren sind um die Ecke gelegt und damit zu unterschiedlichen Blickwinkeln befähigt. „Dem Maler und seinen Modellen“ begegnet man im Folgenden ebenso mehrfach wie Aktdarstellungen.



Seit dem Jahr 1963 herrscht die motivische Beschränkung auf Figuren, Paare und Liebesszenen vor. Wilde Gebärden zeugen im fortschreitenden, weitgehend chronologisch gehaltenen Parcours in K20 am Grabbeplatz von der ansteigenden Malgeschwindigkeit. Kühn abgekürzte, offene Bildlösungen bewirken ein formales Aufbrechen mit dynamisierenden Effekten. Immer breitere Pinselstriche des beständig schnelleren Malprozesses gestalten die großzügig bemessenen Farbflächen. Die Ausformulierung konzentriert sich auf bestimmte Details wie Finger, Zehen, Brüste, wie exemplarisch der „Liegende Akt” aus dem Jahr 1968 offenbart. Picasso korrigiert nie. Er variiert, bietet Möglichkeiten an, interessiert sich nicht für finale Lösungen. Immer radikaler ergeht er sich in einem Schaffensrausch und unwirschen, dennoch starken Fassungen. Er bevorzugt leuchtende Farben, helles Rot, tiefes Blau, warme Grün- oder Rosabstufungen. Grau und Weiß weiten sich mit den Jahren aus.

Immer bizarrer mutieren die Gesichter der Liebespaare, einem Lieblingsmotiv, vor dem sich Picasso 1970 im flauschigen, kanariengelben Bademantel im Atelier seines Landhauses „Notre-Dame-de-Vie“ bei Cannes ablichten lässt. Immer weniger lässt sich das Durcheinander von Leibern und ihren Teilen identifizieren. Als Sinnbild von Männlichkeit und Kraft taucht der Torero oder der Musketier auf. Doch im Gegensatz zu früheren Schaffensabschnitten mit den vielen Stilwechseln ist nun eine gleich bleibende Ausdrucksart festzustellen. Neben aller Zerfetzung und Aufgabe jeglicher Tektonik sind weitere Konstanten, etwa die stets nach rechts orientierten Köpfe und nach links ausgerichteten Beine sowie die durchweg recht voluminösen Formate, konstitutiv.

Je näher Picassos Tod rückt, desto weiter werden einfarbige Partien ausgedehnt, das Maltempo aufgrund eines scheinbar unstillbaren Mitteilungsdranges forciert. Nimmermüde, durchdrungen von einer ungebrochenen Schöpfungskraft und pausenloser Arbeitswut kämpft der Maler gegen sein unausweichliches Ende an. In der Abgeschiedenheit von Mougins bei Cannes, jenem Ort, in dem sich der 80jährige mit seiner letzten Muse Jacqueline Roque zurückzieht, gesteht er im straff eingeteilten Zeitplan allen Sparten das gleiche Quantum zu, egal ob es sich um Zeichnungen, Plastiken oder Ölgemälde handelt. Bei letzteren sind Aufwand und Organisation natürlich ungleich größer als beim Zeichnen. Folglich kann Picasso die Gemälde nicht so detailliert ausarbeiten. Auch das Auftreten einer größeren Personenschar in seinen Grafiken hat ursächlich mit diesem künstlerischen Ankämpfen gegen die verrinnende Zeit zu tun.

Das Verdienst dieser Ausstellung in K20 besteht in der ausgeprägten Dialektik zwischen dem späten Maler und dem späten Zeichner. Neben den über 60 Gemälden vereint die Präsentation 30 Zeichnungen sowie 60 Radierungen aus der 1968 im Schaffensrausch weniger Monate entstandenen „Suite 347“ und aus der 1970 realisierten „Suite 156“. Beide signalisieren in ihrem riesigem Ideen- und Variationsreichtum, ihrer technischen Virtuosität und Experimentierfreude den hohen Stellenwert der Grafik in Picassos Schaffen. Natürlich kreist er auch hier wieder um das Thema der Erotik. Aber neben jungen, sinnlichen Frauen erscheinen auch ältere, vom Verfall gekennzeichnete Kreaturen, die in narrative Szenerien eingebunden sind, ergänzt um Motive aus der Zirkuswelt, Orientalen oder Musketieren. Offener als in der Malerei spielen spöttische Elemente oder Anspielungen auf sein Alter mit hinein.

Dem wild malenden Picasso steht gleichberechtigt ein zeichnender gegenüber. Er besticht durch unglaubliche, reflektierende Genauigkeiten, außerordentliche Detailfreude und Akribie, die speziell die fabulierenden Radierarbeiten auszeichnen. Sie offenbaren explizit die oft in Frage gestellte sichere, spontane, kraftbestimmte Strichführung des Künstlers bis ins hohe Alter. Um Geschwindigkeit geht es ihm in der letzten Schaffensphase auch bei seinen plastischen Arbeiten, von denen acht in die Schau eingestreut sind. Aus Papier oder Karton fertigt Picasso Modelle für „Klappskulpturen“, die Handwerker anschließend aus Blech schneiden. Einige Skulpturen werden danach bemalt, die „Personnage (Enfant)“ modelliert, indem er angeblich das Gerüst mit Ton bewirft.

Fasziniert durchschreitet der Kunstfreund eine Ausstellung, in der ein 90jähriger in geradezu beängstigender Energie und Kreativität variierend reflektiert, was die Zeit in ihm verspüren lässt. Risikobereitschaft und Mut bringen es naturgemäß mit sich, dass ein qualitatives Berauf und Bergab für den kundigen Seher auch hier nicht verborgen bleiben kann. Die Inszenierung von Personen und Gegenständen, die Verwendung von Farben oder Anordnung von Linienfragmenten lassen durchaus starke qualitative Differenzierungen zu Trage treten, die den pädagogischen Intentionen, das Sehen zu schulen, durchaus entgegen kommen.

Amourös wie grob zeigt sich auch Pablo Picassos Gemälde vom 1. Juni 1972, „Die Umarmung“. Zu einer Pyramide aufgebäumt sieht man in das Knäuel eines liebenden Paares, versunken in höchster Lust vor dem Hintergrund einer blauen Welle, die jeden Augenblick die Szene zu überschlagen scheint, eine letzte drastische Aussage im Endzeitbild. Kurz vor seinem Tod am 8. April 1973 im Alter von 91 Jahren aufgrund einer verschleppten Erkältung richtet er noch einmal den Blick auf sich selbst. Sein Porträt vom 12. November 1972 zeigt ihn mit dunklen Augenhöhlen und durchscheinenden Schädel. Es kennzeichnet die Angst vor dem was nun kommt.

Die Ausstellung „Picasso. Malen gegen die Zeit“ ist noch bis zum 28. Mai zu besichtigen. Geöffnet ist täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, samstags, sonntags und feiertags ab 11 Uhr und jeden ersten Mittwoch im Monat bis 22 Uhr. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 8 Euro. Zur Ausstellung ist ein umgangreicher Katalog erschienen, der im Museumsshop 29 Euro kostet.

www.picasso-k20.de

Kontakt:

K20 - Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

Grabbeplatz 5

DE-40213 Düsseldorf

Telefon:+49 (0211) 83 81 0

Telefax:+49 (0211) 83 81 201

E-Mail: info@kunstsammlung.de



21.02.2007

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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