Lothar Buchheim gestorben Der Autor, Verleger, Galerist, Maler und Kunstsammler Lothar-Günther Buchheim ist tot. Das Allround-Talent starb am vergangenen Donnerstag im Alter von 89 Jahren an Herzversagen. Sein wohl berühmtestes Werk schuf der in 1918 in Weimar geborene Buchheim als Schriftsteller: Der 1973 erschienene Roman „Das Boot“ wurde in 18 Sprachen übersetzt, zum Bestseller und in der viel gerühmten Verfilmung von Wolfgang Petersen auch zum Kassenschlager. Hierin schrieb Buchheim seine Erlebnisse als U-Boot-Berichterstatter im Zweiten Weltkrieg nieder. 1995 folgte mit „Die Festung“ der zweite große Roman über die Kriegszeit. Die erste Begegnung mit der bildenden Kunst kam durch seine Mutter, die Malerin Charlotte Buchheim, zustande. Von ihr erlernte den Umgang mit Zeichenstift und Pinsel. Sein kurzes Kunststudium absolvierte er 1939/40 an den Akademien in Dresden und München, bevor er Kriegsberichterstatter bei der Marine wurde. Auch während des Krieges entstanden Hunderte von Zeichnungen, Aquarellen, Fotos und Buchmanuskripte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete Lothar-Günther Buchheim 1945 die „Kunsthandwerklichen Werkstätten“ in Feldafing am Starnberger See. Die oberbayrische Landschaft wurde ihm zur Heimat und zum Motivrepertoire. 1949 eröffnete er dann eine Kunstgalerie in Frankfurt am Main. Hier zeigte er die während der Nazi-Zeit diffamierten Künstler des deutschen Expressionismus oder auch als einer der ersten im Nachkriegsdeutschland die französische Avantgarde mit Pablo Picasso oder Georges Braque. Im „Buchheim-Verlag“ erschienen bis 1967 von ihm selbst verfasste Kunstbücher, etwa zu den Künstlergemeinschaften „Brücke“ oder „Der Blaue Reiter“, zu Otto Mueller oder Max Beckmann. Es folgten Reisen nach Frankreich, Italien, Spanien, Mexiko, Afrika oder auch in die Sowjetunion, die er als Maler, Schriftsteller und Fotograf reflektiert. 1992 wird er zum Ehrenbürger der Stadt Chemnitz, in der er seine Jugend verbrachte. Die Ehrenbürgerwürde gab der streitbare Buchheim 2001 zurück, als im Chemnitzer Schlossbergmuseum eine Ausstellung mit seinen Bildern wegen angeblicher Kriegsverherrlichung abgesagt wurde.
Lothar-Günther Buchheims Leben war auch von seiner ausufernden Sammelleidenschaft geprägt. Schon als Junge begann er Dinge, die ihm gefielen, um sich zu versammeln. So legte er bereits zur Nazi-Zeit den Grundstock für seine auf 200 Millionen Euro geschätzte, rund 400 Werke umfassende Expressionisten-Kollektion, die er hauptsächlich in den 1950er Jahren ausbaute, als diese Kunst noch günstig zu haben war. Buchheim ging es dabei auch um eine Rehabilitierung der als „entartet“ gebrandmarkten Kunst. Sie bildet den Kern des im Mai 2001 eröffneten „Museums der Phantasie“ in Bernried, ein Bau des Architekten Günter Behnisch. Hier ist aber nicht nur Buchheims Kunstsammlung untergebracht, sondern auch die vielfältigen anderen Dinge, mit denen er sich umgab: Kunsthandwerk aus aller Welt, bayerische Volkskunst, Kultgegenstände aus Afrika und anderen außereuropäischen Ländern sowie Kuriositäten vom Schaukelpferd bis zu den Collagen aus gepresstem Herbstlaub seiner Frau Diethild und schließlich auch die eigenen Werke Buchheims. |