Unvermutete Architekturjuwelen Asmaras Wie viel Unbekanntes es immer noch zu entdecken gibt, zeigt Asmara, der 2.500 Meter hoch gelegene Regierungssitz des ostafrikanischen Eritrea. Einst Hauptstadt der italienischen Kolonie wurde sie nach Mussolinis Machtergreifung 1922 zu einer modernen Großstadt nach europäischem Muster ausgebaut. Als Teil des italienischen Imperiums und Ausgangspunkt für den Abessinienfeldzug erfuhr Asmara eine gewaltige Erweiterung im Sinne der „architettura razionale“ der italienischen Moderne der 1920er und 1930er Jahre. Mit der schematischen, großmaßstäblichen Stadtplanung und modernen Organisation errichteten junge italienische Architekten neue Verwaltungsgebäude, Schulen, Fabriken, Kinos, Tankstellen, Villen, Wohnbauten, in denen sich alle aktuellen stilistischen Strömungen spiegeln. Das architektonische Juwel Asmara beleuchtet nun mit Modellen, Fotografien und Zeichnungen eine Ausstellung im Deutschen Architektur Museum in Frankfurt.
Die Vielgestaltigkeit der Moderne demonstrieren Objekte im italienischen Jugendstil, Neobarock, Neoklassizismus, Monumentalismus. Auch vom „Novecento“ oder „Futurismo“ inspirierte Projekte faszinieren noch heute durch die Exaktheit der herausgeschnittenen Formen, durch schwungvolle Dynamik, Eleganz des Art Déco mit leuchtenden Farbfassungen und moderner Technik. Die Bezugnahme auf geometrische Grundelemente eint in diesem Schmelztiegel auch lokale Einflüsse. Die 1938 erbaute Fiat-Tagliero-Tankstelle mit ihrer linear auf- und ausragenden, an einen Flieger erinnernden Formensprache gilt als bestes Beispiel futuristischer Architektur in Afrika.
Nach der Eroberung durch die Briten 1941 blieb die Stadt von den nachfolgenden kriegerischen Verwerfungen verschont. Seit 1991 fungiert sie als Hauptstadt des unabhängigen Eritrea. Die Bestrebungen zum Erhalt dieses weltweit bedeutenden Ensembles der Architektur der Moderne, das auf einer Stufe steht mit denen in Tel Aviv, Miami South Beach und Napier in Neuseeland, sollen in der Anerkennung als UNESCO-Weltkulturerbe münden.
Die Ausstellung „Asmara. Afrikas heimliche Hauptstadt der Moderne“ ist noch bis zum 15. April im Deutschen Architekturmuseum zu Frankfurt zu besichtigen. Geöffnet ist täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr. Der Eintritt beträgt 6, ermäßigt 3 Euro. Zur Ausstellung sind zwei Publikationen und die DVD „City of Dreams“ erschienen. Sie kosten an der Museumskasse 38 bzw. 16 Euro sowie 40 Euro für die DVD.
Deutsches Architektur Museum
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