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Yves Klein im Wiener Museum Moderner Kunst

Die blaue Revolution



Nur acht Jahre dauerte die Karriere von Yves Klein, jenem Künstler, der 1928 in eine Künstlerfamilie geboren wurde und mit 34 Jahren an einem Herzanfall starb. Sein früher Tod mag den Mythos um das „letzte avantgardistische Künstlergenie“, wie Klein vielfach bezeichnet wurde, noch vermehrt haben. Klein strebte nach höchster Anerkennung, seine Ausstellungen sollten der „größte Erfolg des Jahrhunderts“ werden. Kleins Bereitschaft, für Anerkennung bis zum Äußersten zu gehen, scheint mit seinem frühzeitigen Ableben belegt und bringt ihm seit Jahrzehnten anhaltende Bewunderung ein. Auch im beginnenden 21ten Jahrhundert reißt die Kette der Ausstellungen in hervorragenden Kulturinstitutionen, die das Œuvre von Yves Klein präsentieren, nicht ab: allein in den vergangenen sieben Jahren gab es bedeutende Einzelpräsentationen in Prato, Köln, Frankfurt, Wien, Bilbao, Wiesbaden und New York. Derzeit widmet ihm das Wiener Museum Moderner Kunst – kurz MUMOK – unter dem Titel „Yves Klein – Die blaue Revolution“, eine umfassende Retrospektive, die in Zusammenarbeit mit dem Pariser Centre Pompidou realisiert wurde.



Yves Klein nahm für sich in Anspruch, als erster die Monochromie in den künstlerischen Prozess eingeführt zu haben. Er war ein Konzeptkünstler, bevor es diesen Begriff gab, und signierte in ganz jungen Jahren den Himmel. Sein erstes monochromes Werk, wie er später sagen wird. Mit selbstbewusster, oft pathetischer Geste vermochte Klein sich die Welt anzueignen, etwa wenn er ankündigte, eines seiner zukünftigen Werke werde „Die blaue Revolution“ heißen und ganz Frankreich als Malgrund beanspruchen. Monochromie war für ihn eine Möglichkeit, expressionistische und subjektive Charakteristika in der Kunst zurückzudrängen, um die Disposition für grundlegende Erfahrungen der alltäglichen Umgebung, des Sehens, Denkens und Fühlens zu wecken.

1957 fand er, über den Umweg von gelben, grünen, roten monochromen Bildern zu seinem unverfälschten Blau, zu der Farbe, mit der er berühmt wurde und mit der er sich in Anlehnung an Eugène Delacroix dem „Undefinierbaren“ nähern wollte. Er wählte Blau, für ihn die abstrakteste aller Farben, gleichzeitig eine, die - nicht zuletzt als Farbe des Himmels – traditionell mit Vorstellungen von Transzendenz, Unendlichkeit, Distanz oder Sehnsucht verbunden ist. Das „Internationale Klein Blau“, „IKB“, wurde für den Künstler, der sich in der Rolle des Mystikers und Alchemisten gefiel, zum universellen Prinzip und marktstrategischen Konzept. Die Farbe Blau, später auch Rosa und Gold, war für ihn der Inbegriff der Immaterialität und auch „materialisierte Sensibilität“.

Die unterschiedlichen Ausprägungen dieses einen Farbtons begegnen dem Betrachter in der Wiener Retrospektive auf Schritt und Tritt: in den blauen Monochromen, den Schwammbildern, den blau gefassten Gegenständen oder der fotografischen Dokumentation von 1001 „IKB-Ballons“, die Klein als vom Sockel befreite Skulpturen in den Himmel aufsteigen ließ. Herausragend sind im MUMOK eine konzentrierte Auswahl mit mehreren späten Monochromen, die Klein in den Jahren 1960 bis 1961 schuf.

Kleins Schaffen geht allerdings weit über diesen bekannten Werkkomplex hinaus. Dass es wesentlich vielfältiger war, versucht die Wiener Präsentation auf mehreren Ebenen in einem abwechslungsreichen Ausstellungsparcours zu vermitteln. Yves Klein hat sich von Anfang an eines großen Spektrums bildnerischer Medien bedient. Neben Bildern und plastischen Werken umfasst sein Œuvre Arbeiten in den Bereichen der Musik, der Fotografie und des Films, sowie Konzepte für Theater und Tanz. Darüber hinaus setzte er richtungsweisende Schritte zur Erweiterung des Kunstbegriffs ins Performative und Konzeptuelle. Zu diesen zählen seine teilweise vor Publikum sowie für Foto und Film inszenierten Malaktionen mit „lebenden Pinseln“, die Anthropometrien, seine Präsentationen beziehungsweise der Verkauf „immaterieller malerischer Sensibilität“, aber auch seine utopischen Architekturvisionen.

Im Zentrum von Kleins Kunstbegriff steht die Überzeugung, dass die Aufladung mit „malerischer Sensibilität“ das sei, was eine Schöpfung zum Kunstwerk mache, und der Künstler derjenige, der diese Sensibilität im Kunstwerk zur Manifestation bringen könne. Kleins revolutionärster künstlerischer Schritt war schließlich die Behauptung, diese „malerische Sensibilität“ auch in immaterieller Form, das heißt ohne materiellen Träger, im Raum abbilden zu können. Mit der leeren Galerie Iris Clert im Jahr 1958 und dem „weißen Raum“ von 1961 setzte er die Auflösung des Kunstwerks in Szene. All das wurde damals ebenso als Provokation aufgefasst wie die Herausgabe der „Eintageszeitung“ „Dimanche“ mit dem Foto seines „Sprungs in die Leere“ am Cover oder seine „Symphonie Monotone-Silence“, die allein aus dem D-Dur Akkord besteht, gefolgt von einer Periode der Stille. Die in der Ausstellung präsentierten Relikte dieser Aktionen können allerdings nur schwerlich eine Vorstellung von der intendierten Provokation aufkommen lassen, mit der Yves Klein sein Publikum reizte.

„Die Tatsache, dass ich als Maler existiere, wird die herausragende malerische Arbeit dieser Zeit sein“, sagte Yves Klein selbstbewusst. Der Maler solle als „Generator ständiger Strahlung“ die Atmosphäre mit seiner „gesamten malerischen Präsenz durchtränken“. Im Mittelpunkt der Wiener Schau steht deshalb konsequent der Künstler selbst. Sie präsentiert das facettenreiche Bild eines wagemutigen Autodidakten, der es unübertrefflich verstand, sich und seine Arbeit meisterhaft in Szene zu setzen. Klein integrierte von Zen inspiriertes Judo und Geheimlehren in seine glamourösen Selbstinszenierungen. Seine Hochzeit mit Rotraut Uecker gestaltete er wie eine künstlerische Performance und die Zusammenarbeit mit den Fotografen Charles Wilp und Harry Shunk war Ausdruck seiner andauernden Bemühung um eine perfekte Inszenierung seines öffentlichen Erscheinungsbildes. Stets korrekt gekleidet und virtuos aufs Lichtbild gebannt, trennte Klein nicht zwischen Kunst und privatem Leben. Es überrascht, dass der unbekümmerte Einbezug spiritueller Aspekte und die pathetischen Gesten bis heute nicht an seiner Unantastbarkeit gekratzt haben.

Ein für die Wiener Präsentation zusätzlich konzipierter kleiner Ausstellungsteil verweist auf die Bezüge von Kleins Schaffen zur österreichischen Kunst der 1950er und 1960er Jahre. „Die von Yves Klein so wesentlich mitinitiierte und mitgetragene Überschreitung der traditionellen Grenzen von Malerei und Skulptur zugunsten ‚direkter’ Arbeit mit realen Substanzen, Objekten und vor allem auch mit dem menschlichen Körper“, schreibt die Kuratorin der Ausstellung Eva Badura-Triska in ihrem Katalogbeitrag, „wurde hier sogar in besonders konsequenter Form vollzogen – insbesondere von jenen Künstlern, die heute unter dem Begriff Wiener Aktionismus bekannt sind“. Gezeigt werden Werke von Arnulf Rainer, der 1957 in Paris gemeinsam mit Yves Klein in einer Gruppenausstellung vertreten war, von Gerhard Rühm und den Wiener Aktionisten.

Die Ausstellung „Yves Klein. Die blaue Revolution“ ist bis zum 3. Juni zu sehen. Das MUMOK hat täglich von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 7,20 Euro bzw. 6,50 Euro. Der Katalog kostet 39,90 Euro.

Kontakt:

Museum Moderner Kunst - Stiftung Ludwig Wien

Museumsplatz 1

AT-1070 Wien

Telefon:+43 (01) 525 00

Telefax:+43 (01) 525 00 13 00

E-Mail: info@mumok.at

Startseite: www.mumok.at



26.03.2007

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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