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Werner Ruhnau zum 85. Geburtstag

Der spielende Künstlerarchitekt



Wer kennt nicht jene Sorte von Sängern, denen ein Lied zu weltweitem Ruhm verhilft, der später nicht annähernd mehr erreicht wird. Auch in der Bauzunft gibt es Personen, die nahezu ausschließlich mit nur einem grandiosen Entwurf in Verbindung gebracht werden, von dessen weiterem Œuvre aber so gut wie nichts bekannt ist. In diese Gruppe gehört auch Werner Ruhnau. Fällt sein Name, kommt einem sofort das Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen in den Sinn. Insidern fällt vielleicht noch die zu den Olympischen Spielen in München realisierte Spielstraße ein, doch weitere Arbeiten sind erst recht Ruhrgebietsfremden nicht bekannt.



In der Tat: in der Summe von Ruhnaus Werkschaffen findet sich lediglich eine übersichtliche, will sagen bescheidene Zahl realisierter Projekte, die sich zudem auch noch im heimischen Kohlenpott konzentrieren. Am 11. April 2007 vollendete der gebürtige Königsberger seinen 85ten Geburtstag. Aus diesem Anlass zeigt eine Ausstellung im Gelsenkirchener Theater eine Auswahl von seinen Projekten in der Form von Modellen, Plänen, Zeichnungen und Fotografien, wobei das wichtigste Exponat zugleich der Hauptausstellungsraum ist. Ein begleitender Katalog dokumentiert das Schaffen.

Werner Ruhnau gelangt eher zufällig zum Theaterbau. Nach seinem Studium in Danzig, Braunschweig und Karlsruhe und dem Diplom 1950 wird er mit der Ausführung des modernen, von Walter Hämer zurückgelassenen Rasterbaus der Münsteraner Landwirtschaftskammer betraut – seine erste große Aufgabe in den Jahren von 1952 bis 1954. Der moderne Architekturstil des ersten Stahlbetonbaus der Stadt erregt im konservativen Münster viel Aufsehen, so dass sich daraus das nächste Projekt am Ort ergibt, der erste Theaterneubau Deutschlands nach dem Krieg. Bis heute gilt er mit seinem ranglosen Zuschauerraum, dessen ansteigende Arena fast nahtlos in die Balkonreihen übergeht und dessen verglaster Treppenring den Kernbau umgreift, als unübertroffen modern. Ruhnau plant ihn gemeinsam im Team mit Harald Deilmann, Max von Hausen und Ortwin Rave.

Als das Haus 1956 eingeweiht wird, findet gleichzeitig die Grundsteinlegung zum berühmtesten Projekt Ruhnaus statt, dem Gelsenkirchener Musiktheater. Zwar hat das in Münster erfolgreiche Architektenquartett den ersten Preis gewonnen, doch als die Gefahr droht, dass der zweitplazierte Entwurf Fritz Bornemanns realisiert werden soll, überarbeitet Ruhnau im Alleingang alle Pläne und erhält den Auftrag zugesprochen. In Anklang an Ludwig Mies van der Rohes Grundidee des unrealisierten Mannheimer Theaterprojektes aus dem Jahr 1953 schafft Ruhnau ein zur Stadt hin offenes, vollkommen verglastes Foyer. Der imponierende, riesige Glasvorhang macht den Theaterbesucher selbst zum Akteur. Die Passanten werden eingeladen, Hemmschwellen abgebaut. Theater soll ein Teil des Lebens werden. Die Durchlässigkeit spiegelt sich auch in der Gestaltung des 1050 Plätze großen Hauses, wo die Architektur das Gegenüber von Bühne und Zuschauern versucht zu überspielen, indem über die Seitenwänden herabgezogene Ränge die Sitzreihen mehr an die Bühne rücken. Vieles bleibt hier trotzdem aber noch zu unbeweglich und starr.

1958 und 1959 liefert Ruhnau Entwürfe für die Theaterbauvorhaben in Bonn und Düsseldorf. Charakteristisch für sie ist das „Podiumklavier“, eine variable „Kistenlandschaft“ aus Hubquadern, die keine Grenzen mehr zwischen Bühne und Saal, Innen und Außen kennt. Das Gegenüber von Bühne und Auditorium wird zugunsten anderer, experimenteller Formen aufgelöst. Die variablen Topografien erlauben, die Grenzen des Spielraumes in freier Entfaltung mit neu zu definierenden Spielregeln auszutarieren. Im Grunde entwickelt Ruhnau die von Adolphe Appia 1911 für das Festspielhaus Heinrich Tessenows in Hellerau entwickelten Holzkistenelemente weiter. Mehrfach hat Ruhnau in den folgenden Jahrzehnten die Chance, das darstellende Spiel mit dem Raum im Rahmen realisierter „Podiumsklaviere“ zu befördern, so 1978 im Schauspielhaus Frankfurt, im Grillo-Theater Essen zwischen 1986 bis 1990, im Ebert-Bad zu Oberhausen 1989 sowie im Theater der Altmark in Stendal 1992 bis 1996.

Die Autonomie der Regelvorgabe und das Engagement für variable Räume stehen vor allem im Fokus der Spielstraße zu den Olympischen Spielen 1972 in München, die Ruhnau als Architekt und Intendant zusammen mit vielen prominenten Künstlern im Theatron am Olympiasee inszeniert. Sie werden ein Riesenerfolg; die Bürger entdecken öffentliche Räume und nehmen sie für szenische Spiele in Besitz. Auch das ähnlich konstituierte Folkwangfest in der Essener Zeche Karl entwickelt Werner Ruhnau. Er inszeniert und orchestriert gleichzeitig. Er fungiert als Intendant, Künstler, Spieler, Philosoph, Brückenbauer, Vermittler zwischen Ingenieuren, Statikern, Entwerfern und Künstlern.

Ein wesentlicher Grund für die weltweite Reputation des Gelsenkirchener Theaterbaus, mit dem Werner Ruhnau schlagartig international ins Rampenlicht rückt, ist die überaus gelungene Integration von Kunstwerken in die quadratischen Großfiguration des Gesamtkomplexes. Von Anfang an werden Künstler gleichberechtigt mit einbezogen. Norbert Kricke kreiert ein Stahlrelief für die Außenwand des kleinen Hauses, Robert Adams das große Betonrelief an der Kassenhalle, Paul Dierkes die Reliefs an der Rundwand des Auditoriums, Jean Tinguely an den Innenwänden angebrachte, drehende Mobiles im kleinen Haus und natürlich die stark ins Gewicht fallenden, großflächigen blauen Monochromien und Schwammreliefs von Yves Klein im oberen Foyer, die ebenfalls untrennbar mit dem Bau eine Einheit bilden und dem Künstler zu weltweiten Renommee verhelfen.

Ruhnau und Klein verstehen sich nicht nur fantastisch und arbeiten ungewöhnlich kongenial zusammen, sondern sie verbindet auch eine philosophisch-mythische Auffassung von Raum, Zeit, Rhythmus, Klang, Materie und Bewegung. Beide betreiben gemeinsam die Loslösung von tradierten künstlerischen Sprachregelungen zu einer Zeit der Grenzüberschreitungen zwischen den einzelnen Gattungen am Ende der 1950er Jahre. Zusammen entwickeln sie während der Realisierungsphase des Theaters Luftarchitekturen aus Feuer und Wasser. Als Schlusspunkt findet dann am 15. Dezember 1959 die Eröffnung des Gelsenkirchener Theaters statt.

Nach diesem Projekt, für das Ruhnau 750.000 Deutsche Mark als Honorar erhält, herrscht erst einmal Stille. 1961 baut er die Einfamilienhaussiedlung Köln-Lechenich. Es folgen weitere private Wohnhäuser und Siedlungen, darunter die Siedlung Velbert-Offersbusch von 1968 bis 1972 oder die Werkbundsiedlung Oberhausen-Altstaden zwischen 1984 bis 1990 im Kollektiv mit vier Kollegen. Zwischen 1968 und 1972 realisiert er beim Bau des Verwaltungsgebäudes der Fleischfabrik Herta KG in Herten eine klimatisierte Arbeitslandschaft, in die er unter anderem die Künstler Rupprecht Geiger, Ferdinand Kriwet, Norbert Kricke und Wolf Vostell einbindet. 1982 gestaltet er zusammen mit dem Glaskünstler Adolf Luther den Eingangsbereich der Flachglas AG in Gelsenkirchen. Von 1983 bis 1985 baut Ruhnau U-Bahnhöfe in Essen, zwischen 1993 und 1995 ebenfalls U-Bahnhöfe in Mülheim an der Ruhr. 1995 schließt er mit dem letzten großen Projekt, dem Theater in Stendal, seine aktive Bautätigkeit ab. Doch die darstellende Kunst lässt ihn nicht los: „Architektur tanzt“. Unter diesem Motto stehen Spiele in öffentlichen Räumen, die er anlässlich des Kulturhauptstadtjahres 2010 im Ruhrgebiet umsetzen will.

Nicht unerwähnt bleiben sollen seine Gastprofessuren in Kanada zwischen 1965 und 1968. Nach wie vor meldet sich Werner Ruhnau zu Wort in standes- oder baupolitischen Angelegenheiten, kümmert sich aktiv um kulturelle und stadtplanerische Anliegen im Ruhrgebiet und seinem Wohnort Essen. Auch mit 85 Jahren kann der fitte, agile Baumeister das Ein-, Mit- und Aufmischen, das Werben für seine nicht immer bequemen Standpunkte nicht lassen. Werner Ruhnau, der unangepasste Eigenbrödler mit Ecken und Kanten, gehört nach 60 Schaffensjahren zu den selten gewordenen Vertretern der bundesdeutschen Architektenschar, die nicht im Mainstream nach Aufträgen rudern. Ad multos annos!

Die Ausstellung „Werner Ruhnau. Der Raum, das Spiel und die Künste“, mit dem die Stadt Gelsenkirchen und das M:AI – Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW Ruhnau würdigen, ist noch bis zum 24. Juni im Musiktheater zu Gelsenkirchen zu besichtigen. Geöffnet ist täglich von 10 bis 17 Uhr. Der Ausstellungskatalog kostet 29,90 Euro.

Kontakt:

M:AI Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW

Leithestraße 33

DE-45886 Gelsenkirchen

Telefon:+49 (0209) 925 780

Telefax:+49 (0209) 925 78 25

E-Mail: info@mai.nrw.de

Startseite: www.mai-nrw.de



01.06.2007

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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