Max Klinger und der Film in Kiel Nach der Überblicksschau über das Werk Max Klingers in Leipzig und der Beziehung des Künstlers zur Stadt Chemnitz in der sächsischen Industriemetropole zieht nun die Kunsthalle zu Kiel mit einer Ausstellung über Max Klinger und den Film nach. Aus Anlass seines 150sten Geburtstags werden hier drei seiner wichtigsten grafischen Werke mit fünf Filmen der 1920er bis 1960er Jahre konfrontiert. Mit seinen drei Zyklen „Ein Handschuh“, einem frühen, autobiografisch geprägten Hauptwerk von 1881, „Ein Leben“ aus dem Jahr 1884 und dem späten „Zelt“ von 1915 fünf Jahre vor seinem Tod hat Klinger ja selbst so etwas wie filmisch, das heißt bildlich umgesetzte Geschichten erzählt und scheint damit filmische Mittel vorwegzunehmen, etwa abrupte Szenen- und Perspektivwechsel, schwankende Linearität in der Erzählweise, bewusste Unschärfen und offen formulierte Untertitel.
Auch die größtenteils experimentellen Filme in der Ausstellung zeigen diese Merkmale. „Ein Handschuh“ wird den ebenfalls tendenziell autobiografischen Werken „Meshes of the Afternoon“ von Maya Deren, einem experimentellen Kurzfilm von 1943, und „Le Sang d’un poète“ von Jean Cocteau aus dem Jahr 1930 gegenübergestellt, in denen wie bei Klinger das Phantastische zum Alltag wird und der Traum im Mittelpunkt steht. Die Prostitution im gesellschaftskritischen Zyklus „Ein Leben“ ist auch Thema der französischen Stummfilme „Ménilmontant“ von Dimitri Kirsanoff und „La p’tite Lili“ von Alberto Cavalcantis, beide aus der Mitte der 1920er Jahre. Klingers umfangreichstem Zyklus „Zelt“, der in 46 häufig freizügigen Radierungen eine verworrene Liebesgeschichte schildert, steht Roger Vadims Kultfilm „Barbarella“ von 1968 gegenüber, in dem Jane Fonda die erotische Hauptrolle spielt. Der Film gilt als einer der wichtigsten Massenauslöser der sexuellen Revolution der 1970er Jahre.
Die Ausstellung „Max Klinger und der Film“ läuft bis zum 9. September. Die Kieler Kunsthalle hat Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr und Mittwoch zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 4 Euro, ermäßigt 2,60 Euro.
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