Gardar Eide Einarsson im Frankfurter Kunstverein „Liberty“ steht groß auf einer blutroten Fahne, doch sie ist an zwei Nägeln aufgehängt, zum leeren Symbol verkommen, bedeutungslos geworden, die „Freiheit“ kann nur richtig lesen, wer den Kopf zur Seite wendet. Die schlichte Eleganz der Malerei, die dieses Sujet in einen fast fotorealistischen Effekt überträgt, unterstreicht, dass der eigentliche Gehalt der Fahne zum Ästhetizismus, zu einem Schmuckstück einer überfeinerten Gesellschaft geworden ist. Der Norweger Gardar Eide Einarsson hat vielleicht auf der Basis seiner Herkunft aus einem gemütlich scheinenden, an der Peripherie aller Weltereignisse und -probleme liegenden Land keinen Grund zur Lamentation über die Schlechtigkeit der Menschen, doch lebt der 1976 geborene Künstler seit zwei Stipendien des Whitney Museum of American Art 2001/02 und 2002/03 in der Metropole New York, Symbol und Symptom einer Freiheit, die nur allzu leicht in berstende Spannungen und Hohlheit statt Inhalt führen kann.
Auch in Frankfurt war Einarsson einst zu Gast, von 1999 bis 2000 an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste, der Städelschule. Dort setzte er sein 1996 an der Kunstakademie im norwegischen Bergen begonnene Kunstausbildung fort. Und heuer ist er wieder da. Der Frankfurter Kunstverein stellt den jungen Künstler ab heute in einer ersten Einzelausstellung einer breiteren Öffentlichkeit vor. „Südlich des Himmels“ lautet der Titel der Schau, der sich auf eines seiner Schlüsselwerke bezieht, die Videoarbeit „South of Heaven“ aus dem Jahr 2003. Diese und alle anderen Videoarbeiten stehen neben anderen älteren und neuen Werken des Künstlers, der außerdem in den Medien Malerei, Grafik, Fotografie und Installation arbeitet. Schlichte Eleganz gepaart mit der Wahl symbolträchtiger Sujets, die mit bisweilen subtiler, bisweilen unverhohlener Kritik auf die Schwächen menschlicher Gesellschaft verweisen, sind allen seinen Werken zu eigen.
Die Ausstellung „Gardar Eide Einarsson – Südlich des Himmels“ läuft vom 27. Juli bis zum 16. September. Der Frankfurter Kunstverein hat dienstags bis sonntags von 11 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 4 Euro.
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