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Margherita Spiluttini stellt im Architekturzentrum Wien eine Auswahl aus ihrer fotografierten Architekturtopografie Österreichs vor

Atlas Austria



„Das Sichtbare setzt ein Auge voraus. Es ist der Stoff der Beziehung zwischen Gesehenem und Sehendem. Doch ist sich der Sehende, sofern er ein menschliches Wesen ist, dessen bewusst, was sein Auge aufgrund von Zeit und Entfernung nicht sehen kann und niemals sehen wird. Das Sichtbare schließt ihn gleichzeitig ein (weil er sieht) und aus (weil er nicht allgegenwärtig ist). Das Sichtbare besteht für ihn in dem Gesehenen, das seine Existenz bestätigt, selbst wenn es bedrohlich ist, und in dem Unsichtbaren, das dieser Existenz trotzt.“ In seiner gleichermaßen hellsichtigen wie einfühlsamen Beobachtung beschreibt der britische Schriftsteller, Maler und Kunstkritiker John Berger ein Grundphänomen des menschlichen Sehens: die Ambivalenz in Bezug auf das Sichtbare, der er die visuelle Erfahrung der Abwesenheit hinzufügt. „Solchermaßen erzeugt das Sichtbare den Glauben an die Wirklichkeit des Unsichtbaren und provoziert die Entwicklung eines inneren Auges, das bewahrt und versammelt und arrangiert wie in einem Interieur, so als sei das, was gesehen worden ist, auf alle Zeiten teilweise gegen den Hinterhalt des Raumes geschützt, der die Abwesenheit ist.“



Bergers Analyse über das menschliche Sehen aus dem Jahr 1986 findet sich als einer der Textbeiträge in einer bemerkenswerten Publikation über die Fotografin Margherita Spiluttini, die in der Salzburger Edition Fotohof erschienen ist. Der großformatige Band „räumlich“ begleitet eine Ausstellung, die das Wiener Architekturzentrum (AzW) der Fotografin anlässlich ihres 60ten Geburtstages im Herbst dieses Jahres ausgerichtet hat. Auf kongeniale Weise beschreibt Berger ein Phänomen, auf das die österreichische Fotokünstlerin in Gesprächen und Texten selbst wiederholt hingewiesen hat. Ein Foto sei immer auch ein Bild von Abwesenheit, das dazu führe, dass „in jedem Betrachter ein anderes Bild von demselben Foto“ entstünde.

Die 1947 in der Nähe von Salzburg geborene und heute in Wien lebende Margherita Spiluttini gehört zu den bekanntesten Architekturfotografinnen Europas. Die spät berufene Künstlerin, die zunächst eine Ausbildung als medizinisch-technische Assistentin absolvierte und in der nuklearmedizinischen Ambulanz in Wien arbeitete, begann erst in den 1970er Jahren nach der Geburt ihrer Tochter zu fotografieren, zunächst ohne künstlerische Ansprüche. Fotografie in Österreich gab es damals nur als Reportage und als Gewerbe. Es wurde kein Studium an einer Kunstakademie angeboten und es existierte noch keine einzige Fotogalerie. Aus ihrer autobiografischen Beschäftigung mit Fotografie entstanden Spiluttinis erste Reportagen: für die „Stimme der Frau“, ein Magazin der KPÖ, Reportagen für den „Wiener“, auch über Pop Konzerte.

Der eigentliche Beginn ihrer künstlerischen Karriere ist in den 1980er Jahren anzusetzen. Rund um das Forum Stadtpark in Graz formierte sich „Camera Austria“. Mit Symposien und der Zeitschrift begann sich ab 1980 in Österreich ein neues Selbstverständnis der Fotografie zu entwickeln. Für Margherita Spiluttini eröffnete „Camera Austria“ eine völlig neue Dimension ihres eigenen Interesses. „Ausgehend von den amerikanischen New Topographers“, schreibt Dietmar Steiner in seinem Katalogvorwort, „wurde für sie der eigenständige fotografische Wert der Dokumentation des Alltags, des scheinbar Nebensächlichen als selbstständige künstlerische Interpretation erkannt und gefordert.“ Ein Auftrag für den ersten Wiener Architekturführer war Margherita Spiluttinis professioneller Einstieg in die Architekturfotografie. Typisch für den Beginn sind schwarzweiße Aufnahmen, in denen sie, der Strenge der Bildkomposition entsprechend, ein systematisches Raster beibehält.

Immer mehr Architekten engagierten Spiluttini für das fotografische Portfolio ihrer Bauten und erkannten, dass ein „fremder Blick“, ein professionelles Auge auf ihre Bauten ihnen selbst neue Einsichten vermittelte. Anfang der 1990er Jahre begann Margherita Spiluttinis internationale Karriere. Die Lagerhalle Ricola von Herzog & de Meuron in Mulhouse war ihre erste internationale Arbeit. Sie wurde in der Folge zur Hoffotografin des renommierten Schweizer Architekturbüros. Mit ihren Aufnahmen privater und öffentlicher Gebäude von unbekannten als auch gefeierten Architekten ist Margherita Spiluttini viel gefragte Chronistin nationaler wie internationaler Architektur und kann mittlerweile als Klassikerin ihres Fachs bezeichnet werden.

Bereits im Vorjahr wurde die Schau „Atlas Austria“ in Zusammenarbeit zwischen dem spanischen Wohnungsbauministerium und dem AzW für die Madrider Kunstmesse ARCO konzipiert. Aufgrund des Erfolges und der Nachfrage entschloss sich Direktor Dietmar Steiner, die Ausstellung auch in Wien zu zeigen. Da man in den Räumlichkeiten des AzW dem Konzept der 700 Quadratmeter großen Ausstellung in Madrid nicht gerecht werden konnte, beschlossen die Kuratoren, das umfangreiche Werk Spiluttinis mit Hilfe von Diaprojektionen dem Publikum zu präsentieren. Im abgedunkelten Raum der Halle des AzW zeigt Spiluttini in drei visuell und inhaltlich unterschiedlichen Blöcken rund 300 Dias aus ihrem umfangreichen Œuvre.

Während jedoch die gewählte Präsentationsform vor allem den Zwängen der Notwenigkeit folgt, aus dem reichen Konvolut eine überschaubare Auswahl zu treffen, gelingt es vor allem der Publikation, die vielfältigen Facetten des Œuvres von Margherita Spiluttini auf überraschende und damit adäquate Weise zu vereinen. Der sorgsam produzierte Band dokumentiert ihr über 25 Jahre angewachsenes Archiv der Architektur und bietet darüber hinaus eine faszinierende Begegnung mit ihren eigenen, fotografischen Arbeiten, in denen sie aus der hektischen Auftragsarbeit ausschert. Architekturfotografien verschiedenster Auftragsgeber, Innen- und Außenansichten des Hauses Wittgenstein, die Wohnräume von Margarete Schütte-Lihotzky, zahlreiche Museumsbauten, Kirchen, Produktions- und Lagergebäude, Wohnungsinterieurs, Aufnahmen von militärischen Gedenkstätten oder einer Baggerteichsiedlung und die umfangreiche Fotoserie „Alpen“ werden nicht zeitlich chronologisch und thematisch getrennt voneinander präsentiert, stattdessen reihen sich Projekte und Bilder in loser Folge aneinander.

Die sowohl im Katalog als auch in der Ausstellung modifizierten Themenkreise eröffnen unterschiedliche Zugangsweisen zum Abgebildeten, zum Abbildungsprozess, aber vor allem zum Bild beziehungsweise zu einzelnen Motiven, werden assoziativ gegenübergestellt und von der Urheberin in einer subjektiven Auswahl und in eine Ordnung gebracht. Die unkonventionelle, in spannungsreichen Dialog gebrachte Abfolge macht vor allem ein Charakteristikum von Margherita Spiluttinis Arbeit deutlich: ihre außergewöhnliche Auffassungsgabe für Gegensätze im Raum, die sich im Bild steigern.

Dabei ist Margherita Spiluttinis Ansatz ein denkbar unprätentiöser: anders als etwas die von ihr verehrte Fotografin Lucca Chmel, deren Wirken im Österreich der fünfziger und sechziger Jahre prägend war, verzichtet Margherita Spiluttini darauf, Architektur zu inszenieren. Was sie vorfindet wird abgebildet, auch die zufälligen Graffiti, die sich auf einem Mauerstück finden, Stromleitungen über dem Wiener Parlament werden ebenso wenig kaschiert wie Lichtspiegelungen. In ihrer unverwechselbaren fotografischen „Handschrift“ schenkt sie der Umgebung ebenso viel Beachtung wie dem eigentlichen Objekt. Dass sie widrige Wetterverhältnisse akzeptiert, dass sie zufällige Umgebungen einbezieht, dass sie ihre eigenen Empfindungen beim Fotografieren mitsprechen und sich von Situationen verführen lässt, dass sie Störungen und Unstimmigkeiten produktiv aufnimmt und etwas erzählt von der immer zeitbedingt momentanen Situation, erklärt den subjektiven Faktor ihrer dokumentarischen Fotografie. Dass sie sich in einem nach wie vor von Männern dominierten Genre dazu bekennt, beweist ihre emanzipatorische Kraft.

Die Ausstellung „Margherita Spiluttini. Atlas Austria“ ist noch bis zum 24. September zu sehen. Das Architekturzentrum Wien ist täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 3,50 Euro. Anlässlich der Ausstellung gibt das Architekturzentrum Wien den Bildband „Margherita Spiluttini. Räumlich“ für 56,40 Euro heraus.

Kontakt:

Architekturzentrum Wien

Museumsplatz 1

AT-1070 Wien

Telefon:+43 (01) 522 31 15

Telefax:+43 (01) 522 31 17

E-Mail: office@azw.at

Startseite: www.azw.at



07.09.2007

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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