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Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Bonn versucht, Wolf Vostell zum 75sten Geburtstag zu ehren

Meine Kunst ist der ewige Widerstand gegen den Tod



Am 14. Oktober wäre er 75 Jahre alt geworden. Grund genug, sich an den Happening- und Fluxuskünstler Wolf Vostell (1932-1998) mit einigen Ausstellungen zu erinnern. Das Rheinische Landesmuseum in Bonn macht den Anfang und zeigt einen wenig repräsentativen Querschnitt seines höchst abwechslungsreichen Schaffens. Die aufwendige, aber völlig unstrukturierte Architektur des Museums macht Ausstellungen schwer. Das Haus ist durch einen großen Treppenaufgang geteilt. Zudem muss man von Etage zu Etage laufen, um zwischen rheinischem Informel und der Neuen Sachlichkeit nach Wolf Vostell zu suchen. Schwierig genug den Raum zu finden, in denen wichtige Werke Vostells zusammengetragen wurden, wie zum Beispiel der New York chair, in dessen Sitzfläche ein Monitor eingelassen ist, der leider nur Schnee zeigt. Auch das ist für den Besucher ärgerlich. Nach Auskunft von Rafael Vostell, einem der Söhne, hat die Familie keinen Einfluss auf die Gestaltung dieser Ausstellung genommen und ist mit dem Ergebnis auch nur bedingt zufrieden.


Wolf Vostell gehört zu den Künstlern, die im Bewusstsein der Gräuel des Zweiten Weltkrieges nicht tatenlos zusahen, sondern überzeugend mit den Mitteln der Kunst aufbegehrten. Seine Kunst kann als Maßstab für das Verhältnis von Gesellschaft und Kunst angesehen werden. „Meine Kunst“, so Vostell, „hat die Aufgabe, die Menschen gegen Krieg und Folter zu erziehen.“ Daher mischt er sich im Laufe seines Lebens künstlerisch in alles ein, was die Welt negativ bewegt, sei es der Golf- oder der Vietnamkrieg. Vostell gilt schon früh als das „enfant terrible“ der deutschen Kunstszene. Ein politischer Agitator, der mit seinen spektakulären Kunstaktionen immer wieder für Schlagzeilen in der Presse gut ist.

Von 1950 an setzt Wolf Vostell erste künstlerische Ideen um. 1953 beginnt er eine Lithografenlehre und besucht in Wuppertal die Werkkunstschule. Unter dem Eindruck einer Parisreise stellt Vostell 1954 erste Decollagen her. 1955/1956 besucht er die Pariser École National Supérieure des Beaux Arts und 1957 die Kunstakademie Düsseldorf. Hier legt er eine geregelte und fundierte Ausbildung zum Künstler, der mit Material umgehen kann, der Zusammenhänge erkennt, der die Gesellschaft beobachtet – ein Mann, der aus Sympathie für die Juden und als nachträglichen Protest gegen die Judenverfolgung im Dritten Reich die Haartracht der orthodoxen Juden trägt und die traditionelle Kopfbedeckung eigenwillig interpretiert. Vostell der Bürgerschreck, der mit dem amerikanischen Fluxuskünstler Dick Higgins arbeitet, ebenso mit Joseph Beuys und Nam June Paik. Nicht Paik sondern Vostell gilt als der erste Künstler, der Fernseher in seine Kunstwerke integriert, um zu zeigen, wie alltäglich der Alltag selbst im Fernsehen ist.

„Es sind die Dinge, die ihr nicht kennt, die euer Leben verändern“, steht über dem Werk zum Holocaust Memorial von 1988. Eine Stimme vom Tonband wiederholt in einer Endlosschleife die Namen der Opfer, die sich dem Dritten Reich widersetzt haben. 1968 entsteht eines der bekanntesten Werke Vostells, der „Lippenstiftbomber“, dessen Symbolik noch heute, im Schatten von Afghanistan oder dem Irak, von höchster Bedeutung ist. Es scheint in einigen seiner Werke so, als hätte Wolf Vostell Vorahnungen von den großen Untaten in dieser Welt. In seinem Werk „Arc de Paix“ etwa wird der neue Triumphbogen im Pariser Büroviertel La Défense, der in der genauen Achsverbindung zum Arc de Triomphe gebaut wurde, von einem Flugzeug getroffen, respektive steckt ein Linienflugzeug mit seiner Nase tief in einem Turm. Ein zweiter Turm steht daneben. Ein knappes Jahrzehnt später geschieht das Unfassbare; zwei Flugzeuge stürzen sich in die Twin Towers in New York. „Diese Bildfolie“, wie Hans Peter Riese über dieses Werk schreibt, „bekommt man nicht mehr aus dem Kopf.“ Gravierend, auffallend und gut positioniert sind drei „Sara Jevo Fluxus Pianos“ von 1994, die mit Bowlingkugeln, Kettensägen und einem Motorrad von Vostell während einer spektakulären Aktion auf Mallorca bearbeitet werden. Sie zeugen von dem Aktionskünstler, der drei zur Ruhe gekommene Pianos der Nachwelt hinterlassen hat.

Wenn man sich überlegt, mit welcher Präsenz Klaus Honnef zum 60sten Geburtstag Vostells im Rheinischen Landesmuseum eine Retrospektive „nur“ mit Papierarbeiten eingerichtet hat, muss man sich über die schwerlich nachzuvollziehende Ausstellungskonzeption wundern. Sie kommt noch nicht einmal leise daher. Sie gibt sich als Show mit Fixpunkten, die man suchen muss. Obwohl Vostells langjährige Galeristin Inge Baecker aus Köln in die Konzeption mit eingebunden war, wurde hier die Chance vertan, die zweite Hommage an Vostell an der ersten anzulehnen und trotzdem ganz anders zu werden. Doch da nicht alles schlecht ist, was erst mal ärgerlich zu sein scheint, gibt es zwei Dinge, die es herausreißen: folgt man einer der angebotenen Führungen, bekommt man aufschlussreiche Informationen zum Künstler und seinem Werk und profitiert vom Gezeigten. Kauft man sich den Katalog zur Ausstellung, in dem unterschiedliche Autoren, Museumsleute, Galeristen, Kritiker und Theologen zu den gezeigten Werken Stellung bezogen haben, hat man höchst aufschlussreichen Lesestoff.

Am 14. Oktober, Vostells Geburtstag, hat der Kölner Künstler Cornel Wachter, selbst Anhänger der Fluxusbewegung, eine der spektakulären Aktionen Vostells wiederbelebt. 1969 legte Wolf Vostell seinen eigenen fahrbereiten Kadett Kapitän L in einem Betonmantel still. Die Installation mit dem Titel „Ruhender Verkehr“ ist seitdem auf dem Mittelstreifen des Kölner Hohenzollernrings zu sehen. Vostell entschied sich für diese Aktion, weil sie ein Zeitgefühl widerspiegelt. Cornel Wachter setzte nun seinen eigenen elf Jahre alten Mercedes der A-Klasse ein. Auch dieses Auto will Abbild eines Zeitgefühls sein. Rafael Vostell sponserte spezielle T-Shirts für den Nachwuchs von Fortuna Köln, die das Spektakel dekorierten und beteiligte sich an der Erstellung eines kleinen Betonmultiples. Die Miniaturabbildung des „Ruhenden Verkehrs“ für das Bücherregal oder die Vitrine kostet 99 Euro. Gesponsert wurde auch der Beton, der zur Aktion in zwei großen Betonmischern angefahren wurde. Leider nur rund hundert Menschen kamen und sahen sich das Spektakel bei strahlendem Sonnenschein in Bonn an. Bevor das Auto in seiner Verschalung versank, gab der Cornel Wachter noch einige Peinlichkeiten mit ins Betongrab: Briefe des Fußballnachwuchses, die Namen der Sponsoren, eine CD seiner Frau und was ihm sonst noch einfiel. Und was bleibt von all dem übrig: Bonn hat jetzt eine neue Skulptur – Vostell zum Gedenken und das ist gut.

Die Ausstellung „Wolf Vostell – Meine Kunst ist der ewige Widerstand gegen den Tod“ ist bis zum 25. November zu sehen. Das Rheinische Landesmuseum hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 3,50 Euro bzw. 2 Euro. Der Katalog kostet im Museum 20 Euro.

Kontakt:

Rheinisches Landesmuseum Bonn

Colmantstraße 14-16

DE-53115 Bonn

Telefon:+49 (0228) 20 700

Telefax:+49 (0228) 20 70 150



23.10.2007

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Marianne Hoffmann

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Veranstaltung vom:


15.08.2007, Wolf Vostell – Mein Leben ist ein ständiger Kampf gegen den Tod

Bei:


Rheinisches Landesmuseum Bonn

Stilrichtung:


Fluxus

Stilrichtung:


Happening

Bericht:


Inge Baecker bei Flutkatastrophe gestorben

Künstler:


Wolf Vostell










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