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Am Badestrand / Otto Pippel

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Kentaur, 1891/93 / Franz von  Stuck

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Knieende(r), 1907/1908 / Ernst Barlach

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Rückblick: Moderne und zeitgenössische Kunst bei Karl & Faber in München

Ruhe in aufgeregten Zeiten



Schöne, geruhsame Tage verbrachte Erich Heckel im Mai 1914 im niederrheinischen Wasserschloss Dilborn. Wie ein paradiesisches Refugium in unruhiger Zeit musste ihm das gastfreundliche Haus seines Freundes Heinrich Nauen und dessen Frau Marie von Malachowski-Nauen erscheinen, die bereits 1911 einen Flügel des Schlosses bezogen hatten. Große innere Ruhe kennzeichnen denn auch die dort entstandenen Kunstwerke, neben neun Aquarellen und Zeichnungen vor allem rund fünf Ölbilder. Eines davon hatte das Münchner Auktionshaus Karl & Faber Ende November im Angebot, einen schönen Blick in den vor Grün nur so strotzenden Park des 19ten Jahrhunderts. Doch die Idylle kann trügen, gerade erst zieht ein schweres Gewitter ab, der Wind zerrt noch heftig an den Bäumen, dunkle Wolken bedecken den Himmel. Den Schätzpreis für dieses typische Werk des expressionistischen Heckel gab es im Vorfeld nur auf Anfrage. Das Ergebnis allerdings spricht für sich: Bei 670.000 Euro schlug ein Schweizer Sammler zu. Bereits 1971 war das Gemälde durch Karl & Faber in die USA vermittelt worden. Nun also kehrt es nach Europa zurück.


Heckels Gemälde war nur der Höhepunkt einer Abendauktion am 29. November, die strahlende Sieger und eine ziemlich magere Basis hatte. Denn die gut bezahlten Spitzenwerke stachen aus einer losbezogenen Gesamtverkaufsquote von nur gut 45 Prozent heraus und bestätigten einmal mehr die Bedeutung einzelner Höhepunkte für den Gesamteindruck einer Versteigerung. Was gut ist, wird teuer, der Rest bleibt oft liegen. Noch über zwei weitere Werke jenseits der Hunderttausend durften sich Karl & Faber freuen. Gleich zu Beginn engagierte sich vor allem russischer Handel bei Alexander Bogomazows Landschaft mit sitzender Frau aus den frühen 1910er Jahren, einem charakteristischen Werk des russischen Futurismus mit strahlenden Farben und an den Kubismus erinnernden Brechungen. Es ging schließlich für 400.000 Euro an einen Moskauer Händler (Taxe 100.000 bis 120.000 EUR). Und auf 140.000 Euro brachten es Lyonel Feiningers „Sailboats with black sails“ von 1915. Allerdings blieb das bewusst unbeholfen wirkende Ölbild damit deutlich unter dem Preisrahmen von 200.000 bis 300.000 Euro hängen und fand erst nach der Auktion einen Käufer.

Niedriger als erwartet waren auch manch andere Preise. „Am Ursprung der Kunst“ von Adolf Hölzel etwa, in den späten 1920er Jahren wie ein abstraktes Glasfenster auf Karton gebannt, fand sich schon bei 8.500 Euro wieder (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR), Karl Hofers Bodenseelandschaft von 1939 stoppte bei 28.000 Euro (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). 33.000 Euro machten seine drei nackten Mädchen zwischen Leitern locker, ein Spätwerk des Jahres 1954 (Taxe 42.000 bis 45.000 EUR). Ganz unveräußert blieben zwei charakteristische Gemälde Paul Kleinschmidts von 1929 und 1935 (Taxen zwischen 45.000 und 70.000 EUR). Auf 12.500 Euro verdreifachte sich dagegen der Wert von László Moholy-Nagys „Komposition mit Gelb“ aus dem Jahr 1941, also aus der letzten Phase des 1946 in der Emigration in Chicago gestorbenen Bauhäuslers.

Zu den interessantesten Künstlerinnen gehörte Gabriele Münter. Das Angebot umspannte fast fünfzig Schaffensjahre. Während ihre Impression von einer Moschee in Tunis von 1905 nur 26.000 Euro einspielte (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR), schafften eine „Gasse in Sèvres“ von 1906/07 und eine „Winterlandscape in Bavaria“ von 1950 mit 60.000 und 40.000 Euro jeweils die unteren Taxgrenzen. Letzteres Ölbild wirkt ungewöhnlich kitschig und scheint sich stilistisch der amerikanischen Malerei anzunähern. Darauf verweist auch die rückseitige Widmung an ihre Cousine Jennie Lee Noble, die in Texas lebte. Alexander Kanoldts düstere „Stadt im Tal II (Klausen in Südtirol)“ von etwa 1920 schaffte diesmal bei 19.000 Euro den Absprung (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Josef Wedewers ebenfalls kühl distanziertes „Dorf im Tessin“ von 1934 machte sich schon bei 4.200 Euro davon, Heinrich Campendonks verwischte „Ländliche Impression (Selbstbildnis im Atelier)“ von 1918 bei 14.000 Euro davon (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).

Hermann Max Pechsteins dynamische Gegenständlichkeit der Zwischenkriegszeit lässt einmal mehr an seinem „Gelben Haus“ von 1923 studieren. Es ist fast ganz horizontal aufgebaut, neben dem räumlichen, geradezu suggestiven Tiefenzug beeindrucken auch die kontrastreichen Farben. Dafür kamen 43.500 Euro zusammen (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR). Sein „Akt III, sitzend nach vorn (Martha Pechstein)“ von 1932 verfehlte die angepeilten 60.000 bis 80.000 Euro. Dafür ging sein gezeichneter und mit Aquarell lavierter, sitzender weiblicher Akt mit schwarzen Strümpfen von 1918 für 21.000 Euro über das Auktionspult (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). George Grosz überzeichnete seinen nun 4.500 Euro teuren stehenden weiblichen Akt 1913 ebenfalls (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR). Expressionistische Herkunft hat auch Karl Schmidt-Rottluff aufzuweisen, und wie bei Heckel blieb auch sein bevorzugtes Medium das Aquarell. „Waldwege im Spessart“ von 1949 führten zu 24.000 Euro (Taxe 18.000 bis 20.000 EUR). Noch einmal im Neoimpressionismus ging es auf Arthur Segals Weg nach Kynwasser im Riesengebirge auf taxgerechte 17.000 Euro zu. Joan Mirós farbige Grafik „Équinoxe“ aus dem Jahr 1967 wollte indes niemand für 50.000 bis 60.000 Euro erwerben.

Ähnlich disparat zeigte sich der Absatz der zeitgenössischen Kunst. An die Spitze setzte sich eine völlige Überraschungskandidatin, Maria Jaremas Nummer 6 aus der Serie „Penetrazione“. Die großformatige Monotypie stammt aus dem Jahr 1958, dem Jahr des frühen Todes der polnischen Künstlerin, die mit diesem Zyklus noch ihr Heimatland auf der Biennale in Venedig vertrat. Auf 4.000 bis 5.000 Euro waren die fein sich durchdringenden Farb- und Transparentflächen geschätzt, doch erst bei 82.000 Euro schlug das Hämmerchen aufs Pult und führte das nun teuerste Bild im Schaffen Jaremas zurück in die Heimat. Deutsches Informel dieser Jahre war mit Karl Otto Götz und seinem an Baumeisters biomorphen Formen erinnernden Gemälde aus der „Fakturenfibel“ von 1949 mit dabei, das taxgerecht bei 10.000 Euro an Ziel kam, oder Theodor Werners sechs Jahre ältere schwingende Formen mit dem Titel „Tier“ für 5.600 Euro (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Heinz Trökes’ bunte „Berliner Straßenszene“ aus eben diesem Jahr gibt sich da noch viel gegenständlicher. Sie spielte 12.000 Euro ein (Taxe 14.000 bis 16.000 EUR).

Christos Projektzeichnung für einen großen Zaun „Running Fence./Project for Sonoma and Marin Counties, California“ von 1976 in zwei Teilen rangierte mit 26.000 Euro auf Platz zwei, allerdings 4.000 unterhalb der unteren Schätzpreisgrenze. Hubert Scheibls abstrakte, intensiv grün schimmernde Farbausdehnung „Channel II“ von 1995/96 brachte es auf 9.500 Euro (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR), Fred Sandbacks filigrane Raumzeichnung von 1985 auf 4.400 Euro (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR), und Heimrad Prems Akt „Ohne Titel (Begehrte Frau)“ von 1977 in kindlichem Gestus auf 7.200 Euro (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR). Dasein und Vergehen sind die beiden Pole, zwischen denen die Kunst Zoran Musics pendelt. Der erst vor zwei Jahren hochbetagt gestorbene Künstler musste als Häftling des Konzentrationslagers selbst diese Erfahrungen machen. Noch sein Selbstportrait von 1989 zeigt kaum der Schatten eines Menschen. 21.000 Euro investierte ein Bieter in das Werk (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR).

Peter Klasens narrative Figuration „Situation mixte“ von 1964 steigerte sich von 8.000 bis 10.000 Euro auf 15.000 Euro. Unveräußert blieben Hans Hartungs Strichzeichnung „P 1967-115“ (Taxe 35.000 bis 40.000 EUR), Markus Lüpertz’ Jugendarbeit „Paar in einer Stadt“ von etwa 1958 (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR), und – zum wiederholten Male – Willi Sittes „Brautwerbung“ um 1982 (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Leider auch ein bedeutender Vertreter der Plastik, Günther Ueckers kinetische Lichtskulptur „Uhr“ von 1961 für geschätzte 120.000 bis 150.000 Euro. Mehr Glück hatte Fritz Koenigs geometrische Bronze „Zwei XIX“ aus den Jahren 1976/77 für 20.000 Euro (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR).

Über sechshundert Losnummern im niedrigen Preisbereich waren bereits am Donnerstagvormittag über die Bühne gegangen. Etwas mehr als die Hälfte fand ein neues Zuhause. Einige davon konnten sich ein wenig aus den Niederungen erheben. Bei 4.400 Euro landete etwa Tsuguharu Foujitas Radierung einer liegenden Katze von 1929 (Taxe 2.000 EUR), bei 2.500 und 2.900 Euro zwei verzerrte Selbstbildnisse Johannes Grützkes als Pastelle von 2002 (Taxen je 2.000 EUR). Serge Poliakoffs signierte Vorzugsausgabe des Plakats für die olympischen Spiele in München 1972 erlöste 3.700 Euro. Allerdings war der Künstler bei Eröffnung des Sportfestes bereits drei Jahre tot (Taxe 1.800 EUR).

Am besten erging es Karl Hubbuchs Lithografie „Im Rausch des Irren“, ein ebenso ergötzliches wie schreckliches Panoptikum der Gesellschaft der frühen 1920er Jahre. 13.500 Euro markierten die Höchstgrenze der Auktion Nummer drei (Taxe 500 EUR). Schön auch die 4.400 Euro für Henryk Stazewskis bezwingendes Ölbild „Weiße Quadrate auf blauem Grund“ von 1977 (Taxe 1.000 EUR). Drei rasch hingeworfene Tuschpinselzeichnungen Emilio Vedovas verabschiedeten sich erst bei 3.800 bis 6.000 Euro (Taxen je 1.000 EUR), und für die ebenfalls abstrakte Kunst Conrad Westpfahls blieben immerhin noch angemessene 2.400 Euro übrig, hier für eine Komposition mit Grau, Gelb und Rot von 1970.

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Karl & Faber Auktionen

Amiraplatz 3

DE-80333 München

Telefon:+49 (089) 24 22 870

Telefon:+49 (089) 221865

Telefax:+49 (089) 22 83 350

E-Mail: info@karlundfaber.de



16.01.2008

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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