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Guido Cagnacci in Forlì

Guido Cagnacci, Selbstmord der Kleopatra, 1659/62

Im vergangenen Mai erregte Guido Cagnacci zumindest auf dem europäischen Kunstmarkt einiges Aufsehen, als seine ebenso heldenhafte wie schöne Lukretia im Wiener Dorotheum von 80.000 schließlich auf 1,15 Millionen Euro hochschnellte – neuer Auktionsrekord für einen Künstler, von dem man sonst freilich nicht viel hört. Eingeklemmt zwischen Größeren seiner Zeit – Caravaggio etwa oder seinem Bologneser Lehrer Guido Reni, Domenichino oder Pietro da Cortona –, gehört er auch heute noch eher zu den zweitrangigen italienischen Malern des Barock. Das soll sich nun ändern mit der großen Cagnacci-Ausstellung, die der monumentale Museumskomplex „San Domenico“ im norditalienischen Forlì, wo der Maler seit 1642 einige Jahre gearbeitet hat, jetzt veranstaltet. Zu sehen sind über hundert Exponate, nicht nur von Cagnacci selbst, sondern auch von einiger seiner Zeitgenossen wie eben Caravaggio und Guido Reni.

Sinnlichkeit, weiche Modellierung, auch ein Hang zum Dekorativen sind landläufig Attribute, die nicht nur der genannten Lukretia anhaften. Als bizarr und extravagant gilt auch in der etablierten Fachwelt der Künstler, der seinen Beinamen – der Köter – seiner hässlichen Gesichtsbildung verdankte. Eigentlich hieß er nämlich Guido Canlassi. Seine Lebensdaten sind unsicher. Im Thieme-Becker, dem großen, aber vielfach veralteten Künstlerlexikon aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts, stirbt er erst 1681, im Dorotheum 1665, in der Ausstellung, in der er als „einer der faszinierendsten und geheimnisvollsten Künstler des 16ten Jahrhunderts“ gilt, schon 1663, was heute als sein richtiges Todesdatum gilt. Fest steht sein Sterbeort: Wien, wo er seit 1658 für Kaiser Leopold I. tätig war. Begraben wurde der angesehene, heute noch unter anderem im Kunsthistorischen Museum präsente Maler in der Augustinerkirche.

Die Ausstellung „Guido Cagnacci. Protagonista del Seicento tra Caravaggio e Reni“ ist bis zum 22. Juni zu sehen. Geöffnet hat das Museum täglich außer montags von 9.30 bis 19 Uhr, im Juni sogar bis 20 Uhr. Der Eintritt beträgt regulär 9 Euro, ermäßigt 6 Euro, für Schüler 4 Euro. Nähere Informationen stehen unter www.guidocagnacci.com zur Verfügung.

Musei San Domenico
Piazza Guido da Montefeltro
I-47100 Forlì FC

Telefon: +39 (0)199 199 111

Quelle: Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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