Schillernde Selbstinszenierungen: Leigh Bowery in Hannover  |  | Johnny Rozsa, Wedding Cake & Balloons (Leigh Bowery), 1986 | |
Von „skulpturalen Qualitäten des Ganzkörperdesigns“ ist die Rede, von „kompromissloser Einzigartigkeit des Outfits“ und von einem „unverwechselbaren Stil, der gängige Konzepte von Schönheit und Hässlichkeit radikal in Frage stellt“. Solche Urteile zu überprüfen, ermöglicht jetzt der Kunstverein Hannover: Er stellt mit Leigh Bowery (1961 bis 1994) den „schillernden Grenzgänger der Londoner Club-, Mode- und Kunstszene“ vor, der in den vierzehn Jahren seines Wirkens in London in der Tat eine Reihe von Film- und Fotokünstlern zu Dokumentationen und eigenständigen Weiterverarbeitungen inspirierte.
Die Ausstellung „Leigh Bowery“ bildet einen Teil eines Gemeinschaftsprojekts von zehn Institutionen mit dem Titel „Hannover goes Fashion“. Die Dokumente von Bowerys Körpertransformationen, Performances und Selbstinszenierungen hat Kuratorin Ute Stuffer so zusammengestellt, dass sie den Exzentriker als Grenzgänger zwischen Hochkultur und Underground, Körperkult und Ästhetik des Hässlichen aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten.
So hielt etwa der Londoner Fotograf Fergus Greer zwischen 1988 und 1994 insgesamt 39 selbstgefertigte Outfits Bowerys in unterschiedlichen exaltierten Posen fest. Speziell für die Ausstellung kombinierte der New Yorker Filmemacher Charles Atlas Ausschnitte seiner filmischen Interpretationen zu einer raumgreifenden Installation. Sie will die Atmosphäre von Bowerys Performances multimedial nachempfinden. Weitere Videoarbeiten von Atlas wie „Hail the New Puritain“ (1985) beleuchten Bowerys Zusammenarbeit mit dem Choreographen Michael Clark. Bowery hat für dessen Ensemble zahlreiche Kostüme entworfen und in tänzerischen Inszenierungen als Darsteller mitgewirkt.
Zu sehen sind unter anderem Cerit Wyn Evans’ Experimentalfilm „Epiphany“, und die Dokumentation einer Performance, bei der Bowery fünf Tage lang vor einer einseitig verspiegelten Glasscheibe in der Anthony d’Offay Galerie posierte. Akt-Radierungen von Lucian Freud, dessen wichtigstes Modell Bowery zwischen 1990 und 1994 war, und Fotografien von Don Pollard und Bruce Bernard vervollständigen die Ausstellung. Im Beiprogramm gibt es Führungen und Vorträge; am 17. Oktober, 19 Uhr, spricht die Zürcher Kulturwissenschaftlerin Elisabeth Bronfen über „Leigh Bowery – die letzte Diva“.
Die Ausstellung „Leigh Bowery“ ist von Dienstag bis Samstag von 12 bis 19 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 19 Uhr geöffnet. Eine öffentliche Führung gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr. Der deutsch- und englischsprachige Katalog, herausgegeben vom Direktor des Kunstvereins René Zechlin, enthält auf 144 Seiten rund 100 Abbildungen und kostet 25 Euro. Zur Ausstellung erscheinen zwei Editionen der Fotografen Fergus Greer und Johnny Rozsa.
Kunstverein Hannover
Sophienstraße 2
D-30159 Hannover
Tel.: +49 (0)511 - 32 45 94
|