Heinz Breloh im Kunstmuseum Bayreuth Heinz Breloh gehört heute zu den eher vergessenen Künstlern, die in den 1970er Jahren international auf sich aufmerksam machten. Daher ist es ein Verdienst des Kunstmuseum Bayreuths, das Schaffen des 1940 in Hilden geborenen und 2000 in Köln verstorbenen „Bildhauers“ wieder ans Licht der Öffentlichkeit zu holen. Von heute an stellt es in Zusammenarbeit mit der Herbert-Gerisch-Stiftung in Neumünster, dem Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen in Magdeburg, dem Wilhelm-Fabry-Museum und dem Kunstraum Gewerbepark-Süd in Hilden sowie dem Skulpturen¬park und Ausstellungshalle in Hasselbach Skulpturen und Zeichnungen Brelohs vor. Ab den 1970er Jahren ging sein plastisches Arbeiten direkt und unmittelbar aus der Begegnung von Material und Körper hervor. Breloh formte zumeist Gips oder Ton ohne Werkzeuge mit Körper und Händen gab den Ausführungen eine farbliche Gestalt. So entstanden amorphe gestische Gebilde voller ursprünglicher Kraft, die den direkten Ausdruck des Informel der Malerei in das Skulpturale überführten.
Das Thema von Heinz Breloh war bestimmt von seiner Auseinandersetzung mit der sensualen Unmittelbarkeit des männlichen Körpers – seiner Kraft, Bewegung, Veränderung, Schönheit – und davon, diese Unmittelbarkeit festzuhalten und aufzuzeichnen. Breloh arbeitete vielleicht mehr noch als andere Bildhauer mitten im Material und mit seinem gan¬zen Körper. Seine bekanntesten Arbeiten sind wohl die „Lebensgrößen“. Oftmals entstanden sie in öffentlich zelebrierten Performances. Mit großer Energie, mit liebkosenden, aber auch mit wilden, geradezu martialischen Bewegungen bearbeitete er Gips oder Ton. Sein exzessives und extrover¬tiertes Agieren buchstäblich mit jedem Körperteil war zugleich ein Aufreiben und Abar¬beiten der eigenen Körperlichkeit, wovon Schürfungen und Druckstellen zeugten. Breloh darüber selbst: „Die Bewegung in der weichen Materie schafft Schatten, Abdrücke, Formen, Wesen der Lust. Im Traum. Das Leben, das Tun ist der schmerzhafte Prozess ohne Leichtigkeit. Man klammert sich an die Materie, um im Einswerden mit ihr nicht endlos zu stürzen.“
Heinz Breloh studierte von 1961 bis 1963 bei Gustav Seitz in Hamburg und war von 1964 bis 1968 Meister¬schüler bei Fritz Wotruba in Wien. Ab 1969 lebte und arbeitete er in Köln. Von den Körperritualen der Wiener Aktionisten inspiriert, grün¬dete Breloh dort 1970 die Gruppe „depot“ und war Herausgeber für die erste Ausgabe der Künstlerzeitschrift „nummer“. In den nächsten Jahren erweiterte Heinz Breloh seine Ausdrucksmög¬lichkeiten mittels Fotografie, Video, Performance, Installation in prozessualen und konzeptuellen Arbeiten. Auf einer Vielzahl von Projektskizzen mit schriftlichen Kommentaren entwarf er Aktionen und interaktive Rauminstallationen. 1977 war Breloh auf der Documenta 6 vertreten. 1980 lebte er für ein Jahr als Stipendiat in New York, danach an der Cité des Arts in Paris. Zurückgekehrt in die rheinische Kunstmetropole, führten ihn Gastprofessuren an die Kunstakademie Düsseldorf, die Ecole des Beaux-Arts in Nimes, die Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig und die Kunstakademie in Münster.
Die Ausstellung „Heinz Breloh – Skulptur als Körperspur“ läuft vom 7. Mai bis zum 25. Juni in der Ausstellungshalle im Neuen Rathaus. Dort ist montags bis donnerstags von 9 bis 17 Uhr und freitags von 9 bis 15 Uhr geöffnet. Samstag und Sonntag bleiben geschlossen. Der Eintritt ist frei. Der Katalog kostet 19,80 Euro.
Kunstmuseum Bayreuth – Ausstellungshalle im Neuen Rathaus
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