Paul Klee in der Albertina Anlässlich einer Schenkung von 67 Arbeiten Paul Klees durch den österreichisch-amerikanischen Wissenschaftlers Carl Djerassi widmet die Albertina Wien dem deutsch-schweizerischen Künstler seit heute eine umfangreiche Retrospektive. Ergänzt wird dieser Bestand durch Werke aus eigenem Besitz, die aus dem Nachlass Alfred Kubins stammen. Kubin war mit Paul Klee über viele Jahre hinweg eng befreundet und hat zwischen 1910 und 1920 eine umfangreiche Sammlung von Werken des fast gleichaltrigen Kollegen zusammengetragen. Über 150 Exponate sind zu sehen, vor allem Papierarbeiten, die einen Großteil seines Werkes ausmachen.
In den frühen 1910er Jahren avancierte Paul Klee zu einem bedeutenden Avantgardisten, der den Expressionismus rasch hinter sich ließ und sich der abstrakten Malerei zuwendete, die im einfach Zeichenhaften nur noch Anklänge an Gegenständliches enthalten. Wichtig in seiner Entwicklung war die Begegnung mit Robert Delaunay 1912 in Paris. Den Durchbruch brachte im Frühjahr 1914 die Tunis-Reise zusammen mit August Macke und Louis René Moilliet: „Die Farbe hat mich. Ich brauche nicht mehr nach ihr zu haschen. Sie hat mich für immer“, jubelte er begeistert. In den folgenden Jahren entwickelte er eine unverwechselbare künstlerische Sprache, in der die Zeichen und Symbole seiner spielerischen, manchmal kindlich verklärt wirkenden Bildwelt, wie etwa Gestirne, Tiere, Pflanzen und Blumen, ihren endgültigen Einzug hielten. Mit seiner fast zehnjährigen Tätigkeit am Bauhaus in Weimar und Dessau zwischen 1921 und 1930 kam auch die öffentliche Anerkennung seiner Kunst. Doch die Machterschleichung der Nationalsozialisten und die Einstufung als „entartet“ isolierten den Künstler seit 1933 zunehmend. Hinzu kam die seltene Autoimmunerkrankung Sklerodermie. Sein Spätwerk, entstanden in der Schweizer Emigration, ist durch Resignation und tiefe Transzendenz gekennzeichnet. 1940 starb Klee in Muralto.
Der 1923 in Wien geborene, jedoch während der Nazidiktatur mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten ausgewanderte Djerassi war Professor für Organische Chemie an der Stanford University und wurde als „Vater der Antibabypille“ berühmt. Seit den 1960er Jahren sammelt er Werke Paul Klees, einen Teil seiner Kollektion hat er bereits dem San Francisco Museum of Modern Art überantwortet. Neben Klee engagierte sich Djerassi auch für Werke von Edgar Degas, Jean Dubuffet, Alberto Giacometti, Marino Marini, Henry Moore oder Pablo Picasso. Der Freitod seiner als Künstlerin tätigen Tochter Ende der 1970er Jahre bewog Djerassi jedoch zu einer Abkehr vom Sammeln „toter Kunst“ hin zu „lebender Kunst“. Er verkaufte seine Sammlung mit Ausnahme der Klees und gründete 1979 in den Bergen bei San Francisco das „Djerassi Resident Artist Program“, das es Malern, Bildhauern, Musikern und Schriftstellern erlaubt, während einiger Monate sich künstlerisch weiter zu entwickeln.
Die Ausstellung „Paul Klee. FormenSpiele“ läuft vom 9. Mai bis zum 10. August. Die Albertina hat täglich von 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt ins Museum beträgt 9,50 Euro, ermäßigt 8 respektive 7 Euro. Der Katalog kostet 27 Euro.
Albertina
Albertinaplatz 1
A-1010 Wien
Telefon: +43 (0)1 – 534 830
Telefax: +43 (0)1 – 534 834 30 |