Rot im Überfluss bei Nitsch und in Mistelbach  |  | Hermann Nitsch, 20. Malaktion, Wiener Secession 1987 | |
Die 20. Malaktion von Hermann Nitsch, im zentralen Saal der Wiener Secession zwischen dem 18. und 21. Februar 1987 durchgeführt, galt der Farbe Rot. Die Farborgie ist, was Anzahl und Format der entstandenen Werke betrifft, die umfangreichste Malaktion von Nitsch. Kaum ein zweites Mal wurde das aktionsmalerische Konzept so klar und exemplarisch verwirklicht und ist von zentraler Bedeutung für sein Verständnis eines allumfassenden Gesamtkunstwerks. Der Umgang mit der verschütteten, verspritzten, verschmierten, flüssigen und rinnenden roten Farbe und dem Blut war für Nitsch eine ekstatische, rituelle Handlung, eine dionysische Malerei. Edelbert Köb, der Direktor des Wiener Museum Moderner Kunst, ermöglichte damals als Präsident Secession die Malaktion. Und dem vorausschauenden Urteil des Sammlers Hans Mitterbauer ist es zu verdanken, dass die einzelnen Arbeiten der 20. Malaktion vereint blieben. Heute gehören die alle Relikte, darunter das 20 Meter lange von herabfließendem Rot getränkte Wandtuch, zur seiner Sammlung.
Mitterbauer überließ nun dieses Meisterwerk in seiner Gesamtheit dem Hermann Nitsch Museum zur öffentlichen Präsentation. Seit dem Wochenende widmet nam im niederösterreichischen Mistelbach der kompletten Rekonstruktion der 20. Malaktion den Jahresschwerpunkt 2008. Mit rituellem Glockengeläut und einer von Herman Nitsch komponierten „Intrada“ wurde am Sonntag die Ausstellung eröffnet. Dafür wurden im großen Museumssaal die 55 Relikte, zumeist Schüttbilder teils mit Malhemden aus Blut und roter Ölfarbe, ähnlich der Aufstellung in der Secession angeordnet. Die informelle Aktionsmalerei von Hermann Nitsch, das Spektrum der Farbe Rot als „visuelle Grammatik des Orgien Mysterien Theaters auf der Bildfläche“ und damit auch sein Interesse an religiösen und mythologischen Fragen lassen sich nun für neun Monate an der Rauminstallation erfahren.
Die Ausstellung „Gigantisch Rot: 20. Malaktion Wiener Secession 1987“ ist bis zum 11. Januar 2009 zu sehen. Das Museumszentrum Mistelbach hat Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 5 Euro.
Museumszentrum Mistelbach – Hermann Nitsch Museum
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A-2130 Mistelbach
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