Robert Rauschenberg in München  |  | Robert Rauschenberg, Untitled (Early Egyptians), 1973 und 1974 | |
Unversehens wird sie zur Gedenkveranstaltung, die Ausstellung, die das Haus der Kunst München derzeit über eine besondere Werkphase des vor wenigen Tagen verstorbenen Amerikaners Robert Rauschenberg veranstaltet. Zu sehen ist eine Auswahl der Serien „Cardboards“, „Venetians“, „Early Egyptians“, „Hoarfrosts“ und „Jammers“ der Jahre 1970 bis 1976, die Rauschenbergs Beschäftigung mit anderen Kulturen und seine Erfahrungen von verschiedenen Reisen dokumentieren. Italien und Frankreich gehörten damals zu seinen Zielen, Jerusalem und Indien. Von dort brachte er die unterschiedlichsten Materialien mit und verarbeitete sie in seiner typisch unorthodoxen Manier zu kunstvollen Skulpturengebilden, die zugleich Zeugnis für seine intensive Auseinandersetzung mit Formproblemen der Malerei und Bildhauerei sind. Komposition, Farbe und Textur, Gewicht, Balance und Positionierung des Objekts im Raum interessierten ihn nicht weniger als die kulturellen Bezüge, die diese Werke in sich tragen.
Die „Cardboards“ aus den Jahren 1971/72 bestehen ausschließlich aus gefundener Pappe, die sich in ihrer Neigung zum Monochromen an die frühen Werke des Künstlers annähern. Ohnehin war Rauschenberg der erste Künstler, der den bildnerischen Wert dieses zuvor verschmähten Materials erkannte und anerkannte. Und vor allem seine vielseitige Verwendung allein durch die Tatsache, dass es nirgends auf der Welt wohl noch Orte ohne Pappe gibt. In den beiden folgenden Jahren, nach einer Venedig-Reise, entstanden die „Venetians“. Materialien aus der Massenproduktion und ausgediente Fundstücke aus dem Hausgebrauch wie Stoffe, Stricke, Holzsorten, Leder, Stein, elektrische Kabel und Drähte, Stühle, Vasen, Kissen, eine alte Badewanne, Wasser und Altmetall werden darin zu kunstvollen skulpturalen Gebilden mit leichten Bezügen zur venezianischen Bilderwelt verarbeitet. Für die „Early Egyptians“ von 1973/74 arbeitete er wieder mit Pappe, bestrich oder umwickelte sie mit Klebstoff, Sand oder Gaze und bemalte sie rückseitig mit Tusche – und dann sieht das aus wie „Steine, die in einem Regenbogen eingeschlafen sind“, so Rauschenberg. Poetisch bleibt es auch mit den „Hoarfrosts“, die sich 1974/75 auf Dantes Inferno beziehen. Die „Jammers“ schließlich gingen aus einem einmonatigen Aufenthalt
1975 im indischen Textilzentrum Ahmedabad hervor und verarbeiten dementsprechend vor allem Stoffe mit einer bis dahin nicht gekannten Farbenlust.
Die Ausstellung „Robert Rauschenberg: Travelling '70 – '76“ läuft bis zum 14. September. Das Haus der Kunst hat montags bis sonntags von 10 bis 20 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 22 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro, für Jugendliche unter 18 Jahre 2 Euro, für Kinder unter 12 Jahren ist der Eintritt frei.
Haus der Kunst
Prinzregentenstraße 1
D-80538 München
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