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Ärger um Kippenbergers Froschkreuz

Geht er oder bleibt er, der grüne Frosch (ohne Maske), der derzeit die Gemüter in Südtirol erregt? Kaum eröffnet, hat das neue Bozener Museion schon das erste Theater am Hals. Allerdings nicht mit dem schönen Glasbau vom Berliner Architekturbüro KSV Krüger Schuberth Vandreike, sondern mit einem rund einen Meter hohen Kunstwerk Martin Kippenbergers unter dem Titel „Zuerst die Füße“, das einen gekreuzigten Frosch mit herausgestreckter Zunge, Ei und Bierkrug in der Hand zeigt. Es hängt direkt im Eingangsbereich des Museums, für jedermann unübersehbar. Kritiker meinten nun, die Darstellung verletze die religiösen Gefühle der Menschen und gehöre abgehängt. Der konservative Südtiroler Landeshauptmann Luis Durnwalder nannte das Werk eine „Respekt- und Geschmacklosigkeit“, der Bozener Bischof Wilhelm Egger forderte ebenfalls mehr Achtung vor religiösen Gefühlen. Zunächst hieß es, die Museumsleitung habe mitgeteilt, den Protesten zu folgen und das 1990 entstandene Werk zu entfernen.

Nun aber ließ die Kuratorin des Museums Letizia Ragaglia verlauten, der Frosch bleibe. In einer Mitteilung erklärt das Museum dazu: „In den 90er Jahren hat sich Kippenberger in Tirol aufgehalten, wo er mit lokalen Kunsthandwerkern an der Realisierung einer Reihe von Skulpturen gearbeitet hat. Zum Land Tirol, das Kippenberger besuchte und gut kannte, gehören auch die ‚Kneipen’, Lokale in denen Bier in Übermaß konsumiert wird und wo man sich am Feierabend unter dem Kreuz, das normalerweise in diesen Lokalen hängt, versammelt um über sexuelle Themen zu witzeln und zu scherzen. ‚Nageln’ ist im Jargon eine Bezeichnung für den sexuellen Akt und ‚Fred Frog rings the bell’ ist ein Aufruf für die letzte Runde Bier des Abends. Mit Humor und Sinn für das Tragikkomische, das seit der griechischen Tragödie an zur Kunst gehört, stellt sich Kippenberger gerade in seiner Tiroler Zeit den Leiden, die sich in vielen seiner Werke äußern, wie z.B. in einer Videoarbeit, in der er sich selbst kreuzigt.“

Unterdessen wurde bekannt, dass auch in der Ausstellung „Ad Absurdum. Energien des Absurden von der Klassischen Moderne zur Gegenwart“ im Herforder Museum MARTa eine abgewandelte Version des Kreuzes zu sehen ist. In der überwiegend protestantischen Kunstmetropole sei die Lage aber noch ruhig, berichteten die Medien.

Quelle: Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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