Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 16.07.2020 Auktion 67: Moderne, Post War & Zeitgenössische Kunst

© Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

Anzeige

Am Badestrand / Otto Pippel

Am Badestrand / Otto Pippel
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Kentaur, 1891/93 / Franz von  Stuck

Kentaur, 1891/93 / Franz von Stuck
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Knieende(r), 1907/1908 / Ernst Barlach

Knieende(r), 1907/1908 / Ernst Barlach
© Galerie Neher - Essen


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Düsseldorfer Museum Kunst Palast thematisiert das Glas in der Kunst

Der Wahrheit entgegen



Caesar Boetius van Everdingen, Amor eine Glaskugel haltend, 1650/55

Caesar Boetius van Everdingen, Amor eine Glaskugel haltend, 1650/55

Dickbäuchig sitzt der nahezu unbekleidete, blond gelockte Amor feist auf einer Draperie. Die Waffen abgelegt, stellt er sein linkes Füßchen auf einen Totenkopf. Eine Glaskugel ruht in der dem Betrachter entgegengestreckten rechten Hand. Die Reinheit der zerbrechlichen, wie eine Seifenblase zerplatzbaren Liebe hat über den Tod gesiegt, aller Unwahrheit, Lüge, Verleumdung zum Trotz. Letzteres verkörpert eine alte Frau rechts im Hintergrund. Der niederländische Maler Caesar Boëtius van Everdingen erklärte um 1653 Amor zum doppelten Sieger, die Wahrheit wird zum Greifen nahe in der Form einer Glaskugel offeriert.


Dieses Gemälde in der sinnfreudigen Ausstellung „Zerbrechliche Schönheit“ des Museums Kunst Palast in Düsseldorf zielt abseits aller subtil erotischer Freuden und faszinierender Ambivalenzen präzise auf die intendierte Fragestellung. Nicht das Glas selber, sondern die Wiedergabe von Glas mit malerischen, künstlerischen Mitteln steht im Fokus der grandiosen Einstandsschau des neuen Direktors Beat Wismer. Das Hauptgewicht liegt auf der Malerei. Aber auch Installationen oder Plastiken vorwiegend zeitgenössischer Künstler münden gattungsübergreifend in eine instruktive, Epochen übergreifende Zeitreise. Immaterielles zu veranschaulichen, war für alle Künstler durchgängig eine Herausforderung. Wie stellen sie sich ihr? Wie malen sie Durchsichtiges? Mit welchen Techniken gehen sie vor? Welche Symbolkräfte und Motive verbinden sie mit Glas? Welche Rolle spielt Glas in der Kunst der letzten 100 Jahre? Diese und verwandte Fragen inspirierten die Museumskonservatoren beim Zusammentragen von 231 Exponaten, darunter lediglich zehn Prozent aus dem eigenen Fundus.

Den Auftakt bestreitet eine goldfarbene, schlank hoch gezogene Kanne vor pompejianisch rotem Hintergrund auf einem römischen Fresco aus dem dritten nachchristlichen Jahrhundert. Im Mittelalter dominiert der Einsatz des Glases im Auftrag der Glaubensvermittlung als überstrahlendes Medium in der Form von Glasmosaiken oder mystisch aufgeladener Botschaftsvermittler grandioser Kathedralfenster. Zeitgleich setzen im 13ten und 14ten Jahrhundert Illustrationen von Trinkgläsern in Abbildungen der Tischkultur adeliger Kreise durch. Christliche Anblicke samt Darstellungen von Mahlzeiten begegnet man seit dem 14ten Jahrhundert. Durch Spiegelungen oder farbigen Füllungen werden Gebrauchsgläser bildhaft ausgearbeitet; sie setzen sich über Farbschleier kaum merklicher Tönungen ab.

Vom 15ten bis zum 17ten Jahrhundert kommt bei der Profanierung der Bildthemen die große Zeit der Glasdarstellung insbesondere in der Stilllebenmalerei. Sie bildet den überbordenden Schwerpunkt der Ausstellung. In der Renaissance erzielen Hohlglas und Flaschendarstellungen selten erreichtes Maß an magischer Vollkommenheit und Realitätstreue. Die intensive Anblicke fordernden „stillen Leben“ sind Abenteuer des Sehens und Entdeckens der vielen Bedeutungsebenen des Glases, das neben Blumen der optische Hauptreiz aller Motive bildet. Dabei wechseln sich variationsreiche Bezugnahmen auf die Vergangenheit in fragilen oder zerbrochenen Zuständen, Herausstellung der makellosen Reinheit und immer wieder Glaskugeln als Mikrokosmen der Vollkommenheit, Unendlichkeit, Idealformen totaler Räume, Weltherrschaftssymbole oder spiegelnde Augen im Bild ab.

In reflektierenden Gläsern sind bei niederländischen Malern oft Spiegelungen der Künstler samt Atelier eingefügt, etwa bei Stillleben von Pieter Claesz oder Giacomo Recco. Aber auch die Anhäufung von Gläsern eröffnet Malern die Chance, ihr Darstellungsvermögen zu bewerten. Ein ganzes Kabinett nehmen die Stillleben von Sebastian Stoskopff ein. Um 1635 entstand sein Bild „Glaskorb und Pastete“, ein meisterhaftes Arrangement dünnwandiger, fragiler Trinkkelche in einem Flechtkorb. Die silbrig schimmernden Wandungen, aufgetragen durch hauchfeine Pinselstriche vor dunklem Hintergrund, zeugen von der äußerst schwierigen, maltechnischen Umsetzung der übereinander liegenden, ungefüllten Behältnisse. Ein Bruch in der Steinkonsole darunter verweist explizit auf die Vergänglichkeit. Auch in Stillleben von Georg Flegel oder David Teniers d.J. werden Trinkgläser meisterhaft durch den geschickten Einsatz von Farbnuancen, Schattierungen, optischen Verzerrungen und weißen Höhlungen vor dunklen Hintergründen als formgebende und zugleich raumschaffende Elemente genutzt.

Im Barock wird Glas bevorzugtes Material, man denke nur an Kronleuchter oder Wandspiegel. Im 19ten und 20ten Jahrhundert wird der Rohstoff Glas zum wichitgen Element des industriellen Zeitalters. Die künstlerische Idee erfährt ihre Umsetzung in raumgreifenden Projekten und Installationen, etwa als Wände vernichtende, transparente Außenhaut oder metaphorische Bezugnahme auf den Kristall. Aquarelle von Wassili Luckhardt, Wenzel Hablik, Hans Scharoun zeigen in starken kristallinen Farbbrechungen die neoromantische Erhöhung in kathedralhaften Kultbauten. Auch Bruno Tauts legendärer Pavillon der Glasindustrie auf der Kölner Werkbundausstellung von 1914 knüpft daran an.

Kurz drauf werden Warenhäuser in neuen Glas-Licht-Architekturen Vorläufer heutiger Eventbauten. Romana Schmalischs modellartige Installationen zu visionären Glasstädten kommentieren dies aus aktueller Sicht. Hinterglasmalerei spielt dagegen in der zeitgenössischen Kunst kaum eine Rolle. Anselm Stalder stellt seine von hinten bemalten, riesigen Glaswände, die er „Integrationsfilter“ nennt, frei in den Raum, womit er das Auf- und Zudecken der Malerei interpretiert. Nicht zu vergessen sind in diesem Zusammenhang Gläser als Bildträger von Gemälden und Material für Skulpturen der gegenstandslosen Kunst des 20sten Jahrhunderts. Wichtiger Faktor spielt dabei die visionsstiftende Rolle nicht nur der Vereinigung „Gläserne Kette“, sondern auch die Glaswerkstatt am Bauhaus. Bunt gemusterte Fenster ihres Leiters Josef Albers stoßen dieses Kapitel ebenso an wie Glasmodelle für Monumente von Naum Gabo. Heute verschwimmen bei Mischa Kuball die Grenzen zwischen Werk und Realität, wenn er in der Installation „Chicago Illinois“ Wassergläser vor die Linse eines Diaprojektors stellt, die nicht nur vordergründiges Wasser vor der hintergründigen Diaansicht visualisieren, sondern mit den ausgestreuten Licht- und Schattenwürfen funkelnde Wechselspiele kreieren.

Von den acht die Schau strukturierenden Kapiteln beschäftigt sich „Durchsichten und Einsichten“ mit dem Fenster als Bildmotiv. Es trennt und verbindet zugleich Innen und Außen. Zudem reflektiert die geöffnete Fensterscheibe das Äußere und wird etwa wie in Félix Vallottons oder Max Beckmanns Ölgemälden zur zweiten Bildfläche. Gerhard Richter gibt in seinem 1968 in Acryl festgehaltenen „Fenster“ dagegen keinen motivischen Hinweis auf eine Glasscheibe. Schwarze Balken als Schattenwürfe erwirken lediglich Assoziationen von Scheiben und Räumlichkeiten. Damien Hirst überführt zahlreiche Alchimistendarstellungen vergangener Jahrhunderte mit seiner Installation aus Einmachgläsern in die Jetztzeit. Im Alkohol konservierte Präparate verkünden den Sieg über die Vergänglichkeit, auf die man aber gerade stößt. Etwas weiter lässt Rebecca Horn einen eisernen Blitz gegen eine Glasurne pendeln.

Neben Arbeiten bekannter internationaler Künstler wie Raimund Kummer, dessen in einem Netz herabhängenden Glasauge die Sehfähigkeit im Altmeistersaal thematisiert, Mario Merz, dessen Iglu „Jesus Lanze“ aus gegensätzlichen Materialien wie Reisig, Glas und Eisen die wandelnden Lebensbedingungen der nomadenhaften Industriegesellschaft anspricht, oder Felix Droese, dessen Würfelspielmonument gleich neben dem Eingang ein Menetekel zerbrochener Schönheit darstellt, gibt es auch einiges neu zu entdecken: die junge Münsteraner Künstlerin Ulrike Möschel schuf 2007 die „Schwarze Tür“. Aus einer Ritze zwischen Türblatt und Rahmen quellen zertrümmerte Glasteile und breiten sich glitzernd auf dem Boden davor aus. Den Besucher erfüllt die Neugier nach dem Dahinter, doch die Gefahr in den Raum stürzender Glassplitter hält ihn von der Türöffnung ab. Maria Roosen verbindet zum Abschluss wieder Religion und Kunst mit ihrem überdimensionalen Rosenkranz aus roten Glaskugeln. Er greift weit in den Raum aus, umschlingt eine Marienstatue und ist als Allegorie auf die Verbindung der Mutter Gottes zu den Gläubigen zu interpretieren.

Die Ausstellung „Zerbrechliche Schönheit. Glas im Blick der Kunst“ ist noch bis zum 31. August zu besichtigen. Geöffnet ist täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 7,50 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der an der Museumskasse 29 Euro kostet.

Kontakt:

Museum Kunst Palast

Ehrenhof 4-5

DE-40479 Düsseldorf

Telefon:+49 (0211) 566 42 100

Telefax:+49 (0211) 566 42 906

E-Mail: info@museum-kunst-palast.de



16.06.2008

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 14

Seiten: 1  •  2

Adressen (1)Berichte (1)Variabilder (11)Im Verkauf - Events (1)

Bei:


Museum Kunst Palast

Bericht:


100 Jahre Museum Kunst Palast

Variabilder:

Paula Modersohn-Becker, Stillleben mit Goldfischglas, um 1906
Paula Modersohn-Becker, Stillleben mit Goldfischglas, um 1906

Variabilder:

Johann Wilhelm Preyer, Stillleben mit Deckelpokal, Früchten und Biskuits,
 1836
Johann Wilhelm Preyer, Stillleben mit Deckelpokal, Früchten und Biskuits, 1836

Variabilder:

Guido Reni, Trinkender Bacchusknabe, um 1623
Guido Reni, Trinkender Bacchusknabe, um 1623

Variabilder:

Gerhard Richter, 11 Scheiben, 2003
Gerhard Richter, 11 Scheiben, 2003

Variabilder:

Sebastian Stoskopff, Gläserkorb und Pastete, 1630/40
Sebastian Stoskopff, Gläserkorb und Pastete, 1630/40

Variabilder:

Claude Monet, Das Pfirsichglas, 1866
Claude Monet, Das Pfirsichglas, 1866

Variabilder:

Caesar Boetius van Everdingen, Amor eine Glaskugel haltend, 1650/55
Caesar Boetius van Everdingen, Amor eine Glaskugel haltend, 1650/55







Paula Modersohn-Becker, Stillleben mit Goldfischglas, um 1906

Paula Modersohn-Becker, Stillleben mit Goldfischglas, um 1906

Johann Wilhelm Preyer, Stillleben mit Deckelpokal, Früchten und Biskuits, 1836

Johann Wilhelm Preyer, Stillleben mit Deckelpokal, Früchten und Biskuits, 1836

Guido Reni, Trinkender Bacchusknabe, um 1623

Guido Reni, Trinkender Bacchusknabe, um 1623

Gerhard Richter, 11 Scheiben, 2003

Gerhard Richter, 11 Scheiben, 2003

Sebastian Stoskopff, Gläserkorb und Pastete, 1630/40

Sebastian Stoskopff, Gläserkorb und Pastete, 1630/40

Claude Monet, Das Pfirsichglas, 1866

Claude Monet, Das Pfirsichglas, 1866

Francisco Blas de Prado zugeschrieben, Glasschale mit Birnen, um 1590

Francisco Blas de Prado zugeschrieben, Glasschale mit Birnen, um 1590

Joos van Cleve, Die Jungfrau mit weintrinkendem Kind

Joos van Cleve, Die Jungfrau mit weintrinkendem Kind

Pieter Claesz, Ontbijtje - Frühstücksstillleben, 1636

Pieter Claesz, Ontbijtje - Frühstücksstillleben, 1636

Georg Flegel, Stillleben mit Römer, Brezeln und Mandeln, 1637

Georg Flegel, Stillleben mit Römer, Brezeln und Mandeln, 1637




Copyright © '99-'2020
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce