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Aktuellzum Archiv:Ausstellung

David Hockneys Brüder Grimm-Radierungen in Steinau

Ironie in der Idylle



Hin und wieder lohnt es sich, die Metropolen hinter sich zu lassen und aufs Land zu fahren. Zwischen Frankfurt und Fulda, am uralten Handelsweg nach Osten, liegt das Städtchen Steinau mit dem bezeichnenden Beinamen „an der Straße“. Sorgsam renovierte Fachwerkhäuser umstehen ein prachtvolles Renaissanceschloss, das einst den Grafen von Hanau gehörte. Als ein gewisser Philipp Wilhelm Grimm 1791 nach Steinau versetzt wurde und dort als Amtmann einen stattlichen Hof bezog, gehörte die Grafschaft schon dem Hessen-Kasseler Landgrafen und das Schloss lag im Dornröschenschlaf. So kam es, dass in Steinau die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm aufwuchsen – die Begründer der modernen Germanistik und die Sammler der nach ihnen benannten und 1812 erstmals erschienenen Kinder- und Hausmärchen.


Seit zehn Jahren ist im Grimm’schen Hause ein Museum untergebracht, das sich mit Leben, Werk und Wirkung der Märchensammler befasst. Und inmitten der meisterlichen Radierungen von Ludwig Emil Grimm hat – in sorgsam wieder hergerichteten Räumen – bis 31. Juli ein Prinzipal der Radierung aus dem 20. Jahrhundert Heimat gefunden: Dem Leiter des Museums, Burkhard Kling, ist es gelungen, den 39-Blatt-Zyklus „Six Fairy Tales from the Brothers Grimm“ von David Hockney für eine Sonderausstellung zu holen, überlassen von der Londoner Hayward Gallery.

Ist dies schon bemerkenswert, dürfen zwei weitere Stücke als Mini-Sensation gewertet werden: Wohl erstmals in Deutschland sind frühe Radierungen Hockneys zu sehen, die sich ebenfalls mit Märchen-Motiven befassen: „Mirror Mirror on the Wall“ von 1962 und „Rumpelstiltskin“ von 1961. Die fantasievoll verfremdete Spiegelszene aus „Schneewittchen“ gehört zu den frühesten grafischen Arbeiten des englischen Künstlers. Beide sind nie vertrieben worden, sondern waren als Geschenke für Freunde gedacht. Zur Verfügung gestellt hat sie Paul Cornwall-Jones aus New York, der 1970 auch den Märchenzyklus herausgegeben hat.

In drei niedrigen Räumen des Fachwerkbaus, in denen man Spuren der Wanddekoration der Grimm-Zeit, aber auch Ausmalungsreste von 1570 findet, hängen die 39 Blätter, nach Märchen geordnet. So fällt unmittelbar auf, wie pluriform David Hockney die Arbeiten gestaltet hat. Zu erkennen ist die Rückbindung an die grafische Tradition italienischer Renaissancemeister wie Vittore Carpaccio oder Leonardo da Vinci in der Technik, aber auch das Echo von Motiven Albrecht Dürers.

Hockney wollte keine Illustrationen schaffen wie Ludwig Richter oder Moritz von Schwind. Seine Grafiken nehmen einzelne Motive aus den Texten auf und bringen sie in die autonome Form eines Kunstwerks, das für sich selbst steht und aus seiner bildnerischen Kraft heraus eine Geschichte kommentiert. Damit steht David Hockney nach dem Urteil von Museumsleiter Kling in der Grimm-Rezeption als großer Einzelner da.

Der Künstler verwendet Traditionen nicht bloß zitierend, als eklektischen Rückgriff auf Meisterhandwerk. Das Raffinierte des Zyklus ist, dass er mit den unterschiedlichen Techniken genau auf Atmosphäre und Inhalt seiner Motive eingeht. So nimmt sich Hockney für die Alte mit ihrem Kind Rapunzel auf dem Schoß eine christliche Madonnendarstellung zum Vorbild – nach eigenen Worten von Hieronymus Bosch –, zeichnet aber mit wenig Strichen ein warziges Gesicht, das in groteskem Gegensatz zum voluminösen Faltenwurf des Mantels steht.

Die Schwelle, auf der diese hexische Variante des Jungfrauen-Themas sitzt, besteht aus einem Feld von Schraffuren, wie sie in vielen der Radierungen, oft ironisch übertrieben, vorkommen. Die Perspektive ist scheinbar naiv mit einem Hintergrund samt Bäumen im Stil von René Magritte angedeutet – auch er ein Künstler, auf den sich Hockney immer wieder bezieht, etwa in den surrealen Szenarien zu „Einem der auszog, das Fürchten zu lernen“.

Bezüge lassen sich feststellen zu Illustrationen, wie sie etwa für „Gothic Novels“ angefertigt wurden, so im Bild eines verwunschenen Schlosses, von dessen Turm ein einsam erhelltes Fenster in die düstere Nacht leuchtet. Die Ahnung des Unheimlichen fängt Hockney in wenigen Strichen ein. Drastisch und selten ist im Rumpelstilzchen-Zyklus die Darstellung, wie sich das missgestaltete, kloßförmige Wesen selbst zerfleischt. Zu sehen ist in der Ausstellung auch das kleine Bändchen, das in großer Auflage die Bilder des Zyklus im angelsächsischen Raum weit verbreitet und damit populär gemacht hat.

Die Ausstellung „Hockney in Steinau. Six Fairy Tales from the Brothers Grimm“ ist bis zum 31. Juli im Brüder Grimm-Haus zu sehen. Das Museum ist täglich von 12 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 2 Euro. Am 27. Juli findet ab 17 Uhr eine „große Hockney Night“ statt; am 6. und 20. Juli gibt es jeweils um 11 Uhr ein „FrühstückHOCKNEYbreakfast“

Kontakt:

Brüder Grimm-Haus und Museum Steinau

Brüder Grimm-Straße 80

DE-36396 Steinau an der Straße

Telefon:+49 (06663) 76 05

Telefax:+49 (06663) 918 800

www.hockney.brueder-grimm-haus.de



25.06.2008

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Werner Häußner

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