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Mit der monumentalen und in sich doch zerrissenen Ausstellung „Die Kraftprobe“ im Haus der Kunst wird versucht, was kaum möglich ist: 200 Jahre Kunstakademie München anhand von Arbeiten der Akademieprofessoren zu reflektieren

Im Glanz der Historienmalerei



Carl von Marr, Die Flagellanten, 1889

Carl von Marr, Die Flagellanten, 1889

Man kann sich der Monumentalität dieser Bilder nicht entziehen. Carl Theodor von Pilotys Gemälde „Alexander der Große nimmt sterbend Abschied von seinem Heer“ von 1886, das bislang als verschollen galt und seit 1937 erstmals wieder ausgestellt ist, hat die theatralische Beklemmung eines Weltuntergangbildes, und auch die in Angst und Entsetzen vereinte Menschenpyramide in der „Sündflut“ von 1850 des aus Düsseldorf an die Münchner Akademie berufenen Carl Schorn zeigt ein Untergangsszenario, das zugleich die Allegorie von höherer Gerechtigkeit über ein zu viel an Selbstherrlichkeit darstellt. Man mag dieser Malerei heute kritisch gegenüberstehen. Aber Mythos und Pathos hieß in diesen Jahrzehnten das Programm der Münchner Akademie. Und glaubt man der Ausstellung, mit dem das Haus der Kunst den 200sten Geburtstag der Akademie feiert, dann war ihre große Zeit ausgerechnet die zweite Hälfte des 19ten Jahrhunderts.


Nachdem Wilhelm von Kaulbach, berühmt für seine bühnenreifen Historienzyklen, um 1850 den streng akademisch-nazarenerischen Peter Cornelius abgelöst hatte und nachdem kurz darauf Carl Theodor von Piloty den Ton mit seinen dramatisch-pathetischen Menschheitsschicksalsgemälden angab, die den Nerv einer Gesellschaft trafen, die zwischen rasanter Industrialisierung und revolutionärem 1848er-Nachbeben vom Problem der Selbstfindung erfasst war, gewann die Münchner Akademie an Bedeutung. Besonders attraktiv schien sie für junge Maler aus Osteuropa und aus Amerika. Und das lag nicht allein an der geografischen Ausrichtung. München war zu einer Hochburg der monumentalen Historienmalerei geworden, die mit einem Überschwang Historie und Mythos verknüpfte, der große ideologische Freiräume bot. Wohl besonders für Maler aus Polen, Bulgarien, Ungarn und Kroatien, die sich gerade aus dem Osmanischen Reich herausgelöst hatten beziehungsweise um Autonomie von der k.u.k. Monarchie rangen, war dies ein Humus, auf dem die allegorischen Malerträume von nationaler Selbstbestimmung gedeihen konnten.

Das zu zeigen und welchen Beitrag die Münchner Akademie dadurch im Prozess der sogenannten Nationenbildung geleistet hat, ist der einzig wirklich durchdachte Aspekt dieser Ausstellung; dient er doch nicht nur der Bebilderung von Akademiegeschichte, sondern einer darüber hinausgehenden Fragestellung. Man muss sich nur die von Bertalan Székely die Stimmung eines Unheil beschwörende, vom heraufziehenden Gewitter untermalte Szene der „Auffindung des Leichnams König Ludwig II. auf dem Schlachtfeld bei Mohacs“, die den Beginn der Unterwerfung Ungarns unter die Türken im Jahr 1526 markierte, ansehen oder das Gemälde „Ankunft der Kroaten am Meer“ des Kroaten Mato Celestin Medovic, um zu begreifen, wie die in München gelehrte Historienmalerei ihre jeweils nationalen Prägungen erfuhr und wie die Verschmelzung von Mythos und Wahrheit, von Historie und Legende mit großen malerischen Gesten in den Dienst nationaler Identitätsstiftung gestellt wurden.

Diese Gemälde als Historienschinken abzutun, wäre zu einfach. In ihnen steckt eine ungeahnte Nachhaltigkeit und durchaus aktuellen Sprengstoff, wie das hier gezeigte Gemälde „Das Massaker von Batak“ aus dem Jahr 1892 des Polen Antoni Piotrowski verdeutlicht, der Hofmaler der bulgarischen Fürsten Alexander I. und Ferdinand I. war. Das Massaker ist zum Synonym osmanischer Brutalität geworden, zu einem Feindbildmythos im bulgarischen Selbstverständnis. Das Bild jedoch entstand Jahre nach dem Ereignis, als Quelle dienten dem Maler Fotos von nachgestellten Szenen. Als die bulgarische Kunstwissenschaftlerin Martina Baleva unlängst die Mechanismen der Mythenbildung anhand dieses Gemäldes nachwies, bekam sie aus bulgarischen nationalen Kreisen Morddrohungen.

Vielleicht war die Historienmalerei in der Zeit unter Piloty tatsächlich so etwas wie ein Aushängeschild der Akademie. Die Kehrseite aber war: München schottete sich im akademischen Betrieb lange gegen Einflüsse der Moderne ab. Mit Wilhelm von Diez, seit 1872 Lehrer an der Akademie und ein Vertreter frühimpressionistischer Malweise, oder mit Gabriel von Max, seit 1879 Professor für Historienmalerei, mögen sich erste progressive Züge in der Lehre bemerkbar gemacht haben. Doch wie stark sich die Moderne trotz des akademischen Konservativismus in der Malerei der Schüler durchsetzte, das zeigen die von den Symbolisten beeinflussten Akademieabsolventen Béla Iványi-Grünwald und István Csók mit ihren überhöhten Landschaften, oder der ganz im satt-realistischen Leibl-Duktus malende Frank Duveneck aus den USA.

Zu den Erneuerern zählte auch Carl von Marr, einst Schüler Pilotys, aber nicht sein Apologet und später selbst Direktor der Institution. Marrs Monumentalwerk „Die Flaggellanten“ von 1889 – seit mehr als 100 Jahren nicht mehr in Europa ausgestellt – offenbart denn auch das Bemühen, auf dem Pfad der Tradition in die Moderne zu gehen. Eine Mischung aus historisierender Monumentalität und Vorwegnahme Stuckscher Verheißungssymbolik. Zu dieser Zeit öffnete sich die Akademie denn auch progressiven Künstlern, die Berufung des Secessionisten Franz von Stuck zum Professor der Akademie ist nur ein Beispiel.

Walter Grasskamp, Akademieprofessor aus unseren Tagen, reflektiert im Katalog darüber, welchen Weg die Akademie nach dem Bedeutungsschwund der Historienmalerei hätte gehen können. Studenten wie Josef Albers, Giorgio de Chirico, Paul Klee, Franz Marc, Alfred Kubin, Christian Schad, Max Slevogt hätten als spätere Künstler genügend progressives Potential eingebracht. Aber nicht nur, dass man die Modernen versäumte, seit 1933 hat man sie zudem vertrieben. Was dann kam, ist bekannt. Denkt man jedenfalls. Doch noch immer nicht trauen sich Ausstellungsmacher, gerade diesen schwarzen Punkt in der deutschen Kunstgeschichte und auch in der Geschichte einer Kunstakademie zur Diskussion zu stellen. Ein nur wenig inspirierter Mädchenakt von Adolf Ziegler, Akademiedirektor zur NS-Zeit, und ein Porträtkopf Adolf Hitlers von Professor Bernhard Bleeker stehen für die Verirrungen im Dritten Reich.

Der kühn-kritische Geist, den man bei der Historienmalerei gezeigt hat, ist bei der Konzeption des 20sten Jahrhunderts verflogen. An den Neubeginn nach 1945 mit Künstlern wie Willi Geiger und den Abstrakten unter den Professoren, Ernst Geitlinger, zu erinnern, auf richtungsweisende Lehrer der 1960er und 1970er Jahre wie den dänischen Bildhauer Robert Jacobsen und den Konkreten Günter Fruhtrunk aufmerksam zu machen, oder auch die Videoarbeit einer Studentengruppe wirken wie die dokumentarische Pflichtübungen, den Bogen bis ins Heute zu spannen.

Dabei hatte der Rundgang so sinnreich angefangen. Die große Installation „An die geschundene Kreatur“ von Karl Fred Dahmen aus den Jahren 1972/74, die wie ein abstrakter Karren mit Deichsel, Wagenrädern und ins Leere verlaufenden Seilen sein Thema versinnbildlicht, aufgestellt inmitten schmachtvoller Historienbilder, reflektiert nicht nur das ewige Thema der Kunst, sondern auch das Gründungsmotto der Akademie: „...kein bestimmter Lehrplan, kein gleichförmiger Mechanismus“.

Die Ausstellung „Die Kraftprobe – 200 Jahre Kunstakademie München“ ist bis zum 31. August zu sehen. Das Haus der Kunst hat montags bis sonntags von 10 bis 20 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 22 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 5 Euro, für Jugendliche unter 18 Jahre 2 Euro, für Kinder unter 12 Jahren ist der Eintritt frei. Zur Ausstellung erscheint das Katalogbuch „200 Jahre Kunstakademie München“, herausgegeben im Hirmer Verlag von der Akademie der Bildenden Künste München, für 49,90 Euro.

Kontakt:

Haus der Kunst

Prinzregentenstraße 1

DE-80538 München

Telefon:+49 (089) 21 12 7 -0

Telefax:+49 (089) 21 12 71 57



17.07.2008

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Sabine Spindler

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Jan Matejko, Der Narr Stanczyk, 1862
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Karl von Piloty, Alexander der Große nimmt sterbend Abschied von seinem Heer, 1885/86

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