Mariann Grunders Zeichnungen in Solothurn  |  | Mariann Grunder, Selbstportrait, 1980 | |
Mariann Grunder ist vor allem als Bildhauerin bekannt. Zuletzt war das skulpturale Schaffen der 1926 in Bern geborenen Künstlerin im Centre PasquArt in Biel und im Kunsthaus Langenthal zu sehen. Nun unternimmt es das Kunstmuseum Solothurn, erstmals ihr zeichnerisches Œuvre umfassend vorzustellen. Dazu präsentiert das Museum weitgehend chronologisch gehängte Beispiele vom Frühwerk bis hin zu aktuellen Arbeiten und bezieht sich damit auf den eigenen Sammlungsschwerpunkt der Bildhauerzeichnung. Im ersten Saal mit dem Schaffen der 1940er bis 1970er Jahre beginnt die Ausstellung mit frühen Portraits und Selbstbildnissen. Schon hier zeigt sich Mariann Grunders Fähigkeit, das Charakteristische von Raum, Form und Struktur zu erkennen und das Licht als wesentliches Element in die Gestaltung einzubeziehen.
Bemerkenswert ist eine Serie, die 1960 im südfranzösischen Val d’Enfer entstanden ist. Die ausdrucksstarken Strichzeichnungen zeigen ihr Interesse am Reichtum der Strukturen, die sich in einer zerklüfteten Landschaft finden lassen. Die wenige Jahre später in Berlin entstandenen Tusche- und Kohlezeichnungen erreichen die lineare Verdichtung gleichsam von der anderen Seite her: Während Mariann Grunder in ihren Landschaftszeichnungen aus Südfrankreich die dreidimensionale Wirklichkeit in einer bewusst flach gehaltenen zweidimensionalen Darstellung umsetzt, geht sie in ihren Zeichnungen aus Berlin von der zweidimensionalen Realität von Stadtplänen aus, die ihr als Zeichengrund dienen, um ihnen in einem Prozess des Überzeichnens einen illusionistischen Raum zurückzugeben.
Auch auf Stein zeichnet Mariann Grunder, was anhand von Ritzzeichnungen auf Steinen wie auch auf Schiefertafeln zu sehen ist. Ihre Sprayzeichnungen der Jahre 1980 bis 1985 erinnern an Graffitis und sind doch entschieden als Bilder konzipiert: Hell und Dunkel, Positiv- und Negativformen, Abstraktion und Gegenständlichkeit sind sorgfältig ausgewogen. Die zufällig in Kunststoff- und Betonböden entdeckten Schleif- oder Gussspuren motivierten Mariann Grunder zu organisch anmutenden Werken. In diesen jüngeren Arbeiten lässt sie den Zufall ins Spiel kommen und unterläuft damit konventionelle Kunstansprüche. Von derselben Nonchalance zeugen die neuesten Zeichnungen von 2007, für die die heute 82jährige farbige Klebebänder verwendet, um die Silhouetten von Körpern und Formen zu „zeichnen“.
Die Ausstellung „Mariann Grunder – Zeichnungen“ ist bis zum 5. Oktober zu sehen. Das Kunstmuseum Solothurn hat Dienstag bis Freitag von 11 bis 17 Uhr, am Samstag und Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.
Kunstmuseum Solothurn
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