Musik in der bildenden Kunst in Salzburg  |  | Wolf Vostell, aus: Sara Jevo 3 Fluxus Pianos, 1994 | |
Das Museum der Moderne in Salzburg schließt in diesem Sommer seine Ausstellungstrilogie „Les Grands Spectacles“ mit dem Thema der Musik in der bildenden Kunst ab. Zu sehen sind unter anderem Partituren, Objekte, Fotografien, Videos, Videoinstallationen sowie Aufzeichnungen von Aktionen. Dabei geht die Schau von den Umbruchbewegungen des frühen 20sten Jahrhunderts aus, die nicht nur die bildende Kunst erfassten und die vorübergehende Verabschiedung des Figuralen und Gegenständlichen zugunsten der Abstraktion mit sich brachten, sondern auch die Musikgeschichte veränderten, als Virtuosität, Geniekult, klassische Instrumente, musikalische Harmonien und Melodien von Komponisten und Theoretikern radikal in Frage gestellt wurden. Dazu gehörten auch die jungen Künstler des italienischen Futurismus wie Luigi Russolo, der der harmonischen Musik mit den Geräuschen des Alltags und der zunehmenden Technik zu Leibe rückte und dazu eigene Instrumente erfand, die sogenannten „Intonarumori“. Auf die politische Seite des Futurismus spielte sehr viel später Günther Uecker mit seinem „Terrororchester“ an, das sich aus Geräusche produzierenden Objekten zusammensetzte.
In der zweiten Jahrhunderthälfte führte der amerikanische Musiker John Cage eine neue Verschmelzung der Künste durch und bildete damit einen Fixpunkt der Postmoderne, dem sich bald auch zahlreiche bildende Künstler anschlossen. So etwa die Vertreter Fluxusbewegung, von denen in Salzburg jene Werke gezeigt werden, die sich direkt auf Cage beziehen, seinen Hang sowohl zur Veränderung technischer Aspekte wie auch zur Einbeziehung des Elektronischen aufnehmen oder in ihren Aktionen das Prinzip eines „kalkulierten Zufalls“ weiterführen. 1959 entwickelte Nam June Paik in seiner „Hommage à John Cage“ erstmals das Konzept seiner Aktionsmusik. Zufällige Töne und Geräusche besitzen hier den gleichen Stellenwert wie die klassischen Klänge eines Instruments oder die Augenblicke der Stille. Skandalös war 1967 der halbnackte Auftritt der Cellistin Charlotte Moorman in der Aufführung der „Opera sextronique“ von Paik, womit eine obszöne Korrespondenz zwischen dem anthropomorphen Cello und der Cellistin hergestellt wurde. Dagegen zeigen die Bilder des 19. Jahrhunderts die Frauen am Klavier in entsprechender genormter Distanz und Haltung. Karikaturen auf Niccolò Paganini und Ludwig van Beethoven schließen den Kreis als frühe Vorboten einer Gegenbewegung, die zur künstlerischen Avantgarde am Beginn des 20. Jahrhunderts als Kunstprinzip den Dilettanten, das Anti-Virtuose hervorbrachte.
Die Ausstellung „Sound of Art. Musik in der bildenden Kunst. Les Grands Spectacles III.“ ist bis zum 12. Oktober im Museum der Moderne Salzburg zu sehen. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis 21 Uhr. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro. Der Katalog kostet 33 Euro.
Museum der Moderne Salzburg – Mönchsberg
Mönchsberg 32
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