Alfred Hrdlicka im Wiener Künstlerhaus  |  | Alfred Hrdlicka, Bühnenbild aus Faust II, 1982 | |
Den 80sten Geburtstag Alfred Hrdlickas nimmt das Künstlerhaus Wien zum Anlass, sein Mitglied im Künstlerverein mit einer umfassenden Ausstellung zu würdigen. Der 1928 in Wien geborene Universalkünstler mit hellem politischem und sozialkritischem Sinn hat als Bildhauer, Maler, Zeichner und Grafiker ein Œuvre geschaffen, das von einer außerordentlichen physischen und psychischen Existenzialität und Exzessivität gekennzeichnet ist. Häufig steht der geschundene Mensch im Mittelpunkt seines stets figurativen Schaffens. In expressiver Darstellung setzt Hrdlicka sein künstlerisches Zentrum am menschlichen Erleiden, Erdulden und Entgegnen an. Er erfasst den Menschen in seinen verschiedenen Befindlichkeiten und Situationen und macht Leid, Tod, Krankheit, Schändung und Verzweiflung zu seinen Themen. Dabei fokussiert er brisante politische und soziale Ereignisse der unmittelbaren Gegenwart und analysiert auch die Formen menschlicher Sexualität, die oft selbstbezogen in drastischen und gewaltsamen, oft pornografischen Bildern Ausdruck erhält.
Neben den skulpturalen, grafischen und malerischen Werken Alfred Hrdlickas sind im Künstlerhaus erstmals die raumfüllenden Arbeiten für das Theater und die Oper zu sehen. Diese monumentalen Bühnenbilder, die für die Aufführungen in Stuttgart und Bonn entstanden sind, werden in kompletter Größe präsentiert. Die Prospekte für Goethes „Faust“ und Luigi Nonos Oper „Intolleranza 1960“ bestechen durch die Kraft der figuralen Darstellung, die an die großen Freskenzyklen der Kunstgeschichte erinnert. In den bis zu 9 auf 15 Meter großen Bühnenbildern kommentiert der Hrdlicka in figurenreichen Tableaux das dichterische Werk. Fern von Ausstattung und üblicher Bühnendekoration schafft er mit seinem Werk ein paralleles Schau-Spiel. Als Besonderheit sind darüber hinaus sein im Original in Marmor geschaffener straßenwaschender Jude, das „Mahnmal gegen Krieg und Faschismus“, und die monumentalen Kompositionen gegen das Naziregime aus der Universität Münster in der Ausstellung im Künstlerhaus zu sehen.
Die Ausstellung „Alfred Hrdlicka – Der Titan und die Bühne des Lebens“ läuft bis zum 21. September. Das Künstlerhaus hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet.
Künstlerhaus Wien
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