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Kunsthalle Recklinghausen erinnert an die Künstlergruppe „junger westen“

Aufbruch auf regionalem Fundament



Vor rund sechs Jahrzehnten eröffneten sich neue ungeahnte Aussichten für die Kunst. Die Zeit der Zwänge, Bevormundung, Verfolgung war nach dem Ende des nationalsozialistischen Desasters gottlob vorbei, Freiheit und Austausch fassten wieder Fuß. Doch in der kargen Nachkriegsperiode interessierten zunächst dringlichere Bedürfnisse als Kunst und Kultur. Während dieser Spanne ließ sich im Kunstsektor gemeinschaftlich mehr erreichen als Einzelkämpfer in einer unsicheren singulären Position. So nimmt es nicht Wunder, dass sich in vielen Regionen nach 1945 Künstlergruppen zusammenfanden, die mit ihren Werken überaus maßgeblich den künstlerischen Aufbruch in Deutschland prägten. Noch heute sind Vereinigungen wie ZEN aus München, Quadriga aus Frankfurt am Main, Gruppe 53 aus Düsseldorf oder die 1948 in Amsterdam länderübergreifend ins Leben gerufene Gruppe COBRA im Bewusstsein verankert. In deren Schatten steht leider die Recklinghausener Künstlergruppe „junger westen“. Woher diese Unangemessenheit rührt, kann nur dezent vermutet werden: in der dezidierten Auseinandersetzung mit ihren regionalen Wurzeln in einer Gegend, die eher mit ökonomischen als mit kulturellen Aspekten in Verbindung gebracht wird.


Spiritus Rector für die Konstituierung der Gruppe war wie so oft das Engagement eines Einzelnen, des Lehrers und Kunsthistorikers Franz Große-Perdekamp, der junge Künstler als Hoffungsträger für den geistigen Neuanfang als unentbehrlich ansah. Also bemühte er sich um die Ausrichtung einer Ausstellung. Wie vielerorts fand diese erste Nachkriegskunstpräsentation der Stadt in einem Ausweichquartier statt, nämlich in der Lebensmitteletage des Kaufhauses Althoff in Recklinghausen. Unter dem Titel „Junge Künstler zwischen Rhein und Weser“ wurde sie am 5. September 1947 mit Werken von 25 Künstlern eröffnet. Begleitend zur Ausstellungsplanung fasste Große-Perdekamp bereits die Errichtung einer Künstlergruppe ins Auge, deren Gründungsprozess mit der Eintragung ins Vereinsregister 1948 endete.

Erster Vorsitzender der Vereinigung „junger westen – Maler, Grafiker, Bildhauer“ wurde der Hagener Maler Emil Schumacher, der Münsteraner Bildhauer Ernst Hermanns sein Stellvertreter und der Recklinghausener Maler Thomas Grochowiak der Geschäftsführer. 28 Maler, Grafiker und Bildhauer gehörten dem Bund an, dessen Kerngruppe sich zusätzlich aus Gustav Deppe, Heinrich Siepmann und Hans Werdehausen zusammensetzte. Neben der Ausrichtung einer Jahresausstellung rief die Gruppe den „Kunstpreis junger westen“ ins Leben, dem ersten, der nach dem Krieg von einer Kommune vergeben wurde. Erster Preisträger der mit damals 250 Mark dotierten Auszeichnung wurde Karl Otto Götz, gefolgt von Kurt Lehmann, Emil Schumacher und Heinrich Siepmann. Schnell fand der „junge westen“ überregionale Kontakte und Reputation. In München, Konstanz und Kassel waren schon 1950 Werke der Mitglieder im Rahmen wichtiger Ausstellungen präsent.

1950 erhielt die Gruppe auch eine neue Heimstadt. Vis-à-vis des Recklinghausener Hauptbahnhofes wurde ein Hochbunker mit geringen Mitteln zur Kunsthalle umgestaltet, der bis heute mit seinen 900 Quadratmetern Fläche auf drei Etagen Domizil der Kunsthalle ist. Erster Direktor wurde Franz Große-Perdekamp. Schreitet man hier nun durch die Ausstellung mit einer Auswahl von rund 80 nach Künstlern arrangierten Arbeiten, fällt zunächst einmal das breite Spektrum bildnerischen Ausdrucks von Industrielandschaften, konstruktivistischen Motiven bis hin zum Informellen auf. Besonders die Arbeiten aus den 1940er Jahren, darunter Landschaften, Stillleben, Porträts sind noch ausgesprochen traditionell und mitnichten abstrakt. Allerdings gibt sich die Behandlung der Sujets sehr frei. Ein allzu großer Naturalismus geht in organische Formationen, netzartige Strukturen und stark abgetönte, erdspröde Farben auf. Bei der konkreten Formfindung und Ausformulierung werden Unsicherheiten des ästhetischen Ausdrucks deutlich offenbar. Wichtig für die Künstler war jedoch zunächst allein der Arbeitsbeginn als Aufbruchsignal an sich.

Erst nach und nach gewinnen die anfangs dezenten Abstrahierungen die Oberhand. Um 1950 zeigen Emil Schumachers Ölgemälde noch deutliche Ansätze von gegenständlichen Motiven, die aber im Detail autonom mit Perspektive, Formen und Farben spielen. Ausgehend von simplen Sujets entwickelt Heinrich Siepmann eine ausgesprochen malerische Variante des Konstruktivismus. Selbst seine eher informellen späteren Bilder aus der zweiten Hälfte der 1950er Jahre verzichten nicht auf das konstruktive Formengerüst, das ebenfalls in Arbeiten von Gustav Deppe vorherrscht. Allerdings geht es in filigranen, netzartigen Mastenansammlungen, Zechentürmen, Industriekomplexen auf, die Deppe im dampfenden „Kohlenpott“ fand und in malerischer Sensibilität zu Papier bringen weiß. Auch Thomas Grochowiaks frühe Gemälde zeigen Themen aus dem Arbeitsleben im „Pott“, bevor er zu freien Kompositionen übergeht. Der Bildhauer Ernst Hermanns erschafft einansichtige Reliefs und vegetative Skulpturen, die von Kunstschaffenden der nachfolgenden Generation, darunter Otto Herbert Hajek, weiter entwickelt werden.

Ein wesentlicher Aspekt neben der starken Verortung im Ruhrgebiet ist das Hinwirken ihres Schaffens in die Gesellschaft. In Entwürfen zu Tapetenkollektionen der für ihre Bauhaustapeten bekannten Firma Rasch offenbart sich diese Tendenz am deutlichsten. Lange Diskussionen über die Aufgaben der Kunst in einer modernen Gesellschaft, ihre Nützlichkeit und Vorbildfunktion für die Formgestaltung waren diesem Engagement vorausgegangen. Entwurfsmuster in heiteren, hellen Farben sowie luftigen, offenen Formfindungen sind in der Ausstellung zu sehen und mögen so manchen sicherlich an seine Kinderzimmertapete erinnern.

Die zwischen der Zweckdienlichkeit der Künste und ihrer absoluten Freiheit pendelnden Diskussionen in der Künstlerschaft werden ab Mitte der 1950er Jahre zugunsten der Unabhängigkeit der Kunst vom Zweck entschieden. 1958 gibt die Ausstellung „10 Jahre junger westen“ Gelegenheit zu einem Rückblick. Das Jubiläum markiert zugleich aber den Ausklang der Gruppe. Alle Künstler haben ihre individuellen Standpunkte eingenommen, sind im Kunstgeschehen fest etabliert und verzichten auf das gemeinsame Tun.

Die Schau zum 60jährigen Jubiläum findet ihre Erweiterung in Werken jener Künstlerfreunde, die man seinerzeit oft zu Gruppenausstellungen eingeladen hatte, darunter HAP Grieshaber, Georg Meistermann, Hann Trier und Fritz Winter. Sie alle eint heute immer noch zu Unrecht ein gewisses Stigma des Naiven und Provinziellen, obgleich ihre Bedeutung für nachfolgende Generationen längst belegt ist. Allein das seinerzeit überregionale Image mit zahlreichen Ausstellungsbeteiligungen über das Ruhrgebiet hinaus unterstreicht ihren wichtigen Impuls für die Nachkriegskunst sowie die Unterschätzung bei all denjenigen, die von einer lediglich lokalen Erscheinung sprechen. Umso wichtiger ist es, sich diesen Anfängen wieder bewusst zu werden.

Die Ausstellung „Im Zeichen der Abstraktion – Die Künstlergruppe ‚junger westen’ 1948-1962“ ist bis zum 28. September zu sehen. Geöffnet ist täglich außer montags zwischen 11 und 18 Uhr. Der Eintritt beträgt 1,50 Euro, ermäßigt 0,75 Euro. Zur Ausstellung wird Ende September 2008 ein Katalog erscheinen, der an der Museumskasse 20 Euro kostet.

Kontakt:

Kunsthalle Recklinghausen

Große-Perdekamp-Straße 25/27

DE-45657 Recklinghausen

Telefon:+49 (02361) 50 19 35

Telefax:+49 (02361) 50 19 32

E-Mail: info@kunst-re.de



08.09.2008

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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