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Dortmund würdigt Lebenswerk von Otto Piene

Mitunter erweisen sich Kunstpreise als probate Mittel, Künstler zu Stiftungen oder Ausstellungen zu bewegen. Der junge, seit 1998 alle zwei Jahre aufgelegte und mit 20.000 Euro dotierte Preis der Kulturstiftung Dortmund wurde unlängst an Otto Piene vergeben. Das dortige Museum am Ostwall stellt aus diesem Anlass rund 75 Exponate und damit zentrale Arbeitsfelder Pienes vor, dessen erste Einzelausstellung genau hier im Jahr 1976 stattfand. Geboren 1928 im westfälischen Laasphe, faszinierten Otto Piene bei seiner Rückkehr aus dem Krieg Naturbeobachtungen wie Wasserspiegelungen und Himmelsphänomene so nachhaltig, dass Licht sein lebenslanges künstlerisches Medium werden sollte. Die unermessliche Weite, Reinheit und Energie regten ihn zu immer neuen künstlerischen Ausdrucksformen an.

Früheste Exponate sind Rasterbilder aus der ZERO-Gründerzeit. Durch Lochraster gedrückte Farben führen zu Erhebungen, die zarte Licht- und Schattenspiele entfachen. Ab 1959 kreierte Otto Piene aus hinterleuchteten Lochblenden inszenierte Lichtballette, die über bewegte Lampen an Raumwänden tanzende, teils himmelsartige Lichtbilder erzeugen. Ihnen schließen sich in der Ausstellung Rauchzeichnungen und Feuerbilder an. Mithilfe der Energie- und Lichtquelle Feuer zieht Piene ein neues gestalterisches Element heran. Brennende Malmittel sowie gesteuerte Rauchströme hinterlassen rußige Zeichnungen. Deren Motive offenbaren eine erstaunliche Nähe zu organischen Gebilden wie Pflanzen. Ferner verweisen Blasen oder Kreise wiederum auf Himmelskörper. Jüngste Arbeiten bilden indes Keramiken, „Feuer-Werke“ im besten Sinne, die Piene mit platinfarbenen Lasuren versieht, die Licht einfangen und reflektieren. Ein weiterer Ausstellungsteil dokumentiert Pienes zahlreiche Arbeiten der Kunst im öffentlichen Raum, darunter die lichtplastisch-kosmische Fassadengestaltung für das Kölner Kaufhaus Wormland, ein Lichtdach für die Universität Konstanz oder das erst letztes Jahr ausgeführte „Geleucht“ in der Form einer Grubenlampe auf der ehemaligen Halde Rheinpreußen bei Moers.

Weit weniger bekannt ist Pienes Tätigkeit als Lehrer und Forscher. Nach seinem Umzug in die USA 1967 wirkte er am „Massachusetts Institute of Technology (MIT)“ in Cambridge, wo er von 1974 bis 1994 als Direktor des „Center for Avanced Visual Studies“ arbeitete. Das Forschungsinstitut, das später Vorbild für die neue Kölner Medienhochschule oder das ZKM in Karlsruhe werden sollte, verfolgt die interdisziplinäre Kooperation zwischen Künstlern, Wissenschaftlern, Forschern, Technikern, Ingenieuren. Daraus ergab sich Pienes enge Zusammenarbeit mit anderen Künstlern und Technikern im Rahmen von „Sky Art“- Projekten, in denen sein ganzes Streben nach Licht und Himmel, Weite und Freiheit kulminiert. Ein Film dokumentiert den 1972 anlässlich der olympischen Schlussfeier in München inszenierten „Olympia-Regenbogen“. Der Reigen von Pienes Werkgruppen schließen die „Inflatables“ ab, luftgefüllte Skulpturen im Lichthof des Museums.

Die Ausstellung „Otto Piene: spectrum“ ist noch bis zum 25. Januar 2009 zu besichtigen. Geöffnet ist täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr, samstags ab 12 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr. Der Eintritt beträgt 3 Euro, ermäßigt 1,50 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der an der Museumskasse 22 Euro kostet.

Museum am Ostwall
Ostwall 7
D-44135 Dortmund

Telefon +49 (0)231 – 50 23 247
Telefax +49 (0)231 – 50 25 244

Quelle: Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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