Leopold Museum präsentiert Retrospektive zu Christian Schad  |  | Christian Schad, Sonja, 1928 | |
In einer umfangreichen Retrospektive präsentiert das Leopold Museum ab heute das Schaffen Christian Schads erstmals in Österreich. Den Hauptvertreter der Neuen Sachlichkeit stellt das Wiener Museum mit 130 Werken vor und zeigt dessen Bedeutung im internationalen Kontext anhand von 45 Vergleichsbeispielen seiner Zeitgenossen von Jean Cocteau, Otto Dix, László Moholy-Nagy, George Grosz oder Jeanne Mammen auf. Die Schau setzt ein mit Schads vom Kubismus und Dadaismus beeinflussten Frühwerk, das sich durch Kontakte mit den Züricher Dadaisten im Umkreis des Cabaret Voltaire, darunter Hugo Ball und Hans Arp, entwickelt. Häufig finden sich Cafeìhaus- und Cabaretszenen; das Porträt der Diseuse Marietta ist ein Markstein in Schads künstlerischer Entwicklung, da er nicht nur Farben, sondern auch Schrift mit einbezieht. 1917 zieht er nach Genf und erfindet die Schadographien – Photogramme, die mit objets trouveìs und Schrift gestaltet sind.
1920 nach München in seine oberbayerische Heimat zurückgekehrt, erschienen Christian Schad dadaistische Bilder „absurd“ und expressionistische Kunst überholt. Er reist im Sommer dieses Jahres nach Rom und dann weiter nach Neapel, wo er mit Unterbrechungen bis 1925 lebt. Vor allem der italienische Realismus, vertreten durch Künstler wie Ubaldo Oppi, Felice Casorati und die Gruppe Novecento italiano, aber auch die Renaissancemalerei prägen ihn. Hier gelangt er zu seinem Stil, den Portraits von kühler Ausstrahlung, gepaart mit psychologischer Durchdringung und einer makellosen Oberfläche. Seine Frauenbilder werden zu seinem Markenzeichen und zum Schönheitsideal einer Epoche.
Die Wiener Ausstellung bietet zudem eine Einblicke in das Spätwerk, nachdem Christian Schad sich 1942 wegen der Zerstörung seiner Berliner Ateliers in Aschaffenburg niedergelassen hat. Er nimmt abstrahierende Tendenzen auf, ohne sich jedoch gänzlich einer ungegenständlichen Malweise zu verschreiben. In den sogennanten „Resopal-Bildern“ der 1950er Jahre treten bereits Elemente der Pop Art hervor. In seine meisterhaft beherrschte realistische Malerei arbeitet er vor allem in den 1960er und 1970er Jahren verfremdende, symbolistische Elemente ein, er wendet gestalterische Prinzipien der Mehransichtigkeit an, die aus einer Beschäftigung Pablo Picasso und Francis Picabia hervorgehen, und nimmt Collagetechniken in seine Bilder auf.
Die Ausstellung „Christian Schad – Retrospektive“ läuft vom 26. September bis zum 6. Januar 2009. Das Leopold Museum hat täglich von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 7,50 Euro beziehungsweise 6,50 Euro.
Leopold Museum
Museumsplatz 1
A-1070 Wien
Telefon: +43 (0)1 – 525 700
Telefax: +43 (0)1 – 525 70 150 |