Portraitkunst von Matisse in Stuttgart  |  | Henri Matisse, Madame L.D. - Die blaue Bluse, 1936 | |
Mit „Matisse – Menschen Masken Modelle“ hat die Staatsgalerie Stuttgart die Große Landesausstellung Baden-Württemberg überschrieben, die sich von morgen an speziell der Portraitkunst von Henri Matisse widmet. Obwohl es sich hierbei um ein zentrales Thema in dessen Kunst handelt, ist seinen Porträts bisher noch keine eigene Ausstellung gewidmet worden. Dazu hat die Staatsgalerie Stuttgart eine Auswahl von 110 Werken zusammengestellt, die in Gemälden, Skulpturen, Zeichnungen und Druckgrafiken aus allen Schaffensphasen Matisse’ Bildniskunst mit ihrem faszinierenden Ausdrucksspektrum erlebbar machen will. Der Titel deutet bereits an, dass Henri Matisse die traditionelle Porträtauffassung in ein Oszillierens zwischen Individualität und Anonymität erweitert. Ziel ist dabei eine Synthese der wichtigsten Züge des Modells als Resultat einer tief empfundenen Beziehung zum Gegenüber, die sich in oft zahllosen Sitzungen ergibt. Da der wahre Charakter eines Menschen für Matisse nicht unmittelbar mit dessen äußerer Erscheinung zusammenfällt, kann dies in letzter Konsequenz in einer Überindividualität gipfeln, bei der die Gesichtszüge zur zeichenhaften Maske werden.
In der Stuttgarter Ausstellung wird Henri Matisse auf einer persönlicheren Ebene erfahrbar, als bislang möglich. Nicht allein die Revolutionierung der künstlerischen Ausdrucksmittel steht im Focus, sondern genauso die bislang eher marginal gestellte Frage nach der inhaltlichen Seite seiner Kunst. Die Schau stellt dazu neueste Erkenntnisse zu seinen Familienverhältnissen, seinen Beziehungen zu Künstlerkollegen, Sammlern und Berufsmodellen vor. Matisse wird so einerseits als Maler von Menschen in den Blick genommen, andererseits wird nach den Strategien gefragt, die ihn befähigen, das immer wieder postulierte Verlangen nach einer Verallgemeinerung der persönlichen Empfindung bei den Portraits zu erreichen. Die Voraussetzungen für diese Verdichtung der Menschendarstellung sieht Matisse besonders im Bereich der afrikanischen Skulptur, der archaischen Statuarik sowie der Ikonenmalerei. Dennoch ist es für ihn nicht einfach, sie auf die Einzigartigkeit des Individualporträts anzuwenden. Um das dauerhafte, ja sakrale Bildverständnis zu erreichen, muss er die Portraits oft überarbeiten. Dieses variantenreiche und prozesshafte Moment macht die Ausstellung mit zeichnerischen Studien und ersten Entwürfen zu fertigen Gemälden und Skulpturen deutlich.
Die Ausstellung „Matisse – Menschen Masken Modelle“ läuft vom 27. September bis zum 11. Januar 2009. Die Staatsgalerie Stuttgart hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 7 bzw. 2 Euro.
Staatsgalerie Stuttgart
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