Kölner SK-Stiftung zeigt Selbstporträts von Jim Dine  |  | Jim Dine, Beautiful Rosy Cheeks, 2004 | |
Neben Malerei, Grafik, Skulptur und Sprache stellt seit über einem Jahrzehnt die Fotografie einen festen Bestandteil im Schaffen von Jim Dine dar. Der 1935 geborene Amerikaner kombiniert Eindrücke, Erfahrungen, Erinnerungen verschiedener Zeit- und Wahrnehmungsfolgen in Selbstporträts, mithilfe derer er die eigene Person befragt. So verwundert es nicht, dass viele der in Kombination mit seinem Gesicht dargestellten Figuren bereits im Arsenal seiner früheren Arbeiten verankert sind. So tritt in die ausgestopfte Eule ebenso wie der erhabene Rabe oder sein Alter Ego Pinocchio auf, begleitet von einem Porzellanhahn sowie von seinem Widersacher, dem listigen Fuchs. Gleichfalls fußt die Fotografie eines Menschenaffen mit großer Barbiepuppe auf den Schultern auf der eigenen bildhauerischen Ausarbeitung, die ein kraft- wie humorvolles Bild für die synergetische Verbindung gegensätzlicher Temperamente und Mächte entwirft. Seelenverwandte Kunstfiguren, darunter auch Künstlerkollegen wie Robert Creely oder Mary McCarthy dienen ebenso seiner Inspiration.
Über ihre vermeintliche Trivialität hinaus bilden die Darstellungen Metaphern für menschliche Beziehungsfähigkeiten und Kommunikation, die Vergänglichkeit und Tod einschließen. Das fotografische Notizbuch ist also eine tiefe Beschäftigung mit komplexen Sinnfragen. Dabei resümiert Jim Dine die persönliche Entwicklung, Begebenheiten, Zustände, Gefühlslagen in ihrer fortwährenden Vergänglichkeit. Teils verschwommen, transparent angelegt oder auch kombiniert mit Zonen satter Farbigkeit nutzt der Künstler die Optionen der Fotografie zu geschickten Kombinationen überlagernder Schichten, die deutlich das geschulte Auge des Grafikers und Malers verraten.
Durch intensives Sehen müssen die entrückten Sujets erst langsam erschlossen werden. Sie oszillieren zwischen Realität und Fiktion, Kunst und Leben. Das Ephemere wie Erzählerische der Schichten spiegelt die Flüchtigkeit des Lebens und der Erinnerungen, die an singulären Punkten fixiert werden. Einzige Konstante ist das immer wieder auftauchende Gesicht Dines. 74 überwiegend großformatige, nicht chronologisch geordnete Porträtfotografien aus den Jahren 2002 bis 2007 sind derzeit in der Kölner SK-Stiftung zu sehen, die rund 800 Arbeiten von Jim Dine als Schenkung erhalten hat.
Die Ausstellung „This is how I remember, now. Portraits. Photographs by Jim Dine“ ist noch bis zum 14. Dezember zu besichtigen. Geöffnet ist täglich außer mittwochs von 14 bis 19 Uhr. Der Eintritt beträgt 4,50 Euro, ermäßigt 2 Euro. Montags ist der Eintritt frei. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der an der Museumskasse 48 Euro kostet.
Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur
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