Regine Müller-Waldeck erhält Ars Lipsiensis 2008  |  | Regine Müller-Waldeck, Ich glaube, es ist überwunden, sie zeigt Interesse an ihrer Umgebung, 2008 | |
Regine Müller-Waldeck erhält heute Abend den Ars Lipsiensis 2008, den Kunstpreis der Dresdner Bank in Leipzig. Die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung geht der 1975 in Greifswald geborenen Künstlerin für „ihre Auseinandersetzung mit dem suburbanen Raum als psychosozialem Konstrukt zu, bezogen sowohl auf von Zerrüttung in Kultur und Gemeinwesen betroffene Gebiete und verödende Räume, als auch auf eine persönliche Gedankenwelt im Moment des Kippens kurz nach der Diagnose der Aussichtslosigkeit“. Wesentlich und entscheidend für die Jury ist in der Realisierung ihrer Arbeiten die Wahl der Materialien, speziell die Assoziationskraft einzelner Stoffe wie beispielsweise Paraffin und harzgetränkter Textilien. So setzt Regine Müller-Waldeck Paraffin dank seiner Ambivalenz zu organischer Lebendigkeit als ein bewusstes Medium des Unheimlichen ein. Textilien, beispielsweise zerschnittene Plisseeröcke, bewirken Assoziationen des Körperlichen und der Zivilgesellschaft. Das in bisherigen Arbeiten angerissene Thema „Interim und Monument“ wird um das Thema „Verschanzen“ ergänzt und soll die Emotionalität und die Mittel menschlichen Zusammenlebens in existentiell gefährdeter Umgebung untersuchen. Die konkreten politischen Zusammenhänge und Daten treten dabei hinter die wiederkehrenden Äußerungen sozialer Bedrohung zurück.
Die Dresdner Bank möchte mit dem Ars Lipsiensis die künstlerische Entwicklung von besonders begabten Studierenden der Hochschule für Grafik und Buchkunst beim Übergang in die freiberufliche Existenz fördern. Der Preis wird für herausragende Meisterschülerarbeiten vergeben. Neben dem Hauptpreis erhält der 1977 in Paderborn geborene Till Gathmann den mit 1.000 Euro dotierten Anerkennungspreis für seine Installation „Kallir“. Sie ist Produkt seiner Recherche über das Leben des Laienschriftforschers Alfred Kallir. Der 1899 in Wien geborene Kallir, der als Emigrant den Zweiten Weltkrieg in London erlebte, wurde durch Winston Churchills berühmte Geste inspiriert, sich mit Ursprung und Wirkung des Buchstabens „V“ zu beschäftigen. Auf verschiedene Art und Weise versuchen die einzelnen Objekte von Gathmanns Installation die Fakten, Vermutungen, Erzählperspektiven und den geschichtlichen Kontext zur Darstellung zu bringen. Kernstück der Installation ist ein im Stile klassischer Fernsehinterviews der 1960er Jahre gedrehtes „Interview“ mit Alfred Kallir über sein Leben und den Buchstaben „V“.
Sowohl die Arbeit von Regine Müller-Waldeck wie auch die von Till Gathmann sind in der Ausstellung der Meisterschülerarbeiten vom 2. bis 30. Oktober an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig zu sehen. |