Kult des Künstler: Hans von Marées in Berlin  |  | Hans von Marées, Orangenpflückender Reiter und nackte Frau, um 1869/70 | |
Mit insgesamt zehn Ausstellungen erweisen verschiedene Häuser der Staatlichen Museen zu Berlin im Herbst 2008 dem Künstler ihre Referenz. Die Ausstellungsreihe geht auf eine Initiative des scheidenden Generaldirektors Peter-Klaus Schuster zurück und nimmt den Künstler als bestimmende mythische Figur des Abendlandes in den Blick. Geeigneter und zentraler Ort für diese Ausstellungen ist die Nationalgalerie, die 1876 als nationale Kultstätte für die Meister der damaligen internationalen Gegenwartskunst eröffnet wurde. Einem verkannten wie umstrittenen Genie ist seit dem Wochenende eine erste Schau gewidmet, mit 100 Gemälden, großformatigen Rötelzeichnungen und Skulpturen immerhin die erste seit 1909 in Berlin: Hans von Marées. Das hat zum einem mit dem Spröden und schwer Zugänglichen seines Werkes zu tun, zum anderen auch mit der Fragilität vor allem vieler Arbeiten der Spätzeit, auf denen Marées die Farbe schichtete und die heute noch kaum transportabel sind. So ist der zu Lebzeiten erfolglose Maler, der nach 1900 als verkanntes, einsames Genie hohe Wertschätzung erfuhr, heute wieder weitgehend unbekannt.
Um die Bewertungen seines Œuvres stritten schon die damaligen Kunsthistoriker. Julius Meier-Graefe bezeichnete Hans von Marées als den einzigen wirklichen Künstler seiner Zeit, Max Deri hielt seine Lehre für gefährdend und verderblich. Zentrales Motiv für Marées ist der „Orangenpflückers“, das wichtigste Symbolbild für den Künstler. Die positiv besetzte, immer männliche Figur des Orangenpflückers entspricht einem Kult des Künstlers, sie steht für den wahren Künstler, der den Früchten der Erkenntnis und der Vollkommenheit nahe ist. Zuerst erscheint das Motiv wohl in dem Bild „Orangenpflückender Reiter und nackte Frau“ aus der Stiftung Moritzburg in Halle, prominent findet es sich unter den Studien für die Fresken der Zoologischen Station in Neapel von 1873 im Besitz der Nationalgalerie. Zu den wenigen späten, fragilen Werken von Marées in der hauseigenen Sammlung gehören ebenfalls drei bedeutende Beispiele aus dieser Motivgruppe.
Die Ausstellung „Hans von Marées – Sehnsucht nach Gemeinschaft“ ist bis zum 11. Januar 2009 zu sehen. Geöffnet ist die Alte Nationalgalerie dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 22 Uhr. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 4 Euro. Der Katalog kostet im Museum 19,90 Euro.
Alte Nationalgalerie
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